Die Bühne der lebenden Toten

von Verena Bauer (24. März 2016)

 

Es ist erstaunlich, wie Nora Gomringer innerhalb von Sekunden die Aufmerksamkeit des gesamten – und nicht zu knapp gefüllten – Saales des ETA Hoffmann Theaters einfängt. Mit einem gewagten Mix aus gesprochenem und gesungenem Text eröffnet sie atmosphärisch den Dead or Alive Poetry Slam, »die lebhafteste Form des Slams«, wie die Lyrikerin augenzwinkernd ihre Anrede schließt.

Dead or Alive Poetry Slam – das heißt, vier Slammer treten gegen vier tote, von Schauspielern des Theaterensembles verkörperte Dichter an. Die Spannung steigt, während Christian Ritter und Nora Gomringer die Bewertungsschilder ans Publikum verteilen und die Tafeln vorbereiten, von denen später die vom Publikum an die Darbieter vergebenen Punkte prangen werden. Endlich ist es so weit, der Showdown ist eröffnet…

Alles nur Theater oder The Show Must Go On

von Lisa Strauß (16. März 2016)

 

© Denis Meyer

 

Alles nur Theater oder sind es tatsächlich die Bretter, die die Welt bedeuten? Dieser Dualismus ist Gegenstand des Theaterstücks Aufschrei. Oder das Zwei-Personen-Stück von Tennessee Williams. Es geht um Existenzialismus: Ums Eingesperrt sein, um Heimatlosigkeit und um (überspielte) Angst. Das WildWuchs Theater bringt den Stoff in einer Inszenierung von Susanne Bauernfeind auf die Bühne.

Es ist dunkel, Felice (Daniel Reichelt) stolpert auf die Bühne, macht die Scheinwerfer an und justiert akribisch das Bühnenbild. Die Anzahl der Requisiten ist überschaubar und besteht aus zwei schwarz-neongrün-gestreiften Stühlen, die nebeneinander stehen, einem Xylophon (das ein improvisiertes Klavier darstellen soll) und einem »Seifenwasser mit nur einem Strohhalm«.

Ground Control to Major Tom

von Marlene Hartmann und Lisa Strauß (13. März 2016)

 

 

© Martin Kaufhold

 

Was zunächst als Notlösung herhalten muss, gewinnt schnell die Überhand und führt zu Chaos, Wahn und Verzweiflung: Crystal Meth – die Droge, die im Rausch Menschen und Leben verändert, verwüstet, vereist. So schlittern die Figuren des neuen Theaterstücks Auf Eis – inszeniert von Petra Wüllenweber – über gefährlich dünnes Eis, bis jemand einbricht.

Die drei Freunde Tom (Alexander Tröger), Svenja (Marie Nest) und Lea (Anna Döing) befinden sich mitten in unserer Leistungsgesellschaft: Schulstress, anspruchsvolle Eltern, Freizeitdruck, heimliche Gefühle, das alles will unter einen Hut gebracht werden, und natürlich soll auch das Feiern nicht zu kurz kommen. Es gehört für die Jugendlichen wie das Stroboskoplicht und die Technomusik zum Wochenendprogramm, sich etwas einzuwerfen, um die ganze Nacht durchtanzen zu können. Als ihr üblicher Stoff jedoch nicht zur Verfügung steht, organisiert Tom etwas anderes: Crystal Meth. »Wir können es mal probieren, ist doch nichts dabei.«

»Darauf trink‘ ich!«

von Tessa Friedrich (23. Februar 2016)

 

© Werner Lorenz

 

Es ist kalt draußen, alles ist grau und man kann nie genau sagen, ob es gerade regnet oder schneit. Was gibt es da Schöneres, als sich abends in einer gemütlichen Runde bei Kerzenschein und einem Glas Wein zu treffen und aufregenden Geschichten und Erzählungen zu lauschen? Mit dem neuen Stück Er ist reif – Weinseliges mit Bach sorgt das Theater im Gärtnerviertel für die Möglichkeit, dem tristen Alltag zu entfliehen. Und sei es nur für eine kurze Zeit.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, an welche Orte Bambergs es einen verschlägt, wenn man ein Stück des Theaters im Gärtnerviertel besucht. Dieses Mal laden Regisseurin Nina Lorenz und Schauspieler Stephan Bach in die Vinothek und Weinhandlung »Vino e Camino« ein: ein kleiner Raum, zweigeteilt in einen Verkaufs- und einen gemütlichen Sitzbereich mit braunen Holztischen und Stühlen. Untypisch für ein Theaterstück, möchte man meinen, aber für eine »literarische Verkostung«, wie es das TiG bezeichnet, mehr als passend.

Mal ‘was anderes

von Alena Verrel (1. Februar 2016)

 

© Martin Kaufhold

 

Bei der Premiere von Roland Schimmelpfennigs Das schwarze Wasser im ETA Hoffmann Theater am 29.01.2015 war es genau das: etwas anderes. Die Inszenierung von Sibylle Broll-Pape fing eher verwirrend als fesselnd an. Wusste man doch die ersten Minuten nicht, inwiefern die Mönchsgesänge, eine Adaption von Wagners »Rheingold«, und die sich steigernde Musikinszenierung zu werten sei. Der Einmarsch von zwei in schwarz gekleideten Männern, die jeweils links und rechts der Bühne Platz nahmen, war spannend.

Zum Bühnenbild von Trixy Royek lässt sich sagen: minimalistisch, aber durchaus ansprechend ob der Projektionen etwaiger Bilder und Filme. Auch die Kostüme erfüllten (eben noch so) ihren Zweck. Jedoch lässt sich über Geschmack unendlich – oder eben gar nicht – streiten. Die Schauspieler haben eine solide schauspielerische Leistung erbracht, jedoch mussten sich sicher auch noch einige Zuschauer neben mir an die vielen Wiederholungen der Textzeilen, die Szenenwechsel und die beinahe an Monotonie grenzende Wortwahl der Zeitsprünge gewöhnen.