Von schwulen Engländern und ihren Kokosnüssen

von Verena Bauer (04. März 2015)

 

 © Thomas Bachmann

„Man sollte nicht zu sehr mit Logik an die Sache ran gehen, sondern einfach mal Spaß haben“, rät Regisseur Uwe Drechsel dem Besucher des Musicals Spamalot.

Wenn man Monty Python kennt, wird man diesen Rat kaum brauchen. Die 1969 gegründete Comedy-Gruppe ist schließlich nicht für besonders logischen Input bekannt. Ihre Fans lieben sie vielmehr für trashige Parodien auf alles und jeden, mit viel Albernheit zu einem Höchstmaß an ausgemachtem Blödsinn getrieben. Ein solches Meisterstück ist auch der Film Die Ritter der Kokosnuss, der König Artus, seine Ritter der Tafelrunde und die Gralssuche gnadenlos auf den Arm nimmt. 1975 von der Gruppe heraus gebracht, bildet er die Basis von Spamalot. Das Musical, geschrieben von Monty Python-Gründungsmitglied Eric Idle, wurde 2005 am Broadway uraufgeführt. Zehn Jahre später kommt nun auch Bamberg in den Genuss.

Wer aber in der Erwartung ins Musical geht, eine gesungen-getanzte Version von Die Ritter der Kokosnuss vorzufinden, hat sich verrechnet. Denn neben Einflüssen aus anderen Werken der Pythons, wie Das Leben des Brian, ist es unter anderem mit zahlreichen Parodien auf den Broadway gespickt. Dazu kommt, dass die Bamberger eine ganz eigene Version aus dem Stoff kreiert haben, die die Inszenierung von der Broadway-Aufführung abhebt. 

Ein Monty Python-Musical also, das neben der Parodie auf Artus und die Gralssuche auch noch das Genre selbst parodiert, und das zusätzlich mit eigenem Witz aufgepeppt wurde – das klingt, als stünde ein sehr spaßiger Abend bevor. Doch so vielversprechend diese Mixtur sich anhört, so lange zieht sich der erste Teil. Die verwendeten Szenen aus den bekannten Filmen der Comedians sind freilich unverkennbar und fordern die Lachmuskeln des Publikums. Restliche Anspielungen und Witze sind aber teilweise doch etwas „zu trashig“ oder unglücklich platziert und kommen nicht richtig zur Geltung. So hangelt sich das Ganze etwas mühsam von einer Film-Szene zur nächsten. Wer nach der Pause bleibt, wird aber belohnt: Der zweite Teil beginnt furioser, fesselnder, als zuvor und es geht deutlich bergauf. Die Komik ist nun besser platziert, vor allem die Broadway-Parodie um die „Fee aus dem See“ kommt gut an. So löst sich die vorherige Ernüchterung in wohliges Gelächter auf. Eingefleischte Monty Python-Fans sollten dennoch davor gewarnt sein, zu sehr mit der Filmvorlage zu vergleichen – denn da kommt das Musical eben einfach nicht heran.

Kämpfen mit Samthandschuhen

von Anna-Lena Oldenburg (26. Februar 2015)

Nachdem im letzten Jahr im Rahmen der Impro Fight Night die ortsansässigen Anonymen Improniker ins Duell mit Ensemblemitgliedern des E.T.A.-Hoffmann-Theater geschickt wurden, waren es in diesem Jahr holterdiepolter! aus Nürnberg, die am Samstag, dem 21. Februar, zum Schlagabtausch geladen wurden. Der Name der Veranstaltung war hierbei aber irreführend – nicht zuletzt aufgrund eines wenig ausgeklügelten Punktesystems und der starken Betonung auf Kooperation zwischen den beiden (eigentlich) konkurrierenden Gruppen.

