Non, je ne regrette rien  - Nein ich bereue nichts

von Karsten Babucke (13. Mai. 2014)
 

© Thomas Bachman

Eine Aussage, die thematisch für das Singspiel Edith Piafs steht, das am 3. Mai 2014 Premiere im Großen Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters feierte. Es entstand nach der Inszenierung von Pit Holzwarth, die 2006 im Nationaltheater Mannheim Uraufführung feierte. Für das E.T.A. wurde das Stück von Nora Bussenius inszeniert, mit der Musikalischen Leitung von Franz Tröger.

Es zeigt das Leben der großen Chansons-Sängerin Edith Piaf, aus der Erzählperspektive der Künstlerin selber. Die das Stück zum ersten Akt als alte gebrechliche Frau eröffnet: „Ich müsste lügen wenn ich meine Geschichte erzähle!“ und holt ihre Erinnerungen hervor. Sie beginnt retrospektiv mit ihrer Jugend, in der sie arm und hungernd im Armenviertel Belleville aufwuchs und von ihrem Vater zum Singen auf die Straße geschickt wurde. So stellt das Stück den Aufstieg der Künstlerin von Paris, über ganz Frankreich und später von America zur weltbekannten Sängerin dar. In diesem Aufstieg stechen dramatisch die einschneidenden Verluste der Edith Piaf heraus wie der Tod ihrer zweijährigen Tochter, der ihrer Mutter, die Niederlage in Amerika oder der tragische Tod ihres Geliebten Marcelle.

Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht

von Ramona Löffler (1. Mai 2014)
 

Am Samstag feierte Dennis Kellys Die Opferung von Gorge Mastromas im E.T.A.-Hoffmann-Theater Premiere.

© Thomas Bachmann

"Ein guter Mensch sein? Ja, wer wär's nicht gern? Doch leider sind auf diesem Sterne eben die Mittel kärglich und die Menschen roh. Wer möchte nicht in Fried und Eintracht leben? Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!" Diese Annahme ist nicht das einzige, das Dennis Kellys Die Opferung von Gorge Mastromas mit Brechts Dreigroschenoper gemein hat. Beide präsentieren sie Hauptfiguren, deren ethisch fragwürdige Lebensphilosophie aufgrund ihrer Stellung erheblichen Einfluss auf ihr soziales Umfeld hat. Damit stellen sie gleichzeitig die Frage nach dem Wert von Moral und Verantwortung - und in welchem Zusammenhang sie mit dem eigenen Lebensglück stehen.

Catfight im Barocksaal

 von Katharina Holzhauser (unterstützt von Verena Bauer) (10. April 2014)
 
 

Dunkelheit. Seltsame Gesänge. Stimmen durchschneiden die verstörende Atmosphäre: Die eigenen Glieder schmerzen ihnen unerträglich. Doch ausreißen hilft nichts, nicht einmal den Kopf - Sich selbst kann man nun einmal nicht ausreißen...

So führt das WildWuchsTheater die Zuschauer in die Aufführung von Jenny Erpenbecks Katzen haben sieben Leben ein. Immer wieder bricht Dunkelheit mit irritierend-philosophischen Dialogen über das Publikum herein. Begleitet wird das Ganze von Geräuschen und Klängen, die nicht von dieser Welt zu stammen scheinen und kalte Schauer über den Rücken jagen lassen. Diese psychedelische Finsternis bildet den Rahmen eines Stückes über Dominanz, Demut und das Ringen mit sich selbst.

Jung und wütend

 

von Anna-Lena Oldenburg (27. März 2014)
 

Ein herumalberndes Geschwisterpaar, 1938 im elterlichen Haus bei Ulm. Sie, Sophie, zeichnet ihn, Hans, kurz bevor er nach München aufbricht, um sein Medizinstudium zu beginnen. „Etwas Anständiges“ will er lernen, im Gegensatz zu der „unanständigen“ Kunst, die seine Schwester noch betreibt. Es ist jedoch die Kunst, die das gesamte Stück durchzieht, und die mit der Kultur im Allgemeinen den Nährboden für den Widerstandskampf der Weißen Rose bildet. Beflügelt durch ihr Studium der Literatur und ihre Liebe zur Kunst emanzipieren sich zunächst Hans Scholl und sein Kommilitone Alexander Schmorell von der herrschenden Ideologie. Es wächst ihr Wunsch danach frei zu denken und frei zu sein und ihre Abneigung gegenüber einer Führung, die ihre Bürger unterdrückt und für ihre Zwecke in den Krieg schickt.

„Ihr sollt den Dolch im Lorbeerstrauße tragen“ - für Anfänger

von Theresie-Josefin Federolf

 

Jeder Zuschauer des Stücks Stauffenberg, das derzeit im E.T.A.-Hoffmann-Theater läuft, wird sich an diesen Satz erinnern – war doch Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein wahrer Stefan George Anhänger. Georges Zitate geleiten durch den Abend – mit ihnen zeichnet Stauffenberg in einem schlicht gehaltenen Bühnenbild ein durchaus bewegendes Leben nach.

Vom Eintritt ins Militär, den Treffen mit Nina – seiner späteren Frau – der Hochzeit und den Kindern sind alle persönlich-familiären Etappen von Stauffenbergs Leben vorhanden und anschaulich dargestellt - alles vor dem politischen Hintergrund der Machtergreifung Hitlers. Doch sehr bald im Stück wird das stetige Verdichten der Grausamkeiten, die unter seiner Hand geschehen, spürbar. Durch kurze Zwischenszenen zeigen die Schauspieler nationalsozialistische Grausamkeiten, wie die Ermordung von jüdischen Staatsbürgern, ganz unverhüllt und realitätsnah. Stauffenbergs Wandlung von einem angesehenen Staatsmann Hitlers zu der Person, welche selbst einen Anschlag auf Hitler mit plant und durchführt, ist gleichermaßen nachvollziehbar und faszinierend.