Haben wir die Wahl?

von Anna Deerberg (2. Mai 2018)

 

© Martin Kaufhold

 

Auf der Suche nach einer besseren Welt konnte man am 27. Mai die Schauspieler des E.T.A. Hoffmann Theaters während der Premiere von Utopia – was fehlt? begleiten. Aufgelockert wurde das teils anspruchsvolle Stück immer wieder durch musikalische Szenen.

Die zentrale Frage, der die Aufführung nachgeht ist, ob es tatsächlich nur eine Wahl zwischen Freiheit und Gleichheit gibt. Auf der Suche nach Antworten reisen die Schauspieler in verschiedenen Rollen durch die Zeit und gewähren Einblick in unterschiedliche Formen der Gesellschaft. Sie finden verheißungsvolle Versprechen im Kommunismus, von dem sie sich dann jedoch bald wieder abwenden und die Suche fortsetzen. Immer wieder prallen Gegensätze verschiedenster Entwürfe aufeinander – die Suche nach dem Nicht-Ort gestaltet sich als schwierig; vielleicht sogar als unmöglich. Die Aufführung selbst lebt von zahlreichen Anspielungen und Bezugnahmen auf  vergangene Werke und Schriften. So findet nicht »Hans im Glück«, sondern auch Che Guevara seinen Platz auf der Bühne. Eine Antwort kann das Stück nicht liefern, aber es kann Anreize zum aktiven Handeln für jeden Einzelnen setzen. Dass diese Aufforderung ernst gemeint ist, zeigt sich nach der Pause. Geld wird eingesammelt, das Publikum soll geben, was es für angemessen hält. Anschließend an die Vorstellung darf sich das Publikum aber wieder nehmen, was es für angemessen hält.

Stolz und Vorurteil der Geschworenen

von Sophia Klopf (30. April 2018)

 

© e.g.o.n.

 

Das letzte Stück der Theatergruppe e.g.o.n. brachte uns einen Hauch des amerikanischen Rechtssystems in das heimelige Bamberg: In Die 12 Geschworenen müssen ebendiese über Schuld oder Unschuld eines jungen Mannes entscheiden. Das Rezensöhnchen war bei der Premiere am 14.03. in der Alten Seilerei dabei.

Nach einem Gerichtsverfahren, das sich über sechs Tage erstreckt hat, müssen zwölf Menschen über ein Urteil entscheiden. Ein junger Mann mit Migrationshintergrund hat angeblich seinen Vater ermordet. Ist er schuldig? Zunächst scheinen sich alle einig zu sein und plädieren für die Verurteilung des Angeklagten. Doch dann spricht sich einer der Geschworenen für seine Unschuld aus. Ohne Zweifel hat er einen Nerv getroffen. Nun wird in der Gruppe lebhaft diskutiert und gestritten, und bald können nicht mehr alle zweifelsfrei ihre eigentliche Meinung vertreten…

Ein Lehrer am Rande des Wahnsinns

von Michelle Mück (29. April 2018)

 

© ETA Hoffmann Theater

 

Sascha hat sich umgebracht. Für die Schüler eines Gymnasiums ist der Schuldige dafür klar: Saschas Deutschlehrer, Herr Klamm, der ihn wegen eines einzigen Punktes durchs Abi hat fliegen lassen. Also verkünden sie ihm den Krieg. 

Die Premiere des Klassenzimmerstückes, welches ab jetzt durch die Schulen tourt, fand am 24. April im Gewölbe des ETA Hoffmann Theaters statt. Der relativ kleine Raum ist hergerichtet wie ein Klassenzimmer: Auf der Bühne steht ein Pult, dahinter eine Tafel und das Publikum sitzt als eine große Klasse in den Reihen davor. Das Ganze wirkt so realistisch, dass man sich gar nicht traut, sein Handy in die Hand zu nehmen oder den Unterricht durch irgendetwas zu stören. Denn der Lehrer ist streng!

Erinnerungen an die Entenjagd

von Sophia Klopf (25. April 2018)

 

© Carolin Cholotta

 

Am 02. und 03. Februar gab es in der Alten Seilerei wieder ein russisches Theaterstück von ArtEast, der studentischen Theatergruppe, die sich in bewährter Weise einem modernen Klassiker annahm: der Entenjagd nach Alexander Vampilov.

Dabei sollte man bei »Entenjagd« keinesfalls idyllische Landschaften und Jagdplausch erwarten. Im Mittelpunkt steht Viktor Silov, um die dreißig Jahre alt, der im Leben herumeiert. Mit seiner Frau Galina ist er nicht glücklich, die Arbeit langweilt ihn. Sein Arbeitskollege und bester Freund Anatolij Sajapin ist der einzige mit dem er Spaß hat. Zusammen reißen sie Witze, drücken sich vor der Arbeit und jagen Frauen hinterher.

»Sein oder nicht sein…«

von Theresa Ehrl (24. April 2018)

 

© Werner Lorenz

 

In moderner Garderobe, an Tim Burton erinnernder Maske und in übertriebener, zeitgenössischer Manier bringt das Theater im Gärtnerviertel Hamlet auf die Bühne. 

Die Location, eine Lagerhalle der Firma upjers, steril und spartanisch eingerichtet, erinnert mit ihrem Teppichboden an einen Verkaufsraum und scheint erst die Atmosphäre zu stören, mit Beginn des Stücks aber wird mehr als klar, dass der Raum sehr wohl mit dem Flair der Inszenierung und dem plastikhaltigen Bühnenbild zusammenspielt und eine mit der Zeit sehr verstörende Wirkung hat.