Es sollte ein vielversprechender Abend werden, mit dem potentiellen zeitlichen Ausmaß einer gelungenen Wetten, dass-Sendung. Zwei Moderatoren, zwei Teams á drei Mitspielern, DJ Erdferkel (was für ein großartiger Name!) und die Bamberger Band Brotmüller, die zwar manchmal in den Impro-Teil des Abends eingebunden wurden, aber deren Anwesenheit vielleicht noch kreativer nutzbar gewesen wäre, die aber großartigerweise im Anschluss noch ein Konzert spielten. Auffällig war hier vor das geringe Durchschnittsalter der Akteure, die sich durchweg in ihren Zwanzigern befanden, sowohl von Seiten des Stadttheaters, als auch von der Impro-Gruppe. Dies ist natürlich nur eine Randnotiz, denn Schlagfertigkeit und Humor sind nicht zwangsläufig Sache von Alter oder Erfahrung. Eine leichte Nervosität ließ sich aber sowohl beim Moderatorenpaar als auch bei einigen der Mitspielern feststellen, die zum Teil auffielen durch genaues Nachhaken hinsichtlich des Aufbaus einer Szene, wo freie Interpretation (und Improvisation) eben angebrachter gewesen wäre. Mehr Mut, mehr Kühnheit, mehr Entspanntheit hätte man sich manchmal gewünscht, wo Witze zum Teil bemüht wirkten und Spieler nervös und unaufmerksam, wobei natürlich ein gelegentliches Verhaspeln hier und dort eher zur Unterhaltung beitrug.

Kann man den Kapitalismus lieben?

von Anna-Lena Oldenburg (17. Februar 2015)

 

© Thomas Bachmann

 

Es gibt Romantischeres als sich am 14. Februar ein Stück über den großen Betrug am Sparer anzuschauen. Andererseits bot die Premiere von Schuld und Schein im E.T.A.-Hoffmann-Theater aber auch kurzweilige, schnelle, meinungsstarke Unterhaltung mit Bildungsanspruch – ein gelungener Abend mit wenig Platz zur Widerrede.

Eine Kasse, ein Abakus, ein Sparschwein und ein Vorhang bedruckt mit Geldscheinen, das sind die wenig subtilen Requisiten, die einen durch diesen Abend über das Geld begleiten und von denen vor allem die Kasse eine dramaturgische Aufgabe übernimmt, lässt die Conférencieuse doch jedes Mal die  Kasse klingeln, sobald im Zuge ihrer Erläuterungen oder im Dialog der allegorisch angelegten Figuren (Eckhart Neuberg als Staat in seinen unterschiedlichen Ausprägungen, vom blutleeren Monarchen des absolutistischen Staates, bis zur heutigen Demokratie im schwarzen Anzug; erfreulicherweise weiblich besetzte, rivalisierende Banken sowie die naive Sparerin, die doch bloß ihren bescheidenen Wohlstand vergrößern möchte) ein wirtschaftswissenschaftlicher Schlüsselbegriff fällt. Hierbei wird vor allem die Geschichte der Banken nachgezeichnet und ihrer zunehmenden, vom Staate quasi zwangsverordneten, Bereicherung an den Bürgern, die ihnen ihr Geld (oder, wie hier vereinfacht angenommen wird, ihr einziges Goldstück) anvertraut haben. Banken und Staat werden hierbei als diabolisch-konspirative Partner dargestellt: Gierig, opportunistisch und unverantwortlich im Umgang mit dem Geld anderer. Falls bei den geldverwaltenden Akteuren Zweifel aufkommen, dann immer nur darüber, ob die Anleger wirklich alles mit sich machen ließen, wobei die Antwort darauf stets auf dem Fuße folgt: Ja, denn eigentlich verstehe niemand, was hier vor sich geht, wisse sich niemand so recht zu wehren gegen ein übermächtiges Wirtschaftssystem, nähmen alle zu bereitwillig an, dass den Sparer benachteiligende Phänomene wie Inflation und Geldentwertung Naturgesetze seien, obwohl sie doch menschgemachte Mittel zum Abbau von Staatsschulden sind.

