"Wenns Wahnsinn ist, so hat es doch Methode"

von Anna Brodmann (27. März 2019)

   © Martin Kaufhold

Stellen Sie sich vor, Sie sind die einzige nüchterne Person auf einer Party und alle anderen konsumieren eine Menge Drogen. Am Anfang versuchen Sie noch, die Leute davon abzuhalten, nur mit einer Federboa bekleidet herumzulaufen, aber irgendwann gewöhnen Sie sich an den Wahnsinn. Sie fangen an, die Absurdität zu genießen, schauen lächelnd zu, wie jemand aus einer Couch klettert und wenn irgendwann vor laufender Kamera jemand mit glitzerndem Cape und Totenkopf einen Mord inszeniert, lachen Sie nur noch herzlich und nehmen einen tiefen Schluck Apfelschorle. Genau so fühlt es sich an, Sebastian Schugs Inszenierung von Hamlet am ETA Hoffmann Theater zu sehen.

Das Stück feierte am 22.3. Premiere und ist mit einer Dauer von zwei Stunden (ohne Pause) für Hamlet überraschend schnell, ohne, dass der Stoff übermäßig unter den Kürzungen leiden muss. Kostüme und Bühnenbild können nur mit den Worten »außergewöhnlich gelungen« beschrieben werden. Die Bühne ist auch, dank einer Dekonstruktion, unglaublich wandelbar und kann spielerisch die verschiedensten Stimmungen erzeugen und vor allem die zahlreichen Kostüme der Königin, durch die praktisch eine eigene Geschichte erzählt wurde, beeindrucken. Auch allen Schauspieler muss ein großes Kompliment für ihre durchgehend sehr gute Leistung gemacht werden.

Was ist nochmal der Sinn des Lebens?

von Hannah Deininger (22.03.2019)

© Martin Kaufhold

Am Freitag, den 15. März 2019, wurde im ETA Hoffmann Theater Bamberg die Premiere des Stücks Auerhaus, in einer Inszenierung von Hannes Weiler aufgeführt. Die literarische Vorlage lieferte der gleichnamige Roman von Bov Bjerg. Auerhaus erzählt von den beiden Freunden Höppner und Frieder, ihrer Vergangenheit und Gegenwart.

„Weißt du noch, damals?“ – dieser Satz wird zu Beginn des Stücks nochmal und nochmal wiederholt. Zwei alten Männer – Höppner und Frieder – versuchen sich gemeinsam zu erinnern, an frühere Zeiten. Und reden dabei weniger miteinander als aneinander vorbei. In einer alt und heruntergekommen wirkenden Wohnung (oder ist es doch Bauernhof, Altenheim, Psychiatrie, Elternhaus?), treffen die beiden aufeinander, erkennen sich schließlich und liegen sich als alte Freunde in den Armen. Dann ein „Schnitt“, ein Sprung zurück in der Zeit: Die beiden Freunde sind wieder junge Halbstarke und Höppner besucht seinen Freund Frieder in der Psychiatrie. Die Stimmung in dieser Szene ist schwankend; zwischen Freude über den Besuch auf der einen, und angespanntes Schweigen, weil Höppner nicht weiß, wie er nun mit seinem Freund umgehen soll, auf der anderen Seite.

Von lächerlichen Kettenreaktionen und verheerenden Katastrophen – Vom Untergang ein Protokoll

von Theresa Ehrl (16. März 2019)

 

© Konrad Fersterer

Satirische Realität oder Traum: Was auch immer passiert ist, es war genial. Mir graut es vor dieser Rezension, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dem Theaterstück Am Rand von Philipp Löhle nicht gerecht werde. Es handelt von Frederick Kaufmann, gespielt von Felix Mühlen, der als Polizist in eine Gemeinde kommt, in der es bis dato keinen Polizisten gab.

Randhausen ist ein Dorf, nahe der Grenze zu Tschechien und weit entfernt von jeglicher Kriminalität. Kein Wunder, dass die Bewohner sich dementsprechend verhalten: Der Schlüssel des Streifenwagens steckt, Haustüren sind unverschlossen, Pakete werden ungesichert vor der Tür abgestellt. Der neue Wachtmeister spricht ein ernstes Wörtchen mit den Anwohnern und schürt damit Paranoia. Er hat es geschafft, in mehrere Häuser einzubrechen, Gegenstände zu entwenden und ungefragt Autos umzuparken.

Alles in Butter

von Theresa Ehrl (08. Februar 2019)


© WildWuchs Theater


Das WildWuchsTheater hat seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht und mit „Der Geizige“ von Molière mühelos kreativ einen Klassiker auseinandergenommen und mit andern Puzzleteilen wieder zusammengesetzt.

Der Name ist Programm an diesem Abend, denn Krösus ist der, der ihn veranstaltet sicher nicht. Zumindest beteuert der Intendant als Stimme aus dem Off mehrmals die Mittellosigkeit des armen Theaters und schlägt höflichst vor, Mäzenen und Presse in den Arsch zu kriechen. An dieser Stelle herzlichen Dank für den Discounter-Sekt und dem halb-getoasteten Toast mit Lachsersatz in der Pause.

Spiel des Lebens

von Florian Grobbel (30. Januar 2019)

© Martin Kaufhold

Was es mit dem ersten Teil des Titels Kreise/Visionen von Joël Pommerats Drama zu schaffen hat, wird einem sofort klar, wenn man den Großen Saal des ETA Hoffmann Theaters betritt. So bildet das Bühnenbild eine kreisrunde, sich drehende Scheibe. Darauf und rundherum präsentieren uns die Schauspielerinnen und Schauspieler eine Zeitreise durch die letzten 700 Jahre, bei der es sich stets um den zweiten Teil des Titels dreht, denn Visionen hatten die Menschen schon immer.

Das Publikum wird gleich zu Beginn in den Bann der Inszenierung gezogen. Der Conférencier im roten Anzug – dargestellt vom kompletten Ensemble – richtet sich direkt an die Zuschauer und lädt sie ein, an einem einzigartigen Spiel teilzunehmen. Man ist gespannt, doch auch ein wenig nervös. Wie sind die Regeln? Was kann ich gewinnen? Und vor allem: Wie hoch ist der Einsatz? Diese Fragen werden jedoch fürs erste unbeantwortet gelassen und ohne weitere Umschweife werden dem Zuschauer einzelne szenische Darstellungen präsentiert. Insgesamt sieben Geschichten, welche zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten der Historie spielen, werden in zunächst rascher Abfolge erzählt.