Was ist nochmal der Sinn des Lebens?

von Hannah Deininger (22.03.2019)

© Martin Kaufhold

Am Freitag, den 15. März 2019, wurde im ETA Hoffmann Theater Bamberg die Premiere des Stücks Auerhaus, in einer Inszenierung von Hannes Weiler aufgeführt. Die literarische Vorlage lieferte der gleichnamige Roman von Bov Bjerg. Auerhaus erzählt von den beiden Freunden Höppner und Frieder, ihrer Vergangenheit und Gegenwart.

„Weißt du noch, damals?“ – dieser Satz wird zu Beginn des Stücks nochmal und nochmal wiederholt. Zwei alten Männer – Höppner und Frieder – versuchen sich gemeinsam zu erinnern, an frühere Zeiten. Und reden dabei weniger miteinander als aneinander vorbei. In einer alt und heruntergekommen wirkenden Wohnung (oder ist es doch Bauernhof, Altenheim, Psychiatrie, Elternhaus?), treffen die beiden aufeinander, erkennen sich schließlich und liegen sich als alte Freunde in den Armen. Dann ein „Schnitt“, ein Sprung zurück in der Zeit: Die beiden Freunde sind wieder junge Halbstarke und Höppner besucht seinen Freund Frieder in der Psychiatrie. Die Stimmung in dieser Szene ist schwankend; zwischen Freude über den Besuch auf der einen, und angespanntes Schweigen, weil Höppner nicht weiß, wie er nun mit seinem Freund umgehen soll, auf der anderen Seite.

Von lächerlichen Kettenreaktionen und verheerenden Katastrophen – Vom Untergang ein Protokoll

von Theresa Ehrl (16. März 2019)

 

© Konrad Fersterer

Satirische Realität oder Traum: Was auch immer passiert ist, es war genial. Mir graut es vor dieser Rezension, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dem Theaterstück Am Rand von Philipp Löhle nicht gerecht werde. Es handelt von Frederick Kaufmann, gespielt von Felix Mühlen, der als Polizist in eine Gemeinde kommt, in der es bis dato keinen Polizisten gab.

Randhausen ist ein Dorf, nahe der Grenze zu Tschechien und weit entfernt von jeglicher Kriminalität. Kein Wunder, dass die Bewohner sich dementsprechend verhalten: Der Schlüssel des Streifenwagens steckt, Haustüren sind unverschlossen, Pakete werden ungesichert vor der Tür abgestellt. Der neue Wachtmeister spricht ein ernstes Wörtchen mit den Anwohnern und schürt damit Paranoia. Er hat es geschafft, in mehrere Häuser einzubrechen, Gegenstände zu entwenden und ungefragt Autos umzuparken.

Alles in Butter

von Theresa Ehrl (08. Februar 2019)


© WildWuchs Theater


Das WildWuchsTheater hat seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht und mit „Der Geizige“ von Molière mühelos kreativ einen Klassiker auseinandergenommen und mit andern Puzzleteilen wieder zusammengesetzt.

Der Name ist Programm an diesem Abend, denn Krösus ist der, der ihn veranstaltet sicher nicht. Zumindest beteuert der Intendant als Stimme aus dem Off mehrmals die Mittellosigkeit des armen Theaters und schlägt höflichst vor, Mäzenen und Presse in den Arsch zu kriechen. An dieser Stelle herzlichen Dank für den Discounter-Sekt und dem halb-getoasteten Toast mit Lachsersatz in der Pause.

Spiel des Lebens

von Florian Grobbel (30. Januar 2019)

© Martin Kaufhold

Was es mit dem ersten Teil des Titels Kreise/Visionen von Joël Pommerats Drama zu schaffen hat, wird einem sofort klar, wenn man den Großen Saal des ETA Hoffmann Theaters betritt. So bildet das Bühnenbild eine kreisrunde, sich drehende Scheibe. Darauf und rundherum präsentieren uns die Schauspielerinnen und Schauspieler eine Zeitreise durch die letzten 700 Jahre, bei der es sich stets um den zweiten Teil des Titels dreht, denn Visionen hatten die Menschen schon immer.

Das Publikum wird gleich zu Beginn in den Bann der Inszenierung gezogen. Der Conférencier im roten Anzug – dargestellt vom kompletten Ensemble – richtet sich direkt an die Zuschauer und lädt sie ein, an einem einzigartigen Spiel teilzunehmen. Man ist gespannt, doch auch ein wenig nervös. Wie sind die Regeln? Was kann ich gewinnen? Und vor allem: Wie hoch ist der Einsatz? Diese Fragen werden jedoch fürs erste unbeantwortet gelassen und ohne weitere Umschweife werden dem Zuschauer einzelne szenische Darstellungen präsentiert. Insgesamt sieben Geschichten, welche zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten der Historie spielen, werden in zunächst rascher Abfolge erzählt. 

„Leb wohl, öffentlicher Diskurs!“

von Margarethe Lohneis (23. Januar 2018)

© Martin Kaufhold

Im Wohnzimmer von Britta und Richard zu Besuch auf ein Gläschen Wein – so beginnt die Premiere der Bühnenfassung von Juli Zehs 2017 erschienenem Roman Leere Herzen. Die Uraufführung des Stückes, in dem die erschreckende Utopie als gar nicht so utopisch, aber dafür umso erschreckender dargestellt ist, fand am 18.01.2019 auf der Studiobühne des ETA Hoffmann Theaters Bamberg statt.

Britta, emanzipierte Vorzeige-Alleinverdiener-Mama und ihrem Mann Richard, der sein berufliches Glück in einem Software-Start-up-Unternehmen zu finden sucht, fehlt es an nichts. Sie haben eine Tochter, ein bereits abbezahltes High-Tech Eigenheim, in das sie Freunde zu selbst gemachtem Sushi und Wein einladen. Sie sind das Ideal einer modernen Kleinfamilie in der Großstadt mit egalitärer Rollenverteilung und Selbstverwirklichung. Getrübt wird der perfekte Mikrokosmos allerdings durch das politische System, an deren Spitze „die Arschlöscher von der BBB“ (= Besorgte Bürger Bewegung) stehen. Auch dies ist Thema bei dem Freundestreffen im Hause Britta Söldner.