Sand in den Wunden

von Felix Gerhard (02. April 2015)

 

© Denis Meyer

Das Leben ist nicht schön, oder vielleicht doch, man weiß es nur nicht. Wenn man sich damit abgefunden hat, könnte es vielleicht dann doch ganz schön sein. Aber wo liegt dann der Sinn? In etwa darum geht es in Samuel Becketts Endspiel, womit das WildWuchs-Theater vergangenen Donnerstag Premiere gefeiert hat. Wo waren wir stehengeblieben?

Ach ja. Nein, doch nicht. Es bleibt wohl so, nichts Genaues weiß man nicht. Weder sagt Beckett einem in seinem Stück was Genaues, noch weiß man, ob gerade darin vielleicht der Sinn liegt, dass man nichts weiß. Zum Glück gibt es aber noch ein paar Dinge, die zumindest so scheinen, wie wir sie kennen. Damit kann man umgehen. Vier Personen sind auf der Bühne, die vier haben Namen, die die Personen bezeichnen, Nagg, Nell, Hamm, Clov. Von links nach rechts: In der Tonne der Vater, in der anderen Tonne die Mutter, beide stecken darin fest und können schlecht sehen und hören. In der Mitte der Sohn im Rollstuhl, blind und lahm. Und immer auf den schmerzenden Beinen der Diener, der sich nicht setzen kann. Ein Wecker ist ein Wecker, ein Bootshaken ein Bootshaken und ein Fenster ein Fenster, durch das man in den Rest der Welt schauen kann, also den Rest, der von ihr noch übrig ist. Die Figuren sehen aus, wie man sich vermutlich in den 80ern vorgestellt hat, wie man sich in den 30ern die Endzeit vorgestellt hat. Beige, Leinen, Sand und eine abgefahrene Blindenbrille für den Impresario in der Mitte. Daran wird sich nichts ändern, daran kann man sich festhalten, während die Dialoge abgleiten. Viel mehr Möglichkeiten hatte Regisseur Frank Froeba bei den genauen Regieanweisungen des Stückes auch nicht. Das ist die Konstellation, der Rest ist beredtes Schweigen.

Freud und Leid

von Felix Gerhard (09. März 2015)

 

© Werner Lorenz

Glaubt man Freud, erfährt jeder im eigenen Leibe einmal, was Sophokles vor etwa 2440 Jahren über König Ödipus niedergeschrieben hat, dass man den einen Elternteil liebt während man den anderen töten will. Nun könnte man das ewige Wiederkäuen dieser alten psychoanalytischen Kamelle alleine deswegen schon leid sein, wenn es nicht hin und wieder auf neue Art und Weise aufbereitet würde. Das Theater im Gärtnerviertel wagt nun eine ganz neue Version des alten Stoffes.

Der Mensch ist ein Geschichtenerzähler. Wissen oder Gefühle packt er in Erzählungen und gibt sie unterhaltend und somit memorierbar weiter. Alles, was er dafür braucht, ist eine gute Geschichte. Die vom König Ödipus, der unwissend seinen Vater erschlägt und seine Mutter heiratet, gehört zweifellos dazu. Nun kann man, je nachdem wie man erzählt, den Fokus anders legen. Beim Theater im Gärtnerviertel, das am vergangenen Freitag Premiere des König Ödipus feierte, liegt der eher auf der unterhaltenden Komik, die einem den alten Sagenstoff näher bringt, als auf der Tragik, die der sophokleischen Bearbeitung innewohnt.

Laute machen Leute

von Verena Bauer (05. März 2015)

 

© Henning Rosenbusch

„Es grünt so grün...“ - Dieses Zitat hat vermutlich jeder schon einmal gehört, selbst wenn er My Fair Lady noch nie gesehen hat. Kein Wunder, denn schon 1956 wurde es in New York uraufgeführt. Seitdem hat es in zahlreichen Inszenierungen und Bearbeitungen die Welt erobert. Dass das Musical seine Wirkung in all den Jahren nicht verloren hat, konnte das Ensemble des Coburger Landestheaters am gestrigen Abend bei seinem Gastspiel im E.T.A Hoffmann-Theater beweisen.

Mit ihrer derben Art und dem ausgeprägten Dialekt lässt Eliza Doolittle das Publikum immer noch kräftig schmunzeln und schafft es gleichzeitig, dass jeder sie ins Herz schließt. Klar, dass man sich eindeutig auf ihre Seite schlägt, wenn sie von Professor Higgins getriezt und gedrillt wird, nur damit der seine Wette gewinnt. Diese Wette, von Higgins' Freund Oberst Pickering vorgeschlagen, beinhaltet den Versuch des Professors, Eliza innerhalb von sechs Monaten zu einer Dame zu machen. Gelingt ihm dies, zahlt Pickering Elizas Ausbildungskosten für den Sprachunterricht bei Higgins. Denn der Mensch definiere sich schließlich über seine Sprache, nicht über seine Herkunft, so die feste Überzeugung des Professors.

