Ein himmlisches Vergnügen

Von Anna Brodmann (9. Juli 2019)

© Martin Kaufhold

Am 6.7. feierte Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben bei den Calderón-Spielen des ETA-Hoffmann Theaters seine Premiere und entführte seine Zuschauer in eine absurd komische und urbayrische Welt. Der Brandner Kaspar ist nicht nur ein ausgesprochen witziger Schelm, der seine Umgebung gern auf den Arm nimmt, sondern auch Held der gleichnamigen bayrischen Erzählung. 

Diese beginnt damit, dass der Brandner Kaspar den Tod mit Kirschgeist abfüllt und anschließend beim Kartenspiel über den Tisch zieht, sodass er sich 18 zusätzliche Lebensjahre erschleicht. Die himmlischen und irdischen Verwirrungen, die sich daraus ergeben sind sehr originell, wahnsinnig witzig und auch für Nicht-Bayern absolut sehenswert.

Ein französischer Sommernachtstraum 
Von Anna Brodmann (26. Juni 2019) 

© Werner Lorenz 

Cyrano ist die am häufigsten gespielte französische Komödie aller Zeiten- und wer die aktuelle Inszenierung des Theaters im Gärtnerviertel gesehen hat, der weiß auch warum. 
In knapp zwei Stunden bekommt der Zuschauer ein Feuerwerk der Unterhaltung – von Gesang über beeindruckende Musikinstrumente und schlagfertigem Wortwitz bis hin zu einer absolut traumhaften Location ist alles geboten, was das Theaterliebhaber-Herz begehrt. 

Die Tragikomödie dreht sich um den namensgebenden Cyrano, einen wortgewandten intelligenten Schelm, der sich selbst für zu hässliche hält, um seiner Flamme seine Liebe zu gestehen. Die sich daraus ergebenden Verwicklungen sind sehr witzig, schlagfertig, kreativ und mit so viel Liebe zum Detail inszeniert, dass das Zusehen die reinste Freude ist. Vor allem Cyranos Wortwitz ist brillant in Szene gesetzt, z.B. wenn es heißt: „Er hat Locken wie ein griechischer Gott.“ – „Ja, aber solches Fell wächst auch dem Schafe.“ 

Der „vortreffliche Melancholikus" und die, die Automat genannt wird
Von Anna Breuninger (10. Juni 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Hatten Sie schon einmal ein Déjà-Vu oder einen Traum der täuschend real schien? Dann sehen Sie wie einfach es geschehen kann die Realität mit der Imagination zu verwechseln. Die Wahrnehmung hat zwei Welten, wie auch der zweite Themenstrang im Stück, der der Idee nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht. Also wann endet das Humane und wann beginnt das Künstliche?
Das facettenreich inszenierte Theaterstück "Der Sandmann" unter der Regie von Clara Weyde geleitet, ist durch und durch eine treffliche Hommage an und im Sinne des Schreibers E.T.A. Hoffmann, der selbst Zeichner, Schriftsteller und Komponist war.

Die Gruselkabinette in uns
von Friederike Klett (3. Juni 2019)

 

© Kaufhold: v.li. Denis Grafe, Carlotta Freyer, Stefan Herrmann, Marcel Zuschlag, Iris Hochberger

 

Unser Justizsystem besteht – grob gesagt – aus dem Bestrafen von Straftaten, das scheint zuallererst einleuchtend zu sein. Wenn jemand eine Tat begeht, die gegen Gesetze und Vorschriften verstößt, gibt es ein Gerichtsverfahren und danach, falls die Tat dem Täter nachgewiesen wurde, eine Strafe in einer festgelegten Höhe. Juristisch mag das Gründe haben, die uns bewusst sind, wenn wir versuchen sie uns bewusst zu machen. Doch sollte unsere Moral, unser gesellschaftliches Wertesystem auch so funktionieren? Sollte unsere Ächtung von gewissem menschlichem Verhalten ebenfalls nach dieser Maxime des Verstoßes und des Beweises ausgelegt sein? Das E.T.A. Hoffmann Theater sagt in der Inszenierung von Enis Macis Stück Mitwisser ganz klar: Sollte sie nicht. Und hat gute Gründe dafür.

Das Bühnenbild im Studio des Theaters besteht zunächst aus riesigen Heuschrecken mit leuchtenden Augen. Augen sind wichtig, weil sie sehen, was wir später wissen werden. Die Schauspieler, Carlotta Freyer, Denis Grafe, Stefan Herrmann, Iris Hochberger und Marcel Zuschlag betreten die Bühne mit heuschreckenartigen Bewegungen. Schnell wird klar, dass das Stück ein Rundumschlag in unserer Gesellschaft, aber auch in anderen Gesellschaften werden soll.

Brüste wie Kleiderhaken und das Gute am Tod
von Theresa Ehrl (18. Mai 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Geld, Eifersucht, fehlende Wertschätzung und geheuchelter Beistand. Was sich anhört wie eine Ehekrise, ist auch eine. Und die Ehekrise? Die ist ein Einakter von Georges Feydeau, inszeniert von Dieter Dorn in Nürnberg.

Wäre dieses Theaterstück eine Rede, würde sie mit „Wer kennt es nicht…“ anfangen.
„Herzliches Beileid“, eine Komödie, deren Inhalt eine klischeehafte Szene aus einem klischeehaften Eheleben ist, braucht Zuschauer, die sich identifizieren.