Star Wars – Der Krieg der Verse

von Christian Eschenfelder (28. Mai 2017)

 

© Denis Meyer

 

Am vierten Mai haben die Jungs und Mädels vom Wildwuchs Theater zum ersten Mal William Shakespeares Star Wars zum Besten gegeben. Dieses Drama, das der Feder von Ian Doescher entsprungen ist, ist die in Versform umgewandelte Version von Star Wars. Wieso diese funktioniert, ist klar, denn Star Wars verfügt über eine Reihe von Charakteren, die auch den epischen Geschichten Shakespeares hätten entspringen können: Der Mentor, der böse Lord, die gefangene Prinzessin und der junge Held, der sich auf die weite Reise begibt, um sie zu retten. Viele Helden aus dem Star Wars Universum erinnern an die aus Othello, Hamlet und Co. und wenn die sich so gut auf der Theaterbühne machen, wieso dann nicht auch George Lucas‘ Gedankensprösslinge aus einer weit, weit entfernten Galaxie?

Star Wars – das ist seit Jahrzehnten eine mediale Institution, nicht nur die Filme, auch die Bücher und Videospiele, und nun ebenfalls das Theater in Bamberg. Die Erwartungen der Gäste waren selbstverständlich enorm hoch; nicht nur wegen der umfangreichen Werbung, die im Vorfeld für das Stück betrieben wurde, sondern auch, weil es sich schlicht und ergreifend um Star Wars handelte.

Zwischen Opulenz und Niedergang

von Sophia Klopf (22. Mai 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Eingebettet in Blut, Staub und Nebel konnte man im ETA Hoffmann Theater am Freitag, den 12. Mai, die Premiere des antiken Klassikers »Antigone« von Sophokles, inszeniert von Mizgin Bilmen, bestaunen. Diese griechische Tragödie setzt nach der Schlacht um die Stadt Theben ein, die zwischen den Brüdern Eteokles und Polyneikes bestritten wurde, die beide in der Schlacht fielen. Während Eteokles, der ehemalige Herrscher des Stadtstaats, eine feierliche Beerdigung erhält, gilt Polyneikes als Staatsfeind, dem ein ordentliches Begräbnis verweigert wird. Das wird zum Auslöser eines Familiendramas, das nicht nur auf eine Weise fulminant endet.

Antigone, die Schwester der verfeindeten Brüder, möchte Polyneikes eine normale Beerdigung gestatten. Kindlich-naiv und enthusiastisch erzählt sie ihren Plan ihrer phlegmatischen Schwester Ismene, die ihrem Wesen nach das komplette Gegenteil ihrer Schwester ist und an ihre Vernunft appelliert, die Beerdigung doch bleiben zu lassen. Gegen den Willen ihres tyrannischen Onkels Kreon, der jetzt auf dem Thron der Stadt Theben sitzt und sich rein an die Gesetze des Staatstaates hält, nimmt sie die Beerdigung trotzdem vor. Doch Kreon verurteilt sie stark und droht ihr mit der Todesstrafe. Selbst die Tatsache, dass sie die Verlobte seines Sohnes Haimon ist, lässt Kreon nicht von seiner harten Strafe zurückschrecken. Schließlich bekommt sie sogar den schlimmsten aller Tode: Sie wird lebendig in einer Grabkammer eingeschlossen, wo sie sich erhängt. Doch sie nimmt ihre gesamte Familie mit sich. Ihr Verlobter nimmt sich aus Kummer das Leben, dessen Mutter Eurydike kann ebenfalls das Leben ohne ihre Familie nicht mehr ertragen, Ismene stirbt unter mysteriösen Umständen. Nun steht König Kreon alleine da, zerrissen von seiner Entscheidung, die den Niedergang seiner ganzen Familie brachte, aber Thebens Gesetze nicht verletzte.

Das ist doch die Höhe!

von Christian Eschenfelder (6. Mai 2017)

 


© Christian Martin

 

Eugene Ionescos Stück Die Nashörner ist seltsam und durchaus sonderbar, das steht vollkommen außer Frage. Die Bewohner einer Stadt werden einer nach dem anderen von der Rhinozeritis befallen und verwandeln sich langsam aber sicher in Nashörner. Das Absurde daran ist jedoch nicht nur diese Tatsache an sich, sondern die Reaktionen der Protagonisten darauf. Der Dickhäuter im Raum, beziehungsweise auf der Bühne, wird erst im letzten Drittel tatsächlich angesprochen und hinterfragt. Davor wird in einer Kneipe logisch darüber gefachsimpelt, ob es sich denn um ein oder zwei Nashörner handelt, ob diese über ein Horn oder zwei verfügen, ob sie aus Afrika oder Indien stammen; die juristischen Aspekte werden diskutiert und auch die Presse fragt sich, wie sie mit diesen vermeintlichen Fake-News am besten umgehen soll.

