Wofür man einsteht

von Theresa Pausenberger (6. März 2018)

 

© Martin Kaufhold

»Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen was sie tun« singt K.I.Z. in Hurra die Welt geht unter. Oder doch nicht? Was sind die Beweggründe von Jugendlichen, die in die Fänge des Islamischen Staates gelangen? Das versucht Morton Rhue in seinem Buch Dschihad Online zu begründen, das 2016 erschien. Alexander Ritter inszenierte nach der Stückfassung von Olivier Garofalos am 02.03.2018 die aktuelle Thematik für das ETA Hoffmann Theater in Bamberg für die Bühne. 

Die Hauptpersonen des Theaterstückes sind die zwei Brüder Khalil, authentisch: Marcel Zuschlag, und Amir, gespielt von Helge Salnikau, der auch Vitaly übernimmt, die allein ohne Eltern in den USA leben.  Denn diese flohen vor dem Massaker in Srebrenica, bei dem unschuldige Muslime während des bosnischen Bürgerkriegs ermordet wurden. Sie gingen zurück, wollten den Söhnen aber eine gute Ausbildung ermöglichen und ließen Khalil in der Obhut Amirs.

Wir treffen uns im »Polarbär«

von Florian Grobbel (13. Februar 2017)

 

© Spielwerk Bamberg

 

Jaja, die Achtziger. Man kann ja viel kritisieren an der heutigen Zeit, aber jeder, der nach 1995 geboren wurde und je einmal einen Blick in den Führerschein seiner Eltern geworfen hat, schätzt sich glücklich in eine nicht so befremdliche Welt geboren worden zu sein. Doch zugegeben: Bei dem schmissigen Achtziger-Soundtrack, der die Inszenierung von Tony Dunhams Traumfrau verzweifelt gesucht begleitet, kann man nicht anders, als mit dem Fuß zu wippen, auch als Kind fern von dieser Prä-Tinder-Zeit der Kofferschreibmaschinen, Faxgeräte und diesen komischen Dingern namens Kontaktanzeigen. 

Harald, ein etwas pummeliger Softie um die 40, wurde von seiner langjährigen Freundin Julia verlassen, was ihn in ein ziemliches Loch stürzen lässt. Seine Sorgen vertraut er dem Publikum an, was dem liebevollen Teddybären sofort Sympathie verschafft. Außer von den mitfühlenden Zuschauern bekommt er Unterstützung von seiner besten Freundin Henriette, die ihm Tee kocht, Äpfel schneidet und ihn seelisch wieder aufbaut. Diese bringt ihn durch einen Blick in die Fränkische Nacht auf den Gedanken, es einmal mit Kontaktanzeigen auszuprobieren.

»Passt scho«, sagt der Franke

von Tessa Friedrich (11. Februar 2018)

 

© Marion Bührle

 

Die Legende der Jeanne d’Arc, die während des 100-jährigen Krieges zwischen Frankreich und England ihre Heimat auf dem Schlachtfeld verteidigte, ist fest im westlichen Raum Europas verankert. Sieht sich die Jungfrau durch ihren göttlichen Auftrag allein mit Gott und dem Krieg verbunden, ist sie für die einen eine Heilige, eine Prophetin des Schwertes, für andere eine Ketzerin, die nur durch hexerische Fähigkeiten den Sieg erlangen kann. Der Bezug zur heutigen Zeit? Themen wie Nationalismus und religiöser Fanatismus in der westlich christlichen Welt. Aspekte, derer sich das Staatstheater Nürnberg mit der Stückfassung Friedrich Schillers annimmt. 

Der Name der Regie verspricht Großes: Peter Wittenberg, der normalerweise an Schauspielhäusern in Berlin und Wien inszeniert, konnte erstmals für das Theater Nürnberg gewonnen werden. Die spannende Grundidee seiner Inszenierung der Jungfrau von Orleans scheint diese Erwartungen zunächst zu erfüllen: In einer patriarchalen Gesellschaft interessiert sich Wittenberg vor allem für die Perspektive der Johanna – wie nimmt sie die »göttlichen« Geschehnisse und die Reaktion ihrer Mitmenschen wahr, wie sehen ihre persönlichen Kämpfe aus, würde man durch ihre Augen blicken? Optisch realisiert wird dieses Konzept durch ein trichterförmiges, nur aus vier Wänden bestehendes Bühnenbild, gestaltet von Florian Parbs, in welchem die Schauspieler agieren. Der Fokus des Trichters richtet sich auf einen Bildschirm, auf dem das ganze Stück über die Augen der Johanna-Darstellerin Lilly Gropper zu sehen sind – live übertragen durch eine an ihrem Kopf befestigte Kamera. Durch diesen ständig präsenten Blick bewegen sich die Figuren so stets in Johannas »Sichtfeld«, unabhängig von ihrer bzw. Groppers An- oder Abwesenheit auf der Bühne. Die Frage, ob Johannas göttliche Eingebungen und ihre Wahrnehmungen nun Fakt oder doch reine Fiktion ihrerseits sind, steht somit offen im Raum und hält so den Zuschauer stets in einer kritisch reflektierenden Position.

»Ich bin eine Frau und weiß, was ich tue.«

von Antje Günther (04. Februar 2018)

 

© Werner Lorenz

 

Das wussten Aline Joers, Olga Seehafer und Nina Lorenz vom Theater im Gärtnerviertel wirklich, als sie am 31.01.2018 Maria Stuart in der Version von Dacia Maraini auf die Bühne brachten. Im Foyer der Mälzerei Weyermann entfalteten sie auf engstem Raum und mit geringsten Mitteln einen Premierenabend voller Witz, Tragik und politischer Aktualität.

Maria Stuart von Friedrich Schiller ist ein Klassiker der Weltliteratur. Die Geschichte der beiden Königinnen, die so verschieden sind und doch ein ähnliches Schicksal teilen, die Bürde der weiblichen Herrschaft in einer männlich dominierten Welt, ist bekannt und oft gespielt worden. Die Version der italienischen Autorin Dacia Maraini nimmt diesen thematischen Aspekt auf und stellt ihn ins Zentrum. 

Die Buddenbrooks der Wall Street

von Svenja Zeitler (30. Januar 2018)

 

© Martin Kaufhold

 

Fast jedem sind die Lehman Brothers ein Begriff, spätestens nach der Insolvenz der großen Investmentbank im Jahre 2008, die die Weltwirtschaftskrise einleitete. Doch weniger bekannt ist, dass die Gründer dieser Dynastie eigentlich aus Franken stammen, im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten und dort ein kleines Stoffgeschäft gründeten. So beginnt die Geschichte der Lehman Brothers, wie sie uns das ETA Hoffmann Theater in der Inszenierung des Stückes von Stefano Massini nacherzählt, welche am Freitag, den 26.01. Premiere feierte. Vom Stoff- und Baumwollhandel schraubt sich die Firma über Kaffee und Eisenbahnen in immer schwindelerregendere Höhen und findet schließlich ihr Ende im Börsencrash.

Die Kulisse bildet während des ganzen Stücks eine abstrakte Großstadtlandschaft, auf die zur Verdeutlichung des Zeitgeschehens Animationen projiziert werden. Als Requisiten dienen lediglich ein paar schwarze Stühle und ein Tisch, der im Laufe des Stückes immer wieder zweckentfremdet und als Chuppa, Börsentafel oder Verkaufstresen genutzt wird. Die Schauspieler, allesamt in grauen Anzügen, sind in Funktion und Rolle austauschbar wie später Menschen und Kapital an der Börse.