»Die Hölle – Das sind die Anderen«

von Theresa Pausenberger (22. November 2017)

 

© e.g.o.n

 

»Die geschlossene Gesellschaft« besteht aus der schönen und verführerischen Estelle, dem rebellischen Joseph und der spitzfindigen Inés. Die drei Personen treffen in der Hölle nach ihrem Ableben aufeinander und obwohl sie einander nie begegnet sind und nie von einander gehört haben, müssen sie nun alle Ewigkeit miteinander verbringen. Jean Paul Sartre entführt in eine minimalistische Welt, in der die Grundverlangen des Menschen enthüllt werden: Liebe, Begehren, Zorn und Hoffnung, das vom Theater e.g.o.n. wunderbar menschlich und authentisch inszeniert wurde.  

»Da sind wir also«. Mit diesem berühmten Satz leitet Joseph Garcin alias Stefan Huber das Theaterstück ein. Er wird von einem Kellner (gruselig: Jörg Rappl) in ein Zimmer geführt, das an ein Hotelzimmer erinnert, mit drei Sofas: lindgrün, blau und rot. Ansonsten steht nichts auf der Bühne. Der schwarze Bühnenvorhang und die Backsteinmauern der alten Seilerei sowie die hellen Bühnenlichter, lassen in der Tat eine Hitze, die in dem Stück mehrmals angesprochen wird, entstehen, wenn sich der Zuschauer ganz auf das Stück einlässt. 

Die Welt der Taschenbiers steht Kopf

von Jana Röckelein und Anna-Maria Schmid (19. November 2017)

 

 
© Martin Kaufhold

 

Was passiert wenn ein Sams zehn Jahre, zehn Stunden und zehn Minuten bei einem Menschen lebt. Dann passiert etwas sehr Besonderes. Anlässlich des 80. Geburtstag des Bamberger Autors Paul Maar zeigt das E.T.A. Hoffmann-Theater »Sams im Glück«.

»Hilfe, bei Familie Taschenbier gibt es bald mehr als nur ein Sams« lautete die Devise am Samstagnachmittag im ETA Hoffmann Theater. Denn Papa Taschenbier ist verrückt geworden. Wenn ein Sams zehn Jahre, zehn Stunden und zehn Minuten bei einem Menschen lebt, dann geschieht etwas Besonderes. Samsregel Nummer 418 besagt, dass sich nach dieser Zeit die Familie des Samses allmählich selbst in ein Sams verwandelt. Das bringt so einige Probleme mit sich. Anfangs ist das Sams natürlich begeistert, neue Spielkameraden gefunden zu haben. Doch nach einem Einbruch in eine Schokoladenfabrik des nunmehr nimmersatten Herrn Taschenbiers sowie einer fixen Idee seine selbstgebaute Regenschirmfabrikationsmaschine an den Mann zu bringen, beginnt sich auch das Sams zu sorgen. Unüberlegte Wünsche und eine Familie Taschenbier, die sich zunehmend mehr wie ein aufgedrehtes Sams verhält, spitzen die Situation zu. Am Ende kann nur die Träne eines Samses das angerichtete Chaos wieder richten.

»Malerei ist eine Waffe zum Angriff«

von Sophia Klopf (25. Oktober 2017)

 

© Werner Lorenz

 

Zur neuen Spielzeit des Theaters im Gärtnerviertels bringt die Gruppe ein Stück auf die Bühne, das den Zuschauer direkt in das Flair der 40er Jahre versetzt. »Ein Picasso« ist eine Hommage an den größten Künstler der Moderne. Das Rezensöhnchen war bei der Premiere am 12.10. dabei.

Das von den Nazis besetzte Paris, Anfang der 1940er: Pablo Picasso wird auf Geheiß der Deutschen in ein Büro gerufen, um seine Werke zu identifizieren. Ihm steht dort aber kein alter Mann in Wehrmachtsuniform gegenüber, sondern Frau Fischer, eine adrette Vertreterin der deutschen Diktatur, die keineswegs auf den Mund gefallen ist. Fast beiläufig erfährt Picasso, dass die drei ihm gezeigten Gemälde aber nicht für eine Ausstellung verwendet werden, sondern für eine Verbrennung »entarteter« Kunst. Das kann Picasso nicht zulassen! Ein Schlagabtausch zur Rettung seiner Werke beginnt.

Von Blockflöten und verrückten Wissenschaftlern

von Sophia Klopf (21. Oktober 2017)

 

© Jochen Quast

Wer sich anhand weltweiter Naturkatastrophen, Terror und Bundestagswahlwahnsinn langsam reif für die Klapsmühle fühlt, findet vielleicht Trost im Theater. Das Theater Erlangen hat mit Dürrenmatts Klassiker »Die Physiker« das Irrenhaus auf die Bühne verlegt. Die Premiere des Stücks am 22. September war gleichzeitig der Auftakt der neuen Spielzeit in Erlangen.

Drei Physiker sind in einem privilegierten Sanatorium untergebracht. Von den Wissenschaftlern hält sich einer für Albert Einstein, der andere für Isaac Newton. Der dritte glaubt, dass ihm König Salomon höchstpersönlich erscheine. Doch nicht alle leiden tatsächlich an einer richtigen Geisteskrankheit. Aber wer unter ihnen? Und warum sollte man sich irre stellen? 

Forever Is Our Today

von Tessa Friedrich (17. Oktober 2017)

 

© Martin Kaufhold 

 

Nordamerika im Jahre 1985. Während der Amtszeit des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan ist das Land geprägt von Rassismus, Homophobie, Kapitalismus und Korruption, Krankheiten wie Aids entwickeln sich zur Massenepidemie. Gott, so scheint es, hat die Menschen hier längst im Stich gelassen. Die Lösung: ein neuer Messias muss her! Ob aber der Auserwählte der Engel, der homosexuelle und Aidskranke Prior Walter, dieser Aufgabe gerecht werden kann?

Um die neue Spielzeit 2017/18 des ETA Hoffmann Theaters am 6. Oktober zu eröffnen, entscheidet sich die Intendantin und Regisseurin Sibylle Broll-Pape wie in den vorherigen Spielzeiten dazu, der Tradition der großen Stoffe zu folgen: Nach den Nibelungen zum Thema „Heimat“ und dem Goldenen Vlies zu „Europa“ wendet sich das ETA mit Engel in Amerika nun dem Westen zu. Das zweiteilige Drama von Tony Kushner wurde nach der Uraufführung 1993/94 mit dem Pulitzer Preis und dem Tony Award ausgezeichnet, als Miniserie mit Größen wie Meryl Streep und Al Pacino verfilmt und stellt also zweifellos einen wichtigen Teil amerikanischer Literatur- und Kulturgeschichte dar. Das ETA versucht, dieses Monumentalwerk zu zähmen (gekürzt auf eine Länge von knapp vier Stunden, Dramaturgie: Remsi Al Khalisi) und stellt mit dieser Inszenierung dem Bamberger Publikum ebenso einige neue Gesichter als Teil des ETA Ensembles vor, die sich gemeinsam mit den bereits bekannten Schauspielern der Aufgabe annehmen, dieses Werk auf die Bühne zu bringen.