Zu Beginn spielt der Alkohol eine große Rolle. Er ist Streitpunkt zwischen Arbeitskollegen, er spendet Trost, nachdem ein Nashorn die Katze Muschi zertrampelt hat, und er regt die Diskussion darüber an, ob Sokrates wegen seiner zwei Beine vielleicht selbst eine Katze war. Es lässt sich sogar darüber streiten, ob der Alkohol nicht das einzige Mittel gegen die Rhinozeritis ist, da Herr Behringer, der gerne mal dem Alkohol frönt, bis zuletzt nicht zum Nashorn wird.

Kaleidoskop des Terrors

von Sophia Klopf (6. Mai 2017)

 

© Marion Bührle

 

Der Linienflug 149 der British Airways wurde 1990 kurz vor dem Start in Kuwait durch irakische Soldaten aufgehalten, die die Stadt invadierten. Das Flugzeug wurde auf der Landebahn aufgehalten und durfte nicht abheben. Die Insassen des Flugzeugs mussten den Flieger verlassen und ein Martyrium erdulden, das bestimmt war von Ungewissheit, Folter und vor allem Unfreiheit. Immer noch umgibt dieses Ereignis ein Netz von Fragen: Warum war dieses Flugzeug als einziges noch am Flughafen, obwohl die irakische Invasion schon angekündigt war? Warum hielt die Regierung sich so zurück, wo doch Leute in Not waren? Und am wichtigsten: Wie kann man als Teilnehmer solch eines Ereignisses mit so einer Erfahrung fertig werden? Das Theater Nürnberg versucht sich an einer Antwort und tauchte mit der Premiere des Stückes Black Box 149 von Christian Papke am 18. März ein in das Kuwait am Anfang des Golfkrieges.

Terror und Krieg sind Themen, die schwer zu erfassen sind, erst recht auf der Bühne. Das Stück zeigt in einer Reihe von Szenen, dass es auch bei solchen negativen Aspekten Hell und Dunkel gibt. Es geht um zwei Figuren, den »Man« und den Piloten. Der Pilot ist einer der Insassen des zuvor genannten Flugzeugs. Er ist im ersten Drittel des Stückes alleine auf der Bühne. Er wartet schon auf die Zuschauer, die die dunkle BlueBox (die ironischerweise aber trotzdem schwarz ist) betreten. Der Raum wird heller als seine Erzählungen fortschreiten. Auslöser für seine schmerzlichen Erinnerungen ist seine Tochter, die er in Gefahr wähnt und nicht beschützen kann, so wie es ihm in Kuwait ergangen ist. Als Pilot des Flugzeuges nahm er die Führung der Passagiere in die Hand, kümmerte sich, leitete. Dennoch gelang es ihm nicht, alle Leute aus dieser schwierigen Situation hinauszumanövrieren. Heimo Essl zeigt uns hier alle seine Facetten: Manchmal sitzt er auf der Bühne auf dem Stuhl da, versucht sich zu erinnern, wird ganz ruhig und zerbrechlich, an anderen Stellen läuft er umher, ist aufgebracht, sogar wütend, da er keine Handlungsmöglichkeiten hat. An einigen Punkten des Stückes befindet er sich neben, vor und hinter den Zuschauern, was eine bemerkenswerte Dichte schafft.

Eine nette Familie, muss ich sagen

von Christian Eschenfelder (29. März 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Anna Fierling ist Marketenderin. Sie macht Profit mit dem Krieg und ist, seitdem sie einmal 50 Brote heil ins belagerte Riga brachte, um diese zu verkaufen, bevor sie verschimmelten, als Mutter Courage bekannt. Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder handelt von einer Frau und ihren drei Kindern, die während des Dreißigjährigen Kriegs aus Geschäftsgründen mit ihrem Planwagen durch das Kriegsgebiet ziehen, und mit allem handeln, was sich im damaligen Skandinavien finden ließ.

Ein Planwagen voller Krempel, ihre stumme Tochter Kattrin und ihre Söhne Eilif und Schweizerkas, mehr kann Mutter Courage nicht ihr Eigen nennen, als sie durch das Skandinavien des Dreißigjährigen Kriegs zieht. Ihr Hauptziel ist es, zu handeln, denn im Krieg lohnt es sich zu handeln; Soldaten brauchen Schnaps und gegen die Kälte braucht man Pelze. Zusätzlich hat sie es sich zur Hauptaufgabe gemacht, ihre Kinder vom Krieg fernzuhalten, denn vom »Soldatenvolk« hält sie nicht viel.