Die Buddenbrooks der Wall Street

von Svenja Zeitler (30. Januar 2018)

 

© Martin Kaufhold

 

Fast jedem sind die Lehman Brothers ein Begriff, spätestens nach der Insolvenz der großen Investmentbank im Jahre 2008, die die Weltwirtschaftskrise einleitete. Doch weniger bekannt ist, dass die Gründer dieser Dynastie eigentlich aus Franken stammen, im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten und dort ein kleines Stoffgeschäft gründeten. So beginnt die Geschichte der Lehman Brothers, wie sie uns das ETA Hoffmann Theater in der Inszenierung des Stückes von Stefano Massini nacherzählt, welche am Freitag, den 26.01. Premiere feierte. Vom Stoff- und Baumwollhandel schraubt sich die Firma über Kaffee und Eisenbahnen in immer schwindelerregendere Höhen und findet schließlich ihr Ende im Börsencrash.

Die Kulisse bildet während des ganzen Stücks eine abstrakte Großstadtlandschaft, auf die zur Verdeutlichung des Zeitgeschehens Animationen projiziert werden. Als Requisiten dienen lediglich ein paar schwarze Stühle und ein Tisch, der im Laufe des Stückes immer wieder zweckentfremdet und als Chuppa, Börsentafel oder Verkaufstresen genutzt wird. Die Schauspieler, allesamt in grauen Anzügen, sind in Funktion und Rolle austauschbar wie später Menschen und Kapital an der Börse.

Was hast du nur immer mit den Sternen? 

von Nele Barfuß (27. Januar 2018) 

 

© Martin Kaufhold 

 

Mit bissigen Dialogen und viel (schwarzem) Humor feierte das Stück Brand - Eine deutsche Familiengeschichte am Freitag, den 19. Januar, seine Uraufführung im ETA Hoffmann Theater Bamberg. Trotz der ernsten Thematik erhielt es sich dabei eine erstaunliche Leichtfüßigkeit und Komik. 

Die Autorin Bettina Erasmy zeichnet mit Brand die Geschichte einer deutschen Familie über mehrere Generationen hinweg, beginnend in der Nachkriegszeit und bis in die Gegenwart reichend. 

Liebe ist für alle da

von Sophia Klopf (23. Dezember 2017)

 

© Marion Bührle

 

Sage und schreibe 15 Stücke zählt meine diesjährige Theaterbilanz. Leider hat nur ein Bruchteil dieser Inszenierungen mein Zuschauerherz höherschlagen lassen. Umso erfreulicher, dass mein letztes Seherlebnis in diesem Jahr ein gelungenes war: Die Premiere von Die Wiedervereinigung der beiden Koreas am 16.12. im Staatstheater Nürnberg war eindeutig sehenswert und gehört zweifellos zu meinen Theaterlieblingen von 2017.

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas ist ein auf den deutschsprachigen Bühnen sehr beliebtes Drama des französischen Autors Joël Pommerat. Kein Wunder! Im Gegenzug zu seinem etwas irreführenden Titel geht es um die gegenwärtigen Liebesbeziehungen in all ihren Ausprägungen. Oft wird es mit Artur Schnitzlers Reigen verglichen: viele kleine Szenen, die immer eine Beziehung darstellen. Aber in Kontrast zu Schnitzler stehen bei Pommerat auch mal drei oder mehr Leute auf der Bühne, nicht strikt zwei. Natürlich bin ich leicht dazu verleitet zu sagen, dass Pommerats Stück ein Reigen der Gegenwart ist. Aber Die Wiedervereinigung der beiden Koreas zeigt ein viel größeres Spektrum der Liebe und die Szenen sind allgemeingültig wohl in jedem (westlichen) Land plausibel.

Postapokalyptische Belastungsstörung

von Florian Grobbel (19. Dezember 2017)

 

© Marion Bührle

 

Sie ist eingetreten. In Filmen und Serien wurden wir mehrfach davor gewarnt und nun ist sie da: Die Zombieapokalypse! Die gesamte Menschheit ist schon mutiert. Welche Auswirkungen hat diese Katastrophe? Das beantwortet das Livehörspiel Nekropolis – Die Stadt gehört uns! von Anita Augustin und Eike Hannemann, welches im Staatstheater Nürnberg seine Uraufführung auf die Bühne brachte.

Drei Moderatoren einer Radioshow haben sich vor der eingetretenen Invasion in ihrem Studio verbarrikadiert. Sie versuchen nun schon seit Woche zu überleben, bloß nicht dem Wahnsinn zu verfallen und das Wichtigste: Auf Sendung zu bleiben. Die Tatsache, dass einer von ihnen bereits das Zombievirus in sich trägt, verkompliziert die ganze Sache und sie sehen zu, wie ihr Kollege Frederik immer mehr der animalischen Natur eines Untoten verfällt. 

Wahnwitz nach dem dritten Weltkrieg

von Sophia Klopf (18. Dezember 2017)

 

© Denis Meyer

 

Einen Hauch von Apokalypse und Wahnsinn brachte uns am 7., 9. und 12. Dezember das WildWuchs Theater auf die Bühne. Ihr Stück Das weltberühmte Wohnschlafzimmer fand in der Schreinerei der ehemaligen Lagarde-Kaserne seine deutsche Erstaufführung und bestach dabei durch seinen skurrilen Humor.

Wenn man sich ein Stück anschaut, das von »den Monty Python Vordenkern«  Spike Miligan und John Atrobus geschrieben ist, geht man schon davon aus, etwas Ungewöhnliches geboten zu bekommen. Und die Erwartungen erfüllen sich: Das Setting ist ein Großbritannien nach dem dritten Weltkrieg, den wir zu Anfang des Stückes durch eine Videoslideshow von Atompilzen mitbekommen, die mit elektronischer Musik untermalt ist. Ein gelungener Einstieg!