Kühler Norden, feuriger Vogel

von Veronika Biederer (01. Februar 2015) 

 

© Carola Hölting

Am 28. Januar 2015 wurde im E.T.A.-Hoffmann-Theater in einem Gastspiel des Landestheaters Eisenach Strawinskys temperamentvoller Feuervogel mit Sibelius’ eisig-melancholischem En Saga vor einem begeisterten Publikum technisch überzeugend kombiniert.

Andris Plucis, der nun seit dem Sommer 2009 Leiter und Choreograf beim Ballett des Theaters Eisenach ist, hat sich mit der Verbindung zweier nordischer Kreativitätspole, nämlich Strawinsky und Sibelius, an eine eisbrecherische Synthese gewagt, die durchaus als gelungen bezeichnet werden kann.

Strawinsky, der mit seiner Komposition zum Ballett Feuervogel am 25. Juni 1910 am Pariser Nationaltheater einen großen Erfolg verbuchen konnte, verarbeitete zwei russische Volksmärchen zu einer exotischen, starken Hymne. Als Choreograf setzt Plucis in seiner neuesten Inszenierung auf ebenso starke und ausdrucksvolle Tänzer.

Der Feuervogel überzeugt sowohl mit weichen, natürlichen Klängen, bei denen die Tänzer fast schon fragil auf der Bühne erscheinen, als auch mit machtvollen und dynamischen Parts. Diese werden besonders fulminant, wenn der böse Zauberer Koschtschei auftritt und sein Recht auf Herrschaft geltend macht. Der Feuervogel und der Prinz vollführen einen pantomimischen Tanz, der zeigt, dass die beiden durch ihre Unterschiedlichkeit keine Basis für eine Kommunikation haben. Während der Prinz und die Prinzessin ihrem zarten Liebesspiel nachgehen, umkreist sie der Feuervogel immer wieder mit skeptischer und auch warnender Miene.

Menschlichkeit als Gedankenverrat

von Karsten Babucke (15. Januar 2015)

 

© Thomas Bachmann

 

Am 09.01.2014 fand die Premiere des Kammerstücks In der Sache J. Robert Oppenheimer im Treff des E.T.A.-Hoffmann-Theaters statt, in dem der Prozess, dem sich der renommierte Physiker und Entwickler der Atombombe stellen musste, behandelt wird.

Der Physiker J. Robert Oppenheimer war bekannt als genialer Physiker und »Vater der Atombombe«, die er in den vierziger Jahren im sogenannten »Manhattan-Projekt« entwickeln half. Wenigen ist jedoch bewusst, dass dieser ehrgeizige Wissenschaftler sich für seine Arbeit vor einem amerikanischen Gericht verantworten musste. Er wurde beschuldigt, die Entwicklung der H-Bombe oder Supernova vereitelt und somit in Zeiten des kalten Krieges und der McCarthy-Ära kommunistisch gehandelt zu haben.

Das auf den originalen Gerichtsakten beruhende Theaterstück von Heinar Kipphardt aus dem Jahr 1964 handelt von diesem Prozess, dem sich der Physiker vor einem Sicherheitsausschuss der amerikanischen Atomenergiebehörde, der Oppenheimer selbst angehörte, stellen musste. Notwendig, da er ohne einen Freispruch des Vorwurfs nicht mehr uneingeschränkt seiner Arbeit als Physiker nachgehen könnte. Viele kommen zu Wort, der Anwalt der Anklage, Roger Robb (Gerald Leiß), als Verteidiger Oppenheimers Lloyd K. Garrison (Eckhart Neuberg), sowie Kollegen, Geheimdienstoffiziere und natürlich am intensivsten der Angeklagte selbst, gespielt von Florian Walter. Im Kreuzverhör werden die Ereignisse um die Entwicklung der Atombombe und deren Abwurf auf Hiroshima ebenso aufgearbeitet wie tiefe Einblicke in das persönliche und private Umfeld des Physikers gegeben werden.