Ein Lehrer am Rande des Wahnsinns

von Michelle Mück (29. April 2018)

 

© ETA Hoffmann Theater

 

Sascha hat sich umgebracht. Für die Schüler eines Gymnasiums ist der Schuldige dafür klar: Saschas Deutschlehrer, Herr Klamm, der ihn wegen eines einzigen Punktes durchs Abi hat fliegen lassen. Also verkünden sie ihm den Krieg. 

Die Premiere des Klassenzimmerstückes, welches ab jetzt durch die Schulen tourt, fand am 24. April im Gewölbe des ETA Hoffmann Theaters statt. Der relativ kleine Raum ist hergerichtet wie ein Klassenzimmer: Auf der Bühne steht ein Pult, dahinter eine Tafel und das Publikum sitzt als eine große Klasse in den Reihen davor. Das Ganze wirkt so realistisch, dass man sich gar nicht traut, sein Handy in die Hand zu nehmen oder den Unterricht durch irgendetwas zu stören. Denn der Lehrer ist streng!

Erinnerungen an die Entenjagd

von Sophia Klopf (25. April 2018)

 

© Carolin Cholotta

 

Am 02. und 03. Februar gab es in der Alten Seilerei wieder ein russisches Theaterstück von ArtEast, der studentischen Theatergruppe, die sich in bewährter Weise einem modernen Klassiker annahm: der Entenjagd nach Alexander Vampilov.

Dabei sollte man bei »Entenjagd« keinesfalls idyllische Landschaften und Jagdplausch erwarten. Im Mittelpunkt steht Viktor Silov, um die dreißig Jahre alt, der im Leben herumeiert. Mit seiner Frau Galina ist er nicht glücklich, die Arbeit langweilt ihn. Sein Arbeitskollege und bester Freund Anatolij Sajapin ist der einzige mit dem er Spaß hat. Zusammen reißen sie Witze, drücken sich vor der Arbeit und jagen Frauen hinterher.

»Sein oder nicht sein…«

von Theresa Ehrl (24. April 2018)

 

© Werner Lorenz

 

In moderner Garderobe, an Tim Burton erinnernder Maske und in übertriebener, zeitgenössischer Manier bringt das Theater im Gärtnerviertel Hamlet auf die Bühne. 

Die Location, eine Lagerhalle der Firma upjers, steril und spartanisch eingerichtet, erinnert mit ihrem Teppichboden an einen Verkaufsraum und scheint erst die Atmosphäre zu stören, mit Beginn des Stücks aber wird mehr als klar, dass der Raum sehr wohl mit dem Flair der Inszenierung und dem plastikhaltigen Bühnenbild zusammenspielt und eine mit der Zeit sehr verstörende Wirkung hat.

»Das ist eine böse Zeit«

von Theresa Pausenberger (9. April 2018)

 

© WildWuchsTheater

 

Das Volk lechzt nach Blut, Köpfe rollen, überall Verwirrung und Chaos... Wir begeben uns auf eine Zeitreise. Genauer: vom 24. März bis zum 5. April 1794. Dieses Jahr markiert das Ende der Revolution und gleichzeitig auch – man errät es – Georges Jacques Dantons Tod. Seine Qual und sein Leid hat das WildWuchs Theater nach Georg Büchner adaptiert und auf die Bühne gebracht. Es wird schaurig. 

Die Figur Danton (mitreißend gespielt von Sebastian Stahl) ist durch seine Zwiespältigkeit interessant: zwar hat er in der Französischen Revolution einst die »Septembermorde« begangen und wie Robespierre (authentisch: Frank Fröba) tausende unschuldige Bürger hingerichtet, doch das Theaterstück beginnt mit seinem Rückzug ins Private. Er möchte mit der ganzen Politik und dem ganzen Tohuwabohu nichts mehr zu tun haben. Für ihn ist sein ehemals bester Freund Robespierre ein Heuchler, der nur seinen eigenen Machtanspruch verfolgt und damit die Ideale der Revolution verrät. Camille Desmoulins (berührend: Florian Bernd) soll den gleichen Weg einschlagen wie Danton.

Für die Freiheit 

von Nele Barfuß (16. März 2018) 

 

© Martin Kaufhold

 

Mit Schillers Stück Die Räuber hat bei der Premiere am 10. März 2018 ein echter Klassiker seinen Weg auf die Bühne des ETA Hofmann Theaters Bamberg gefunden. Bei seiner Uraufführung im Jahr 1782 glich das Theater angeblich einem Irrenhause und machte den jungen Dichter über Nacht berühmt. Bis heute hat Schillers erstes Drama nichts von seiner Aktualität und Faszination eingebüßt. 

Karl von Moor und sein jüngerer Bruder Franz sind zwei ungleiche Brüder. Während der Ältere der väterlichen Grafschaft entflieht und sein Glück beim Studium in Leipzig sucht, bleibt der jüngere Bruder Franz neiderfüllt zurück und muss sich mit dem Leben als Zweitgeborener zurechtfinden. Während der Lieblingssohn Karl (Daniel Seniuk) in Leipzig ein ausschweifendes Leben führt, fasst Franz von Moor (Bertram Maxim Gärtner) den Entschluss, mithilfe einer Intrige seinen verhassten Bruder um dessen Erbe zu bringen und dessen Beziehung mit dem gemeinsamen Vater zu zerstören. Es gelingt ihm und der völlig verzweifelte Karl lässt sich überreden, als Hauptmann einer Räuberbande im Namen von Freiheit und Gerechtigkeit Verbrechen zu begehen. Als Karl schließlich doch noch einmal zum väterlichen Anwesen zurückkehrt, um seine Braut Amalia (Anna Döing) und seinen Vater Maximilian (Stephan Ullrich) ein letztes Mal zu Gesicht zu bekommen, muss er mit Entsetzen feststellen, dass sein jüngerer Bruder Franz kurz davor steht seine Pläne zu vollenden und alle Macht an sich zu reißen.