My one regret in life is that I’m not someone else

von Friederike Klett (10. Juli 2017)

 

© Walter Lorenz

 

Vielleicht war der Kinofilm ja die wichtigste kulturelle Revolution des 20. Jahrhunderts, und vielleicht ist er nur Literatur mit anderen Mitteln. Fest steht aber die atemberaubende Evolution des Filmes selbst. Die technischen Möglichkeiten haben sich seit seinem Anbeginn in rasender Geschwindigkeit entwickelt und auch die Art und Weise, wie im Film gespielt wird, wurde immer lebensnaher, natürlicher und ehrlicher, wie die verfilmten Geschichten immer komischer, tragischer und menschlicher wurden. Wenn wir Film »Literatur« nennen, dann war sie noch nie so populär und verfügbar wie heute, noch nie so unüberschaubar in Sub- und Subsubsubgenres aufgesplittert, so qualitativ hochwertig und so niveaulos. Trotzdem können auch wir jungen YouTube- und Netflix-Jünger uns nicht dem unbestechlichen Charme eines herrlich überspielten Schwarz-Weiß-Filmes entziehen, auch wenn er aus den 80ern stammt.

Das TiG-Theaterensemble hat Woody Allens KomödieThe Purple Rose of Cairo in einer Inszenierung von Nina Lorenz auf die Bühne gebracht und damit etwas geschafft, was nur selten gelingt – ein modernes Medium in ein klassischeres zu übersetzen, und damit sogar die allein schon reichhaltige Geschichte zu erweitern. Im Film sind Dinge möglich, die auf einer Bühne nicht erzählt werden können oder erst verschlüsselt werden müssen. An dem Abend im Kino Odeon war davon zum Glück nichts zu spüren.

»Hier hat der Himmel seine Hand im Spiel gehabt.«

von Lisa Strauß und Florian Grobbel (5. Juli 2017)

 

© Martin Kaufhold

Bei anhaltendem Regen venezianischen Charme zu erschaffen, ist gar nicht so einfach. Das Ensemble des ETA-Hoffmann-Theaters stellte sich dieser Herausforderung bei der Premiere der diesjährigen Calderón-Spiele. Gezeigt wurde Carlo Goldonis Der Diener zweier Herren in der Inszenierung von Susi Weber. Nicht in Klein-Venedig, sondern wie gewohnt in der alten Hofhaltung, brachte das Bühnenbild italienisches Flair ins verregnete Bamberg. Ausstaffiert mit Regencapes, folgten wir dieser heitere Verwechslungskomödie in den Süden.

Eigentlich scheint alles geregelt mit der Verlobung von Silvio Lombardi und Clarice Pantalone. Sowohl sie, als auch ihre Väter sind zufrieden. Es könnte schöner nicht sein, aber wie das Leben eben so spielt, wird die Harmonie jäh gestört. Truffaldino, der Diener des totgeglaubten Federigo Rasponi, taucht plötzlich im Haus des Brautvaters auf und sorgt für Furore: Ursprünglich sollte der reiche Rasponi Clarice zur Frau nehmen. Diese vergisst sich, angesichts der Hiobsbotschaft, völlig und kann es nicht fassen. Erst als Federigo zur Tür hereintritt, nimmt ihr Schreckensbild Gestalt an. Nur die Wirtin des hiesigen Gasthofes erkennt, dass es sich nicht um den Herren, sondern um seine Schwester Beatrice handelt, die in dessen Kleidern in die Stadt kam. Gegen eine angemessene Belohnung gelobt sie Stillschweigen.

Entweder man stand auf der Seite der Nazis oder nicht

von Christian Eschenfelder (31. Mai 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Am 19. Mai fand im ETA Hoffmann Theater die deutsche Erstaufführung von Tena Štivičićs Stück Drei Winter statt. Das Stück spielt an drei Abenden in Zagreb – 1945, 1990 und 2011. Jedes dieser Jahre hatte für Kroatien eine große Bedeutung; 1945 das Ende des zweiten Weltkriegs, 1990 der Zusammenbruch des Ostblocks und 2011 der Eintritt in die EU, und mit jedem Jahr standen grundlegende Veränderungen in der Lebensweise und der politischen und gesellschaftlichen Führung des Landes bevor.

