Koschetschka lebt immer noch

Von Hannah Deininger (3. Oktober 2021)


Noch ein letztes Mal begleiteen wir Carolin, die jetzt nicht mehr Bauer, sondern König heißt, bei ihrer Flucht vor dem Karpin-Clan, die eigentlich mehr ein Angriff geworden ist. Im dritten und letzten Teil der Thriller-Trilogie Vanitas – Rot wie Feuer agiert die Blumenhändlerin in Frankfurt – dem Hauptstandort der Karpins. Spannend bis zur letzten Seite beschreibt Ursula Poznanski erneut den Kampf von Carolin um ihr Leben. Nachdem die Karpins sie nun auch in Wien aufgespürt haben und jetzt im Clan bekannt ist, dass sie offensichtlich nicht die ewige Ruhe genießt, beschließt Carolin, dass sie sich nicht ihr Leben lang verstecken kann und möchte. Sie begibt sich also direkt unter die Nase der Karpins und will die Sache endlich beenden. Und dafür entwickelt sie einen Plan am Abgrund des Wahnsinns.

Von Vergebung und Aufeinanderzugehen

Von Hannah Deininger (17. August 2021)


Smadar ist 13 Jahre alt und mit Freundinnen in der Stadt unterwegs, als sie 1997 von palästinensischen Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt wird. Zehn Jahre später wird die zehnjährige Abir durch ein Gummigeschoss, abgefeuert von einem israelischen Grenzpolizisten, getötet, als sie sich in der Schulpause Süßigkeiten kauft. Beide Mädchen sind geliebte Kinder, beide sterben sinnlos im Nahostkonflikt. Dieser unbeschreibliche Verlust ihrer Töchter bringt die beiden Männer Bassam Aramin und Rami Elhanan zusammen – der eine Palästinenser, der andere Israeli. Und sie werden Freunde, die unablässig die Geschichte ihrer Töchter erzählen und für Frieden und Vergeben in ihrem gemeinsamen Heimatland kämpfen. Entgegen der durch  die Politik geschürten Angst und Gewalt vor- und gegeneinander, stehen sie für ein Aufeinanderzugehen der beiden Völker. Neben den Lebensgeschichten der beiden Hauptpersonen und ihrer Töchter, lässt McCann historische Begebenheiten in Palästina/Israel und immer wieder Informationen zu Vögeln einfließen. So wird das Buch zu einer bunten Mischung einzelner Textfragmente, die zusammen dennoch ein großes Ganzes ergeben.

Ein bisschen viel Ich und zu wenig Hamburg

Von Jasmin Wieland (17. August 2021)


Hamburg. Sex City. Ein Titel, der trügt. Ja, vieles spielt sich im vor allem für die Reeperbahn bekannten Hamburger Kultbezirk St. Pauli ab, doch Sex steht nicht an erster Stelle. Der Beschreibungstext auf der Buchrückseite verrät mehr über den Inhalt – Schlagwort: Subkultur. Autor Joachim Bessing taucht mit seinem Buch in das subkulturelle Hamburg der Neunzigerjahre ein und lässt es wieder aufleben. Das gelingt ihm, nur leider Gottes verstrickt er sich in den an das „Lebenskapitel“ Hamburg heranführenden und von Hamburg wieder wegführenden Seiten in autobiographisches Palaver, wobei man sich fragt: Geht es für Bessing hier eigentlich darum, Hamburgs Subkultur zu skizzieren oder vielmehr darum, inmitten einer gefühlten Midlife-Crisis ein zwischenzeitliches Lebensfazit zu ziehen? Für Bessing scheint beides eng miteinander verstrickt zu sein.

Die wilden Goldenen Zwanziger

Von Celine Buschbeck (17. August 2021)


Triggerwarnung: Vergewaltigung, Gewalt und derbe Sprache

Berlin 1927- Inmitten des berühmten Bordells „Ritze“ wächst ein kleines achtjähriges Mädchen auf. Hedi lebt Seite an Seite mit ihrer Großmutter Minna, die das Lokal führt, einer Domina und der schönsten Hure Berlins. Dass dadurch einige Probleme entstehen, war fast schon vorprogrammiert. Trotzdem oder gerade wegen ihrer harten Vergangenheit wird Hedwig zu einer Hollywood-Ikone und steht kurz vor ihrer Hinrichtung. Im Gefängnis erzählt sie dann Noah, einem Journalisten der New York Times, die ganze Wahrheit über ihr Leben – und verändert somit die Sicht auf sein eigenes.

Ein lebensveränderndes Buch

Von Lisa-Marie Mines (1. August 2021)


Nicht ganz Autobiografie, nicht ganz Selbsthilfebuch - irgendwo dazwischen befindet sich der neue literarische Erguss von der Bestsellerautorin Glennon Doyle und entwickelt dadurch seinen ganz eigenen Charme.