Que(e)r durch Europa

von Ines Reckziegel (20. September 2017)

 

 

 

»Am Tag des Aufbruchs zu unserer Cavaliersreise auf den Kontinent erwache ich neben Percy in meinem Bett. Im ersten Augenblick bin ich unsicher, ob wir beieinander oder miteinander geschlafen haben.«

Die Protagonisten Monty und Percy in Mackenzi Lees Jugendbuch Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans kommen beide aus angesehenem englischen Hause und machen sich gemeinsam auf, Europas Festland zu bereisen. Felicity, Montys Schwester, die sie unterwegs in einer Mädchenschule absetzen sollen, ist ihnen dabei ein Dorn im Auge. Während Percy die Zeit und Gelegenheiten nutzt, um sich ein bisschen zu amüsieren und seinen Horizont zu erweitern, schlägt Monty voll über die Stränge und bringt dadurch sich und seine Reisegefährten das ein oder andere Mal in Schwierigkeiten. Als sie dann auch noch überfallen werden und ihr ganzes Gepäck verlieren, ist das Chaos perfekt. 

Voulez-vous coucher avec moi?

von Svenja Zeitler (6. August 2017)

 

 

Die New Yorker Journalistin Emily Witt ist Anfang 30 und steht wieder mal vor dem Ende einer Beziehung. Nun beginnt sie daran zu zweifeln, ob das, sonst so selbstverständlich auf sie zukommende, erfüllende Ende ihres Liebeslebens mit Ehe und Kindern wirklich auch für sie vorgesehen ist. Sie beschließt das alles jetzt selbst in die Hand zu nehmen und ihre Sexualität über ihre gewohnten Grenzen hinaus zu erforschen. In San Francisco stürzt sie sich in zahlreiche Experimente: Von einer neuen Bewegung der Orgasmischen Mediation, über das Eintauchen hinter die Kulissen der Pornoindustrie, bis hin zur Teilnahme am Sex-, Kunst- und Drogenfestival Burning Man. Daraus entsteht das Buch »Future Sex«, in dem sie ihre Erfahrungen mit dem Leser teilt.

Auf ihrer außergewöhnlichen Selbstfindungstour erforscht die abenteuerlustige Frau verschiedene Gebiete, in die auch der Roman thematisch unterteilt ist: Erwartungen, Online-Dating, Orgasmische Meditation, Internetpornografie, Live-Webcams, Polyamorie, Burning Man, Verhütung und Fortpflanzung und schließlich ihr Fazit: Future Sex.

Schlank sein um jeden Preis!

von Laura Dotzauer (9. August 2017)

 

 

 

Schlank sein um jeden Preis! Äsa Ericsdotter treibt in ihrem Roman den Schlankheitswahn der heutigen Zeit auf die Spitze. Als eine makabere Anlehnung an die Judenvernichtung im Dritten Reich soll der Roman schockieren, verleitet aber auch zu dem einen oder anderen ungewollten Schmunzeln. Zur bedrohten Randgruppe gehören in ihrer Welt die, die dem Schönheitsideal nicht entsprechen, stark übergewichtige Menschen, welche aus dem »schönen« Schweden verschwinden sollen … für immer.

Das verschrobene Schönheitsideal sowie die leichte politische Manipulierbarkeit der heutigen Generation kritisiert sie gekonnt, wenn auch ab und zu auf ungewollt komische Weise. So ist eine Magenverkleinerung bei Neugeborenen zwar schockierend aber auch so absurd, dass es schon wieder lächerlich wirkt.

Lost in Berlin

von Maximilian Hetzelein (4. August 2017)

 

 

Kodjo hat ernstzunehmende Schwierigkeiten: Erstens hat der Mann aus Ghana keine Arbeitserlaubnis mehr, denn er ist zweitens, der Buchtitel verrät es, nach einer Scheidung illegal in Deutschland unterwegs. Mit illegalem Aufenthaltsstatus in Berlin leben bedeutet, unsichtbar in der Großstadt zu agieren. Kontakt zur Polizei, rennen oder anderweitig auffallend in Erscheinung zu treten sind Dinge, die Kodjos Lebensumstände zehn Jahre lang nicht dulden; oder duldeten, denn jetzt wird er per Phantombild gesucht und auf der Flucht gelten andere Gesetze.