Von schwulen Engländern und ihren Kokosnüssen

von Verena Bauer (04. März 2015)

 

 © Thomas Bachmann

„Man sollte nicht zu sehr mit Logik an die Sache ran gehen, sondern einfach mal Spaß haben“, rät Regisseur Uwe Drechsel dem Besucher des Musicals Spamalot.

Wenn man Monty Python kennt, wird man diesen Rat kaum brauchen. Die 1969 gegründete Comedy-Gruppe ist schließlich nicht für besonders logischen Input bekannt. Ihre Fans lieben sie vielmehr für trashige Parodien auf alles und jeden, mit viel Albernheit zu einem Höchstmaß an ausgemachtem Blödsinn getrieben. Ein solches Meisterstück ist auch der Film Die Ritter der Kokosnuss, der König Artus, seine Ritter der Tafelrunde und die Gralssuche gnadenlos auf den Arm nimmt. 1975 von der Gruppe heraus gebracht, bildet er die Basis von Spamalot. Das Musical, geschrieben von Monty Python-Gründungsmitglied Eric Idle, wurde 2005 am Broadway uraufgeführt. Zehn Jahre später kommt nun auch Bamberg in den Genuss.

Wer aber in der Erwartung ins Musical geht, eine gesungen-getanzte Version von Die Ritter der Kokosnuss vorzufinden, hat sich verrechnet. Denn neben Einflüssen aus anderen Werken der Pythons, wie Das Leben des Brian, ist es unter anderem mit zahlreichen Parodien auf den Broadway gespickt. Dazu kommt, dass die Bamberger eine ganz eigene Version aus dem Stoff kreiert haben, die die Inszenierung von der Broadway-Aufführung abhebt. 

Ein Monty Python-Musical also, das neben der Parodie auf Artus und die Gralssuche auch noch das Genre selbst parodiert, und das zusätzlich mit eigenem Witz aufgepeppt wurde – das klingt, als stünde ein sehr spaßiger Abend bevor. Doch so vielversprechend diese Mixtur sich anhört, so lange zieht sich der erste Teil. Die verwendeten Szenen aus den bekannten Filmen der Comedians sind freilich unverkennbar und fordern die Lachmuskeln des Publikums. Restliche Anspielungen und Witze sind aber teilweise doch etwas „zu trashig“ oder unglücklich platziert und kommen nicht richtig zur Geltung. So hangelt sich das Ganze etwas mühsam von einer Film-Szene zur nächsten. Wer nach der Pause bleibt, wird aber belohnt: Der zweite Teil beginnt furioser, fesselnder, als zuvor und es geht deutlich bergauf. Die Komik ist nun besser platziert, vor allem die Broadway-Parodie um die „Fee aus dem See“ kommt gut an. So löst sich die vorherige Ernüchterung in wohliges Gelächter auf. Eingefleischte Monty Python-Fans sollten dennoch davor gewarnt sein, zu sehr mit der Filmvorlage zu vergleichen – denn da kommt das Musical eben einfach nicht heran.

Kämpfen mit Samthandschuhen

von Anna-Lena Oldenburg (26. Februar 2015)

Nachdem im letzten Jahr im Rahmen der Impro Fight Night die ortsansässigen Anonymen Improniker ins Duell mit Ensemblemitgliedern des E.T.A.-Hoffmann-Theater geschickt wurden, waren es in diesem Jahr holterdiepolter! aus Nürnberg, die am Samstag, dem 21. Februar, zum Schlagabtausch geladen wurden. Der Name der Veranstaltung war hierbei aber irreführend – nicht zuletzt aufgrund eines wenig ausgeklügelten Punktesystems und der starken Betonung auf Kooperation zwischen den beiden (eigentlich) konkurrierenden Gruppen.

Es sollte ein vielversprechender Abend werden, mit dem potentiellen zeitlichen Ausmaß einer gelungenen Wetten, dass-Sendung. Zwei Moderatoren, zwei Teams á drei Mitspielern, DJ Erdferkel (was für ein großartiger Name!) und die Bamberger Band Brotmüller, die zwar manchmal in den Impro-Teil des Abends eingebunden wurden, aber deren Anwesenheit vielleicht noch kreativer nutzbar gewesen wäre, die aber großartigerweise im Anschluss noch ein Konzert spielten. Auffällig war hier vor das geringe Durchschnittsalter der Akteure, die sich durchweg in ihren Zwanzigern befanden, sowohl von Seiten des Stadttheaters, als auch von der Impro-Gruppe. Dies ist natürlich nur eine Randnotiz, denn Schlagfertigkeit und Humor sind nicht zwangsläufig Sache von Alter oder Erfahrung. Eine leichte Nervosität ließ sich aber sowohl beim Moderatorenpaar als auch bei einigen der Mitspielern feststellen, die zum Teil auffielen durch genaues Nachhaken hinsichtlich des Aufbaus einer Szene, wo freie Interpretation (und Improvisation) eben angebrachter gewesen wäre. Mehr Mut, mehr Kühnheit, mehr Entspanntheit hätte man sich manchmal gewünscht, wo Witze zum Teil bemüht wirkten und Spieler nervös und unaufmerksam, wobei natürlich ein gelegentliches Verhaspeln hier und dort eher zur Unterhaltung beitrug.