Taxi, Taxi

von Daniela Roth (15. September 2009)

Eine Taxifahrerin, die sich keine Straßennamen merken kann – das ist Alex, die Protagonistin in Karen Duves Roman Taxi. Außerdem liebt sie Bücher über Affen, sammelt ihr Geld in Kisten und ist völlig lebensuntüchtig. Den Job als Taxifahrerin hat sie auch nur deshalb bekommen, weil das Unternehmen wirklich jeden nimmt und der Prüfer ein Auge zugedrückt hat. Nun findet sie sich einem Kreis egozentrischer Männer wieder, der sich aus Machos, Studienabbrechern, glücklosen Künstlern und frauenfeindlichen Philosophen zusammensetzt. Alex wird immer mehr in einen Strudel der Lethargie hineingezogen, in dem sie sich selbst zu verlieren droht.

Karen Duves Roman ist trotz der hoffnungslosen Grundstimmung herrlich witzig und packend. Die Handlung ist episodenhaft und hat keinen klassischen Spannungsbogen, deshalb wirkt sie gegen Ende etwas monoton. Doch genau die andauernde Wiederholung des trostlosen Alltags, der in ihrer Depression gefangenen Protagonistin Alex macht den Charme dieses Buches aus. Man kann den Roman kaum aus der Hand legen, da Duve es versteht, mit ihrem lakonischen Ton den Leser völlig in den Bann zu ziehen. Die Welt der Taxifahrer wird authentisch dargestellt, was wohl daran liegt, dass Karen Duve selbst als Taxifahrerin gearbeitet hat und dadurch über Insiderwissen verfügt.

Unbarmherzig und schonungslos bietet sie einen Einblick in die Welt der gescheiterten Existenzen und die Welt der schönen, klugen aber völlig hilflosen Alex, die zielsicher an Menschen gerät, die sie schlecht behandeln. Nach der Lektüre dieses Romans kann man eines auf keinen Fall mehr: unbeschwert Taxi fahren! Denn die Dinge, die man über Fahrer und über deren Sicht auf die Kundschaft erfährt, lassen einen nie mehr los!


Taxi
Karen Duve
Eichborn 2008
313 Seiten
19,95 Euro