Sagt mal, warum scheitern Utopien eigentlich immer?

von Anna Brodmann (9. Mai 2019)

© Jochen Quast


Am 3.5. feierte im Theater Erlangen „Farm der Tiere“ nach dem Roman von George Orwell Premiere. Doch was den Zuschauer erwartet ist keineswegs ein gewöhnliches Theaterstück. Mit der „Live-Film-Inszenierung von Klaus Gehre“ feuert das Ensemble des Theaters eine außergewöhnlich inszenierte Mischung aus Film und Theater, Bühnen- und Kameraarbeit, Schauspiel und Puppenspiel ab. Ein Stück über eine Utopie, das inszeniert ist wie eine Utopie - doch genau wie bei Orwell scheitert auch diese Utopie an einem bestimmten Punkt.

Die Handlung des Stücks dreht sich um Farmtiere, die irgendwann genug von der Unterdrückung haben und ihren Bauern von der Farm jagen. Jetzt wo sie frei sind, wollen sie ein neues selbstbestimmtes System aufbauen, in dem jeder frei und gleich leben kann. Doch Demokratie und Gemeinschaftsgüter sind anstrengend, verlangen Opfer und ziehen machthungrige Individuen an – und das System verkehrt sich langsam in sein Gegenteil.

Wenn die tollen Tanten morden

von Florian Grobbel (5. Mai 2019)

© Werner Lorenz

 

Begegnen einem auf der Straße zwei fröhliche alte Damen, denkt man an Werte wie Gutherzigkeit, Fürsorge und Glückseligkeit. Auch von den netten Tanten Abby und Martha aus dem Stück Arsen und Spitzenhäubchen von Joseph Kesselring würde man auf den ersten Blick nichts Böses erwarten, geschweige denn, dass sie beide kaltblütige Mörderinnen sind. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Die Geschichte der Tanten wird jetzt vom Theater im Gärtnerviertel in der Zehnthaus-Scheune der Brauerei Klosterbräu zur Aufführung gebracht.

Es sind schon nicht ganz einfache Verhältnisse im Hause Brewster. Die drei Neffen der älteren Damen scheinen alle nicht ganz richtig im Kopf zu sein. So hält sich der infantile Teddy für den Präsidenten Theodor Roosevelt, der mit seiner Kriegstrompete die ganze Nachbarschaft in Aufruhr versetzt. Der zweite Bruder Jonathan ist irgendwann verschwunden und soll als Mörder sein Unwesen treiben und Mortimer, der Dritte im Bunde, ist doch tatsächlich Theaterkritiker geworden.

„Machen Sie doch keine Witze“

von Antje Günther (06. April 2019)

© Frederik Fischer

Gerade dies taten die vier Schauspieler des e.g.o.n. jedoch zuhauf, als sie bei der Premiere am Freitag, den 05. April in der Alten Seilerei in Bamberg Alfred Hitchcocks Die 39 Stufen auf die Bühne brachten. Die Krimifarce, basierend auf der Theaterfassung von Simon Corble und Noby Dimon, persifliert den Filmklassiker von 1935 und sorgte für viele Lacher.

Szene für Szene wird der Film nachgespielt und durch den Kakao gezogen. Handlung und sogar der Text der Schauspieler ist größtenteils mit dem der deutschen Synchronfassung des Films von 1966 identisch. Während Hitchcock die Geschichte um Richard Hannay, der in ein Spionagekomplott verwickelt wird und ständig auf der Flucht ist, jedoch ernsthaft erzählt, nimmt die Theaterfassung von Corble und Dimon die Absurdität und Komik der Geschichte in den Blick. Mit nur wenigen, mitunter handgemachten Requisiten und lediglich vier Schauspielern, die insgesamt knapp 30 verschiedene Rollen übernehmen, wird der Film von einer spannenden Spionagegeschichte vom ‚Master of Suspense‛ zu einer Farce, die mit absurdem, derb-komischen Humor unterhält. Getragen wird dieser Humor in erster Linie vom überzeichneten Spiel der vier Schauspieler. Insbesondere Anja Wagner und Stefan Huber, die jeweils 12 unterschiedliche Personen spielten, sorgten für große Erheiterung, sei es als zotenreißendes Vertreterduo im Zug nach Schottland oder als Hotelierpärchen Mr. und Mrs. Garrigle, die sich scheinbar aus Bayern nach Schottland verirrt haben und Hannay und Pamela in breiter Mundart empfangen. Blass dagegen wirkte Jana-Rebecca Hilser, welche die drei zentralen Frauenfiguren des Films verkörperte. Ihre Darstellung der Figuren geriet sehr ähnlich, was gerade bei Zuschauern, die mit dem Film nicht vertraut sind, für Verwirrung sorgte. 