Im Mittelpunkt des Stücks steht die Familie Kos, deren Familienoberhaupt Rose Ende des Zweiten Weltkriegs eine Wohnung in einem Haus zugewiesen bekommt, in das sie mit ihrem Mann und ihrer Mutter zieht. Die Seite, für die Roses Mann in den Krieg gezogen ist, ist die gewesen, die verloren hat. Der Faschismus wird in Kroatien nunmehr als fragwürdig geahndet, weswegen der Mann seine Werte und Überzeugungen schon bald überdenken muss, die Fotos, auf denen er Uniform getragen hat, verbrennt und sich einem Leben zuwendet, das konformer mit den Werten des Ostblocks ist. Auch 1990 und 2011 standen gesellschaftliche und politische Veränderungen in Kroatien bevor und wieder müssen die Familienmitglieder ihre Überzeugungen und Werte neu überdenken.

Star Wars – Der Krieg der Verse

von Christian Eschenfelder (28. Mai 2017)

 

© Denis Meyer

 

Am vierten Mai haben die Jungs und Mädels vom Wildwuchs Theater zum ersten Mal William Shakespeares Star Wars zum Besten gegeben. Dieses Drama, das der Feder von Ian Doescher entsprungen ist, ist die in Versform umgewandelte Version von Star Wars. Wieso diese funktioniert, ist klar, denn Star Wars verfügt über eine Reihe von Charakteren, die auch den epischen Geschichten Shakespeares hätten entspringen können: Der Mentor, der böse Lord, die gefangene Prinzessin und der junge Held, der sich auf die weite Reise begibt, um sie zu retten. Viele Helden aus dem Star Wars Universum erinnern an die aus Othello, Hamlet und Co. und wenn die sich so gut auf der Theaterbühne machen, wieso dann nicht auch George Lucas‘ Gedankensprösslinge aus einer weit, weit entfernten Galaxie?

Star Wars – das ist seit Jahrzehnten eine mediale Institution, nicht nur die Filme, auch die Bücher und Videospiele, und nun ebenfalls das Theater in Bamberg. Die Erwartungen der Gäste waren selbstverständlich enorm hoch; nicht nur wegen der umfangreichen Werbung, die im Vorfeld für das Stück betrieben wurde, sondern auch, weil es sich schlicht und ergreifend um Star Wars handelte.

Zwischen Opulenz und Niedergang

von Sophia Klopf (22. Mai 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Eingebettet in Blut, Staub und Nebel konnte man im ETA Hoffmann Theater am Freitag, den 12. Mai, die Premiere des antiken Klassikers »Antigone« von Sophokles, inszeniert von Mizgin Bilmen, bestaunen. Diese griechische Tragödie setzt nach der Schlacht um die Stadt Theben ein, die zwischen den Brüdern Eteokles und Polyneikes bestritten wurde, die beide in der Schlacht fielen. Während Eteokles, der ehemalige Herrscher des Stadtstaats, eine feierliche Beerdigung erhält, gilt Polyneikes als Staatsfeind, dem ein ordentliches Begräbnis verweigert wird. Das wird zum Auslöser eines Familiendramas, das nicht nur auf eine Weise fulminant endet.

Antigone, die Schwester der verfeindeten Brüder, möchte Polyneikes eine normale Beerdigung gestatten. Kindlich-naiv und enthusiastisch erzählt sie ihren Plan ihrer phlegmatischen Schwester Ismene, die ihrem Wesen nach das komplette Gegenteil ihrer Schwester ist und an ihre Vernunft appelliert, die Beerdigung doch bleiben zu lassen. Gegen den Willen ihres tyrannischen Onkels Kreon, der jetzt auf dem Thron der Stadt Theben sitzt und sich rein an die Gesetze des Staatstaates hält, nimmt sie die Beerdigung trotzdem vor. Doch Kreon verurteilt sie stark und droht ihr mit der Todesstrafe. Selbst die Tatsache, dass sie die Verlobte seines Sohnes Haimon ist, lässt Kreon nicht von seiner harten Strafe zurückschrecken. Schließlich bekommt sie sogar den schlimmsten aller Tode: Sie wird lebendig in einer Grabkammer eingeschlossen, wo sie sich erhängt. Doch sie nimmt ihre gesamte Familie mit sich. Ihr Verlobter nimmt sich aus Kummer das Leben, dessen Mutter Eurydike kann ebenfalls das Leben ohne ihre Familie nicht mehr ertragen, Ismene stirbt unter mysteriösen Umständen. Nun steht König Kreon alleine da, zerrissen von seiner Entscheidung, die den Niedergang seiner ganzen Familie brachte, aber Thebens Gesetze nicht verletzte.