Catfight im Barocksaal

 von Katharina Holzhauser (unterstützt von Verena Bauer) (10. April 2014)
 
 

Dunkelheit. Seltsame Gesänge. Stimmen durchschneiden die verstörende Atmosphäre: Die eigenen Glieder schmerzen ihnen unerträglich. Doch ausreißen hilft nichts, nicht einmal den Kopf - Sich selbst kann man nun einmal nicht ausreißen...

So führt das WildWuchsTheater die Zuschauer in die Aufführung von Jenny Erpenbecks Katzen haben sieben Leben ein. Immer wieder bricht Dunkelheit mit irritierend-philosophischen Dialogen über das Publikum herein. Begleitet wird das Ganze von Geräuschen und Klängen, die nicht von dieser Welt zu stammen scheinen und kalte Schauer über den Rücken jagen lassen. Diese psychedelische Finsternis bildet den Rahmen eines Stückes über Dominanz, Demut und das Ringen mit sich selbst.

Jung und wütend

 

von Anna-Lena Oldenburg (27. März 2014)
 

Ein herumalberndes Geschwisterpaar, 1938 im elterlichen Haus bei Ulm. Sie, Sophie, zeichnet ihn, Hans, kurz bevor er nach München aufbricht, um sein Medizinstudium zu beginnen. „Etwas Anständiges“ will er lernen, im Gegensatz zu der „unanständigen“ Kunst, die seine Schwester noch betreibt. Es ist jedoch die Kunst, die das gesamte Stück durchzieht, und die mit der Kultur im Allgemeinen den Nährboden für den Widerstandskampf der Weißen Rose bildet. Beflügelt durch ihr Studium der Literatur und ihre Liebe zur Kunst emanzipieren sich zunächst Hans Scholl und sein Kommilitone Alexander Schmorell von der herrschenden Ideologie. Es wächst ihr Wunsch danach frei zu denken und frei zu sein und ihre Abneigung gegenüber einer Führung, die ihre Bürger unterdrückt und für ihre Zwecke in den Krieg schickt.

„Ihr sollt den Dolch im Lorbeerstrauße tragen“ - für Anfänger

von Theresie-Josefin Federolf

 

Jeder Zuschauer des Stücks Stauffenberg, das derzeit im E.T.A.-Hoffmann-Theater läuft, wird sich an diesen Satz erinnern – war doch Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein wahrer Stefan George Anhänger. Georges Zitate geleiten durch den Abend – mit ihnen zeichnet Stauffenberg in einem schlicht gehaltenen Bühnenbild ein durchaus bewegendes Leben nach.

Vom Eintritt ins Militär, den Treffen mit Nina – seiner späteren Frau – der Hochzeit und den Kindern sind alle persönlich-familiären Etappen von Stauffenbergs Leben vorhanden und anschaulich dargestellt - alles vor dem politischen Hintergrund der Machtergreifung Hitlers. Doch sehr bald im Stück wird das stetige Verdichten der Grausamkeiten, die unter seiner Hand geschehen, spürbar. Durch kurze Zwischenszenen zeigen die Schauspieler nationalsozialistische Grausamkeiten, wie die Ermordung von jüdischen Staatsbürgern, ganz unverhüllt und realitätsnah. Stauffenbergs Wandlung von einem angesehenen Staatsmann Hitlers zu der Person, welche selbst einen Anschlag auf Hitler mit plant und durchführt, ist gleichermaßen nachvollziehbar und faszinierend.

Siegfried ON AIR

von Verena Bauer

„Live-Hörspiel“ nennt Stefan Kaminski seine Interpretation des zweiten Spieltages von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen. Doch weit mehr als ein Hörspiel ist das, was der Berliner Schauspieler unter dem Titel Siegfried auf die Bühne bringt.

Während seine Kollegen Sebastian Hilken und Stefan Brandenburg auf Instrumenten wie einem Nadelklavier oder einem E-Cello für stimmige musikalische Untermalung sorgen, schlüpft Kaminski selbst rasend schnell von einer Rolle in die nächste. Ein zwiegespaltener, unterwürfiger und hinterhältiger Zwerg Mime – manche mögen sich hier an ein bestimmtes Wesen aus der Herr der Ringe-Trilogie erinnert fühlen – wechselt sich ab mit einem herrischen und nicht gerade vor Intelligenz, dafür aber vor Selbstbewusstsein strotzenden Siegfried. In der nächsten Sekunde erscheint ein trinkwütiger, aber auch tiefgründiger Wotan auf der Bildfläche und kurze Zeit später streitet sich Siegfried mit dem zornigen Drachen in der Höhle. Selbst die Rolle der Brünhild übernimmt Kaminski höchstpersönlich, und als wäre es damit nicht genug, erzeugt er auch noch die entsprechenden Hintergrundgeräusche. Bei all dem Hin und Her schafft es der gebürtige Dresdner dennoch, jeder der Rollen Authentizität und Individualität zu verleihen.

Schneeweißchen und Rosenrot – Das Weihnachtsmärchen für Bamberg

von Rebecca Ufert (25.11.2012)

Es wird Weihnachten – und das merkt man insbesondere daran, dass das Weihnachtsmärchen im E.T.A. Hoffmann Theater wie jedes Jahr nicht nur die Kinder entzückt. Die Premiere des Stückes Schneeweißchen und Rosenrot am 19. November um 9:00 Uhr fand vor zahlreichen Schulklassen statt. Aber zwei Rezensöhnchen-Mitglieder haben sich fast unbemerkt darunter gemischt.