"Wenns Wahnsinn ist, so hat es doch Methode"

von Anna Brodmann (27. März 2019)

   © Martin Kaufhold

Stellen Sie sich vor, Sie sind die einzige nüchterne Person auf einer Party und alle anderen konsumieren eine Menge Drogen. Am Anfang versuchen Sie noch, die Leute davon abzuhalten, nur mit einer Federboa bekleidet herumzulaufen, aber irgendwann gewöhnen Sie sich an den Wahnsinn. Sie fangen an, die Absurdität zu genießen, schauen lächelnd zu, wie jemand aus einer Couch klettert und wenn irgendwann vor laufender Kamera jemand mit glitzerndem Cape und Totenkopf einen Mord inszeniert, lachen Sie nur noch herzlich und nehmen einen tiefen Schluck Apfelschorle. Genau so fühlt es sich an, Sebastian Schugs Inszenierung von Hamlet am ETA Hoffmann Theater zu sehen.

Das Stück feierte am 22.3. Premiere und ist mit einer Dauer von zwei Stunden (ohne Pause) für Hamlet überraschend schnell, ohne, dass der Stoff übermäßig unter den Kürzungen leiden muss. Kostüme und Bühnenbild können nur mit den Worten »außergewöhnlich gelungen« beschrieben werden. Die Bühne ist auch, dank einer Dekonstruktion, unglaublich wandelbar und kann spielerisch die verschiedensten Stimmungen erzeugen und vor allem die zahlreichen Kostüme der Königin, durch die praktisch eine eigene Geschichte erzählt wurde, beeindrucken. Auch allen Schauspieler muss ein großes Kompliment für ihre durchgehend sehr gute Leistung gemacht werden.

Was ist nochmal der Sinn des Lebens?

von Hannah Deininger (22.03.2019)

© Martin Kaufhold

Am Freitag, den 15. März 2019, wurde im ETA Hoffmann Theater Bamberg die Premiere des Stücks Auerhaus, in einer Inszenierung von Hannes Weiler aufgeführt. Die literarische Vorlage lieferte der gleichnamige Roman von Bov Bjerg. Auerhaus erzählt von den beiden Freunden Höppner und Frieder, ihrer Vergangenheit und Gegenwart.

„Weißt du noch, damals?“ – dieser Satz wird zu Beginn des Stücks nochmal und nochmal wiederholt. Zwei alten Männer – Höppner und Frieder – versuchen sich gemeinsam zu erinnern, an frühere Zeiten. Und reden dabei weniger miteinander als aneinander vorbei. In einer alt und heruntergekommen wirkenden Wohnung (oder ist es doch Bauernhof, Altenheim, Psychiatrie, Elternhaus?), treffen die beiden aufeinander, erkennen sich schließlich und liegen sich als alte Freunde in den Armen. Dann ein „Schnitt“, ein Sprung zurück in der Zeit: Die beiden Freunde sind wieder junge Halbstarke und Höppner besucht seinen Freund Frieder in der Psychiatrie. Die Stimmung in dieser Szene ist schwankend; zwischen Freude über den Besuch auf der einen, und angespanntes Schweigen, weil Höppner nicht weiß, wie er nun mit seinem Freund umgehen soll, auf der anderen Seite.