Seine Gegner sind die Staatsmacht mit klickenden Handschellen, sowie die Schergen einer Sicherheitsfirma. Ihr Auftraggeber ist der Grund für das Dilemma. Als mächtiger Baulöwe möchte er den Mord an einer Prostituierten vertuschen. Tennisspielen ist nun mal schöner als schwedische Gardinen putzen. Und wer eignet sich als Sündenbock besser als ein am Tatort gesehener Schwarzer ohne Aufenthaltsgenehmigung? Folglich nimmt Kodjo die Beweisführung unfreiwillig selbst in die Hand. Eines ist sicher: Auf die Hilfe der Behörden kann er mit seinem Status als Illegaler nicht bauen.

»Hallo, Freak!«

von Florian Grobbel (11. Juli 2017)

 

 

 

Alle lieben Sherlock. Sei es wegen der genialen Idee, einen der größten Romanhelden in die heutige Zeit zu transportieren; den ausgefeilten Drehbüchern oder der Attraktivität von Benedict Cumberbatch. Vom oberflächlichen Mainstream-Gucker bis zum Nerd aus tiefstem Herzen; Sherlock ist ein Dauerbrenner. Jetzt erscheinen die einzelnen Episoden der BBC-Serie als Manga, nach den Drehbüchern von Steven Moffat und Mark Gattis und gezeichnet von Mangaka Jay. Den Anfang macht natürlich Sherlocks und Johns erster Fall Ein Fall von Pink.

Gleich auf der ersten Seite (für die Klugscheißer: »Das ist ja eigentlich die letzte Seite! Heititei!«) wird klar, dass sich der Manga an erfahrene Sherlockfans richtet, die genau wissen, wie die Geschichte verläuft. In den vier farbigen Panels sieht man einen kurzen Ausschnitt des Finales, in dem John mit offenem Mund auf Sherlock starrt, welcher eine kleine Kapsel zum Mund führt. Anschließend beginnt die gewohnte Erzählweise der Episode. Der aus Afghanistan heimgekehrte John Watson trifft in London auf einen alten Studienfreund. Dieser leitet ihn an einen Bekannten weiter, der wie John gerade auf der Suche nach einer Wohnung ist. In einer Leichenhalle trifft Watson dann erstmals auf den »hochfunktionalen Soziopathen« Sherlock Holmes, der gerade ein Experiment mit einer Leiche und einer Reitgerte abgeschlossen hat. Nach nur fünf Minuten Konversation weiß Sherlock scheinbar alles über John und fragt ihn, ob sie sich eine Wohnung in der Baker Street 221b teilen wollen. Während der Besichtigung des Appartements kreuzt Scotland Yard auf und bittet Sherlock um Mithilfe. Eine Reihe von drei Selbstmorden beschäftigt die Polizei. Die Opfer haben keine weiteren Gemeinsamkeiten, außer dass sie exakt das gleiche Gift genommen haben und an Orten starben, die für sie untypisch sind. Man spricht von »Serienselbstmorden«. Jetzt ist ein viertes Opfer aufgetaucht, zu dem Sherlock und John nun von Inspektor Lestrade geführt werden. Nur durch ein paar kurze Blicke erkennt Holmes, dass es sich bei dem ganz in pink gekleideten Opfer um eine Nicht-Londonerin handelt, die gerade erst in die Stadt gekommen ist, einen Koffer dabeihatte und eine Person namens Rachel kennt. Nach weiteren genialen Schlussfolgerungen und einer Verfolgungsjagd enttarnt Sherlock schließlich den Mörder und steigt bereitwillig zu ihm ins Auto. Es folgt die eingangs gezeigte Szene, in der sich Sherlock auf das Spiel des Mörders einlässt und eine von zwei Pillen wählt, die ihn möglicherweise umbringen könnte.