Der „vortreffliche Melancholikus" und die, die Automat genannt wird
Von Anna Breuninger (10. Juni 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Hatten Sie schon einmal ein Déjà-Vu oder einen Traum der täuschend real schien? Dann sehen Sie wie einfach es geschehen kann die Realität mit der Imagination zu verwechseln. Die Wahrnehmung hat zwei Welten, wie auch der zweite Themenstrang im Stück, der der Idee nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht. Also wann endet das Humane und wann beginnt das Künstliche?
Das facettenreich inszenierte Theaterstück "Der Sandmann" unter der Regie von Clara Weyde geleitet, ist durch und durch eine treffliche Hommage an und im Sinne des Schreibers E.T.A. Hoffmann, der selbst Zeichner, Schriftsteller und Komponist war.

Die Gruselkabinette in uns
von Friederike Klett (3. Juni 2019)

 

© Kaufhold: v.li. Denis Grafe, Carlotta Freyer, Stefan Herrmann, Marcel Zuschlag, Iris Hochberger

 

Unser Justizsystem besteht – grob gesagt – aus dem Bestrafen von Straftaten, das scheint zuallererst einleuchtend zu sein. Wenn jemand eine Tat begeht, die gegen Gesetze und Vorschriften verstößt, gibt es ein Gerichtsverfahren und danach, falls die Tat dem Täter nachgewiesen wurde, eine Strafe in einer festgelegten Höhe. Juristisch mag das Gründe haben, die uns bewusst sind, wenn wir versuchen sie uns bewusst zu machen. Doch sollte unsere Moral, unser gesellschaftliches Wertesystem auch so funktionieren? Sollte unsere Ächtung von gewissem menschlichem Verhalten ebenfalls nach dieser Maxime des Verstoßes und des Beweises ausgelegt sein? Das E.T.A. Hoffmann Theater sagt in der Inszenierung von Enis Macis Stück Mitwisser ganz klar: Sollte sie nicht. Und hat gute Gründe dafür.

Das Bühnenbild im Studio des Theaters besteht zunächst aus riesigen Heuschrecken mit leuchtenden Augen. Augen sind wichtig, weil sie sehen, was wir später wissen werden. Die Schauspieler, Carlotta Freyer, Denis Grafe, Stefan Herrmann, Iris Hochberger und Marcel Zuschlag betreten die Bühne mit heuschreckenartigen Bewegungen. Schnell wird klar, dass das Stück ein Rundumschlag in unserer Gesellschaft, aber auch in anderen Gesellschaften werden soll.

Brüste wie Kleiderhaken und das Gute am Tod
von Theresa Ehrl (18. Mai 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Geld, Eifersucht, fehlende Wertschätzung und geheuchelter Beistand. Was sich anhört wie eine Ehekrise, ist auch eine. Und die Ehekrise? Die ist ein Einakter von Georges Feydeau, inszeniert von Dieter Dorn in Nürnberg.

Wäre dieses Theaterstück eine Rede, würde sie mit „Wer kennt es nicht…“ anfangen.
„Herzliches Beileid“, eine Komödie, deren Inhalt eine klischeehafte Szene aus einem klischeehaften Eheleben ist, braucht Zuschauer, die sich identifizieren.

„Verrückt, aber weise“

von Florian Grobbel (17. Mai 2019)

© Christian Martin

Nach eigener Erfahrung gehört Friedrich Dürrenmatts Die Physiker zu einer der beliebtesten Schullektüren. Das ist natürlich mehr als verständlich, schließlich ist es eine Komödie voller Morde, verrückter Typen und noch einer guten Prise Gesellschaftskritik. Kein Wunder also, dass sich immer wieder dazu entschlossen wird, Einstein, Newton und Möbius zu inszenieren. Jetzt bringt das e.g.o.n die Komödie zur Aufführung. Wir waren in der Premiere am 15. Mai, bei der das Publikum bis vor der Tür Schlange stand. Doch durch einiges Zusammenrücken konnte noch vielen der Eintritt ermöglicht werden. Glücklicherweise.

Das Stück findet im Salon des altehrwürdigen Sanatoriums „Les Cerisiers“ statt. Die einzigen drei Insassen, die hier noch leben, sind besonders interessante Fälle, da sie sich alle für legendäre Physiker halten. Da gibt es den stets geigenden Albert Einstein, den überkorrekten Newton und Johann Wilhelm Möbius, dem regelmäßig der König Salomo erscheint. Doch nicht nur ihre naturwissenschaftliche Passion verbindet die Männer, auch der Hang zum Morden ist bei allen drei Irren vertreten. 

Sagt mal, warum scheitern Utopien eigentlich immer?

von Anna Brodmann (9. Mai 2019)

© Jochen Quast


Am 3.5. feierte im Theater Erlangen „Farm der Tiere“ nach dem Roman von George Orwell Premiere. Doch was den Zuschauer erwartet ist keineswegs ein gewöhnliches Theaterstück. Mit der „Live-Film-Inszenierung von Klaus Gehre“ feuert das Ensemble des Theaters eine außergewöhnlich inszenierte Mischung aus Film und Theater, Bühnen- und Kameraarbeit, Schauspiel und Puppenspiel ab. Ein Stück über eine Utopie, das inszeniert ist wie eine Utopie - doch genau wie bei Orwell scheitert auch diese Utopie an einem bestimmten Punkt.

Die Handlung des Stücks dreht sich um Farmtiere, die irgendwann genug von der Unterdrückung haben und ihren Bauern von der Farm jagen. Jetzt wo sie frei sind, wollen sie ein neues selbstbestimmtes System aufbauen, in dem jeder frei und gleich leben kann. Doch Demokratie und Gemeinschaftsgüter sind anstrengend, verlangen Opfer und ziehen machthungrige Individuen an – und das System verkehrt sich langsam in sein Gegenteil.