Gentlemen rauchen nicht
Von Theresa Ehrl (26. Juni 2019)

 

Was in Anbetracht der momentanen Klimadebatten den Anschein macht, als wäre es ein Buch über den Smog in London, ist in Wirklichkeit der neue Fantasy-Roman Smoke von Dan Vyleta.

Ein Roman, in dem Gut und Böse so verschleiert sind, wie der allgegenwärtige Rauch. Der ist wohl definitiv böse. Darauf hat sich das fiktive England des späten 19. Jahrhunderts anscheinend geeinigt. Kein dunkler Gedanke bleibt durch ihn geheim, weil er den Denkenden oder Fühlenden sofort in sich einhüllt oder wabernd graue Schwaden von ihm hochsteigen. Er setzt sich als Ruß an den Kleidern und Körper ab und ist für viele Menschen ein Zeichen von Sünde.

Der (Alb)-traum vom eigenen Café
von Jana Lickteig (13. Juni 2019)

 

In Moritz Netenjakobs Roman Milchschaumschläger geht Daniels und Aylins Abenteuer in die dritte Runde. Nach den beiden Vorgängern Macho Man und Der Boss hat Daniel endgültig genug von seinem inspirationslosen Leben als Werbetexter. Da sein Stammlokal schließen muss, ergreift er diese einmalige Chance und verwirklicht seinen Traum – er eröffnet sein eigenes Café.

Mehr oder weniger tatkräftige Unterstützung erhält Daniel bei der Umsetzung seines Plans von seiner Ehefrau Aylin, ihrer türkischen Familie mit immerhin 374 Mitgliedern und natürlich von Mutti, die ehemalige Pächterin des Ladens. Allerdings kommt es, wie es kommen muss: Nach einigen Wochen ist Daniels größtes Problem nicht mehr der Wasserrohrbruch oder die kleineren Auseinandersetzungen mit Aylin, sondern die drohende Zahlungsunfähigkeit…

Liebe in Zeiten von Tinder und Co
von Rebecca Hertlein (13. Juni 2019)

 

 

Eva Illouz geht in ihrem neuen Buch der Frage nach „Warum Liebe endet“. Wie sie selbst sagt, gibt es in unserer Zeit unendlich viele Geschichten darüber, wie Liebe beginnt. Erzählungen über den magischen Moment indem man seinem zukünftigen Seelenverwandten in die Augen sieht und weiß, dass man füreinander bestimmt ist.  Bücher darüber, warum Liebe plötzlich endet, sind bisher eher selten.

Eva Illouz versucht zu erklären, wie Konsum und Unverbindlichkeit darauf Einfluss nehmen, was wir im Scheitern unserer Beziehungen erleben, wie sexuelle Anziehungskraft und Äußerlichkeiten die entscheidenden Auswahlkriterien wurden. Wie Frauen immer mehr zu Objekten wurden, wie vor allem in sexueller Hinsicht geradezu „Verträge eingegangen werden. In Interviews zeigt sie auf, aus welchen Gründen wir uns von Menschen trennen, die wir vor nicht allzu langer Zeit zutiefst geliebt haben. Auch Dating Apps wie Tinder und Co werden genau analysiert: wie der angestrebte „Gelegenheitssex“ häufig dazu führt, noch verwirrter, orientierungsloser und voller Bindungsangst zurückzubleiben. Letztendlich ist dieses Veräußerlichen jedoch genau das Paradoxe, denn letztendlich ist es immer das Innere und nie das Äußere, das zu einer Trennung oder Scheidung führt

Klimawandel mal anders
von Rebecca Hertlein (12. Juni 2019)

 

 

In Jasper Ffordes neuem Roman „Eiswelt“ ist das Gegenteil unserer heutigen Zeit der Fall: Die Welt wird nicht immer wärmer, sondern immer kälter. Die Auswirkungen sind deshalb jedoch nicht weniger verheerend. Es herrscht Klimawandel und die Welt wird jedes Jahr kälter. Im Versuch, diese Entwicklung aufzuhalten, gibt es für Länder mit besonders hohem Emissionsausstoß- anders als bei uns- keine Bestrafungen, sondern Vergütungen. 

Menschen müssen Winterschlaf halten und sich davor so viele Kalorien wie nur irgend möglich anfuttern. Je weniger körperliche und geistige Aktivität, desto besser, um unnötigen Energieverbrauch aufzuhalten. Außerdem werden die Menschen wieder behaarter: Es wächst ihnen ein Winterpelz. Diese Welt scheint ganz anders von unserer heutigen Welt zu sein, und dennoch finden sich viele Parallelen.

Hoch hinaus im Wildschwein-Schritt!
von Jasmin Wieland (08. Juni 2019)


Der Traum vom Fliegen. Wer kennt das nicht? Beim Ulmer Spatzen angefangen, über den Zeppelin bis hin zum Flugzeug. Fallschirmsprünge, Bungeejumping. Und genau davon träumt auch das kleine Wildschwein. Nachdem es eines Nachts davon träumte auf einer Tannenbaumrakete unterwegs zu sein, geht es ihm nicht mehr aus dem Kopf: das Fliegen.

In gewohnt elterlicher Fürsorge versucht dem kleinen Wildschwein die ganze Rotte den Gedanken aus dem Kopf zu schlagen, doch neugierig und erfinderisch wie es ist, geht das eben nicht einfach. Das Ziel ist klar: Einmal fliegen und dafür holt es sich Rat von anderen Waldtieren. Andrea und Lee D. Böhm erzählen in ihrem Bilderbuch Das kleine Wildschwein und der traumhafte Flug für Kinder ab vier Jahren jene herzergreifende Geschichte und zeigen eindrücklich, wie kleine Kinderbuchhelden schon ganz groß sein können… bzw. hoch hinaus wollen.