»Wollen Sie meine Wilde sein?«

von Nele Barfuß (6. Dezember 2017)

  

© Martin Kaufhold

 

Zugegeben: Der Titel »Häuptling Abendwind« klingt eher nach einer KiKa-Vorabendserie inklusive sprechendem Pony als nach einer gesellschaftskritischen Komödie. Doch genau das stellt diese „indianische Faschingsburleske“ von Johann Nestroy, inszeniert von Isabel Osthues, eigentlich dar. Premiere feierte das Stück am 1. Dezember im ETA Hoffmann Theater. 

»Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl« ist Nestroys letztes Stück und wurde 1862 uraufgeführt. In der Komödie kritisierte er vor allem die zivilisierte Wiener Gesellschaft in ihrer Überheblichkeit gegenüber den kolonialisierten Völkern, den »Wilden«. 

Von der Trumpophobie

von Rebecca Meixner und Sophia Klopf (25. November 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Seit letztem November gibt es wohl keinen Tag, an dem wir nichts von ihm in den Nachrichten hören: Mister President Donald J. Trump.  Nun hat er mit »Am Königsweg« von Elfriede Jelinek, wenn auch unfreiwillig, seinen Weg auf die Theaterbühne gefunden. Am Freitag, den 24. November, feierte das ETA Hoffmann Theater die Premiere der Inszenierung, die Trump zum König kürt und ihn dabei umso lächerlicher erscheinen lässt.

»Der Blinde spricht zu den Blinden«: Das neue Stück von Jelinek sieht sich an wie ein 90-minütiger Diss-Track gegen Trump und die Gesellschaft, die ihn unreflektiert gewählt hat und in ihrer Medienwelt versinkt. Dabei wird selbstverständlich der künstlerische Anspruch nicht vernachlässigt, das antike Höhlengleichnis findet ebenso seinen Platz wie Kommentare aus den Social Networks.

»Die Hölle – Das sind die Anderen«

von Theresa Pausenberger (22. November 2017)

 

© e.g.o.n

 

»Die geschlossene Gesellschaft« besteht aus der schönen und verführerischen Estelle, dem rebellischen Joseph und der spitzfindigen Inés. Die drei Personen treffen in der Hölle nach ihrem Ableben aufeinander und obwohl sie einander nie begegnet sind und nie von einander gehört haben, müssen sie nun alle Ewigkeit miteinander verbringen. Jean Paul Sartre entführt in eine minimalistische Welt, in der die Grundverlangen des Menschen enthüllt werden: Liebe, Begehren, Zorn und Hoffnung, das vom Theater e.g.o.n. wunderbar menschlich und authentisch inszeniert wurde.  

»Da sind wir also«. Mit diesem berühmten Satz leitet Joseph Garcin alias Stefan Huber das Theaterstück ein. Er wird von einem Kellner (gruselig: Jörg Rappl) in ein Zimmer geführt, das an ein Hotelzimmer erinnert, mit drei Sofas: lindgrün, blau und rot. Ansonsten steht nichts auf der Bühne. Der schwarze Bühnenvorhang und die Backsteinmauern der alten Seilerei sowie die hellen Bühnenlichter, lassen in der Tat eine Hitze, die in dem Stück mehrmals angesprochen wird, entstehen, wenn sich der Zuschauer ganz auf das Stück einlässt. 

Die Welt der Taschenbiers steht Kopf

von Jana Röckelein und Anna-Maria Schmid (19. November 2017)

 

 
© Martin Kaufhold

 

Was passiert wenn ein Sams zehn Jahre, zehn Stunden und zehn Minuten bei einem Menschen lebt. Dann passiert etwas sehr Besonderes. Anlässlich des 80. Geburtstag des Bamberger Autors Paul Maar zeigt das E.T.A. Hoffmann-Theater »Sams im Glück«.

»Hilfe, bei Familie Taschenbier gibt es bald mehr als nur ein Sams« lautete die Devise am Samstagnachmittag im ETA Hoffmann Theater. Denn Papa Taschenbier ist verrückt geworden. Wenn ein Sams zehn Jahre, zehn Stunden und zehn Minuten bei einem Menschen lebt, dann geschieht etwas Besonderes. Samsregel Nummer 418 besagt, dass sich nach dieser Zeit die Familie des Samses allmählich selbst in ein Sams verwandelt. Das bringt so einige Probleme mit sich. Anfangs ist das Sams natürlich begeistert, neue Spielkameraden gefunden zu haben. Doch nach einem Einbruch in eine Schokoladenfabrik des nunmehr nimmersatten Herrn Taschenbiers sowie einer fixen Idee seine selbstgebaute Regenschirmfabrikationsmaschine an den Mann zu bringen, beginnt sich auch das Sams zu sorgen. Unüberlegte Wünsche und eine Familie Taschenbier, die sich zunehmend mehr wie ein aufgedrehtes Sams verhält, spitzen die Situation zu. Am Ende kann nur die Träne eines Samses das angerichtete Chaos wieder richten.

»Malerei ist eine Waffe zum Angriff«

von Sophia Klopf (25. Oktober 2017)

 

© Werner Lorenz

 

Zur neuen Spielzeit des Theaters im Gärtnerviertels bringt die Gruppe ein Stück auf die Bühne, das den Zuschauer direkt in das Flair der 40er Jahre versetzt. »Ein Picasso« ist eine Hommage an den größten Künstler der Moderne. Das Rezensöhnchen war bei der Premiere am 12.10. dabei.

Das von den Nazis besetzte Paris, Anfang der 1940er: Pablo Picasso wird auf Geheiß der Deutschen in ein Büro gerufen, um seine Werke zu identifizieren. Ihm steht dort aber kein alter Mann in Wehrmachtsuniform gegenüber, sondern Frau Fischer, eine adrette Vertreterin der deutschen Diktatur, die keineswegs auf den Mund gefallen ist. Fast beiläufig erfährt Picasso, dass die drei ihm gezeigten Gemälde aber nicht für eine Ausstellung verwendet werden, sondern für eine Verbrennung »entarteter« Kunst. Das kann Picasso nicht zulassen! Ein Schlagabtausch zur Rettung seiner Werke beginnt.