Scènes de la vie de bohème in Nürnberg

von Alena Verrel (25 November 2015)

 

© Jutta Missbach

 

Samstagabend, 19:30. Die Premiere von La Bohème in Nürnberg beginnt verhältnismäßig ruhig.

Als nicht mehr ganz so junge, jedoch noch durchaus als Studentin erkennbare Frau falle ich im Ambiente und unter den vielen wohlgekleideten Menschen um mich herum schon fast auf. Egal. Die von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka inszenierte Oper von Puccini im Schauspielhaus fängt mich wieder auf. Ganz im Sinne der Geschichte ist auch das Bühnenbild (auch Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka) wenig glamourös – passend im leicht verranzten Künstlertums des Rodolfo (Ilker Arcayürek).

Pontypool ist überall

von Marlene Hartmann und Katharina Stahl (19. November 2015)

 

© Denis Meyer

 

Das Leben ist alles andere als gerecht zu Grant Mazzy. Einst ein im ganzen Land gefeierter Radiomoderator, ist ihm nur noch die Morning Show des Provinzstädtchens Pontypool geblieben. Gemäß seinem Motto »Wir machen keine Gefangenen« verschreckt er die genügsamen Kleinstädter jeden Morgen aufs Neue mit seinem beißenden Zynismus – zum wachsenden Unmut seines Teams. Seine Karriere steht erneut auf der Kippe, doch dann geschieht das völlig Unvorhersehbare: Pontypool wird plötzlich zum Mittelpunkt des Weltgeschehens. In der örtlichen Klinik bricht ein gewaltsamer Aufstand aus, der immer größere Kreise zieht – und keinerlei Rücksicht auf Menschenleben nimmt. Selbst bald von jedweden Informationen abgeschnitten, halten allein Mazzy und sein Team den Kontakt zur Bevölkerung. Und nur sie haben eine Chance, Pontypool zu retten.

Go big or go home

von Alena Verrel (20. Oktober 2015)

 

© Martin Kaufhold 

 

Der Weg zur Premiere der Nibelungen 1&2 am mit neuer Intendantin versehenem E.T.A.-Hoffmann-Theater am 17. Oktober war grau und verregnet.

Man fühlte sich direkt auf den Stoff eingestimmt und wurde nicht enttäuscht. Die Inszenierung unter der Regie von Sibylle Broll-Pape gab dem Stück von Friedrich Hebbel eine wunderbar dunkle Atmosphäre. Das klar strukturierte Bühnenbild von Rainer Sinell wurde hervorragend direkt zu Beginn mit den holografischen Videos von Peer Engelbracht und Stephan Komitsch untermalt. Ein beeindruckender Beginn.

Von Krawatten, Bleistiftröcken und Reißzähnen

von Tessa Friedrich (11. Oktober 2015)

 

© Werner Lorenz

 

Der Kampf um den Erfolg. Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Intrigen. In Roland Schimmelpfennigs Stück Push Up 1-3, mit dem das Theater im Gärtnerviertel am 7. Oktober seine neue Spielzeit eröffnete, ist den Angestellten eines aufstrebenden Konzerns alles recht, um an die Spitze zu kommen. Belüge die Anderen, belüge dich notfalls selbst – »wer stehen bleibt, wird überholt.«

Episodenhaft schildert Push Up 1-3 den harten Konkurrenzkampf zwischen sechs Charakteren, die alle nur eins wollen: eine Versetzung mit Führungsposten nach Delhi, um ihre persönlichen Karrieren nach vorne und sich selbst an die Spitze zu bringen. Angelika (Ursula Gumbsch), verbitterte Frau des Chefs, die junge und sehr erfolgreiche Sabine (Heidi Lehnert), der ältere, aber fitnessverrückte Hans (Benjamin Bochmann), Frank (Martin Habermeyer), der sowohl psychisch als auch physisch in einer persönlichen Krise steckt, und die Büroaffäre Patrizia (Heidi Lehnert) und Robert (Stephan Bach). Getrieben von denselben Motiven und Ängsten bekämpfen sie sich gegenseitig, bis die Büros zu verbalen Schlachtfeldern werden. Über all dem schwebt der Chef des Konzerns, Kramer, der selbst nie auftritt, aber dennoch durchgehend präsent ist, denn nur ihm allein ordnen sich die Angestellten unter.

Status: ungeklärt.

von Laura Ott (26. Juli 2015)

 

© Dirk Müller

Am 12. Juli wurden im E.T.A.-Hoffmann-Theater die »Asyldialoge« aufgeführt.

Die Idee hatte die Berliner Bühne für Menschenrechte. Nach den »Asylmonologen« jetzt die »Asyldialoge«. Das Konzept ist gut: Aus einer Reihe Interviews mit Flüchtlingen aber auch Nicht-Flüchtlingen, die irgendwie in Kontakt stehen – also im Dialog, und das ist wichtig – haben sich drei Geschichten herauskristallisiert. Diese wurden fürs Theater gekürzt, verdichtet, aber – und das ist auch ganz wichtig, so Michael Ruf, Autor und Regisseur bei der Bühne für Menschenrechte – nichts ist dazu erfunden. Das geniale an der Idee: Das Theaterstück ist so konzipiert, dass es erstens auf jeder Bühne aufgeführt werden kann, denn außer dem Text brauchen die Schauspieler keine Requisiten und dass er zweitens an das jeweilige Ensemble, in diesem Fall das E.T.A.-Hoffmann-Theater, weitergegeben wird. Somit muss kein Bühnenarrangement von Theater zu Theater gekarrt werden und in Deutschland gibt es mittlerweile 250 Schauspieler, die an den »Asyldialogen« beteiligt sind.