Weltrettung leicht gemacht! – Markus Orths Apokalypse für Anfänger

von Tina Betz (28. Mai 2015)

 

 

Aus dem Jahr 2525 (525 Jahre nach Omega) stammt sie – die Parodie aus der Zukunft, die den Zeitreisenden Elias Zimmermann in unsere heutige Gegenwart führt. In Markus Orths Alpha und Omega – Apokalypse für Anfänger steht die Welt mal wieder kurz vor ihrem Untergang und braucht dringend einen Helden, der den heranrasenden Meteoriten im letzten Moment aufhalten kann. Was läge da näher als sich die letzte Rettung der Welt noch einmal anzusehen und die Heldin von damals – Omega Sybille Zacharias – genau unter die Lupe zu nehmen. Elias reist in das Jahr 2000 und begleitet Omega, ihre Familie und Freunde bis zur Weltrettung vor einem bedrohlich wachsenden schwarzen Loch. So hofft er die Welt im Jahr 2525 in letzter Sekunde mit dem gewonnen Wissen vor dem drohenden Untergang zu bewahren.

Als Phantom schwebt der Erzähler Elias über dem Geschehen und lernt, während er Omega auf ihrem Weg begleitet, unser Zeitalter der »Barbaren« besser kennen, als ihm lieb ist. Dabei lässt Elias immer wieder Wissen aus der Zeit vor Omega einfließen, das er sich lesend vor seiner Zeitreise angeeignet hat, sowie physikalisches Fachwissen über das Phänomen »Schwarzes Loch«. Der Leser begleitet zusammen mit dem körperlosen Elias Zimmermann nicht nur Omega, sondern auch deren Umfeld, das aus zahlreichen detailreichen und einzigartigen Charakteren besteht. Gusto, Omegas Adoptiv-Großvater und zweite heimliche Hauptfigur, sticht immer wieder heraus, bringt den Leser zum Schmunzeln und treibt die anderen Figuren mit seinen teils wahnwitzigen, teils grandiosen Ideen an den Rand der Verzweiflung. Ebenso ungewöhnlich sind die anderen Charaktere, die von einem schwerreichen Unternehmer mit 720 Identitäten, über eine sexsüchtige Teilchenphysikerin bis hin zu einem schwulen buddhistischen Mönch aus Nepal reichen. Nach dem »small world phenomenon« treffen die Figuren immer wieder aufeinander und agieren miteinander. Sie hängen untrennbar zusammen und stellen auf dem Weg zur Rettung der Welt notwendige Puzzlestücke dar, die am Ende ihren jeweiligen Platz finden.

 

Der Leser begibt sich mit Erzähler Elias und den Figuren des Romans auf eine abenteuerliche und fesselnde Reise durch Raum und Zeit. Markus Orths verbindet Philosophie, Wissenschaft und Parodie, dabei fordert er den Leser auf loszulassen und sich ganz auf ein spektakuläres Abenteuer einzulassen. Weder Politik, Finanzwesen noch Religion, allen voran die katholische Kirche bleiben verschont. Gerade letztere und der Trinitätsgedanke finden Eingang in das Werk Orths. Elias geht als schwebender unsichtbarer allgegenwärtiger Vater, Omega als Jesus-Gestalt, die über außergewöhnliche Fähigkeiten und Charisma verfügt und ihr Husky Escher als Mittlergestalt und Heiliger Geist in den Roman ein. Selbst die Zeitrechnung passt sich an Omega an und so stammt Elias Zimmermann aus dem Jahr 525 nach Omega. Dennoch geht die beißende Satire dabei nicht mit einem erhobenen Zeigefinger einher, sondern findet in der Perspektive eines Zeitreisenden statt, dem die bestehenden Verhältnisse altertümlich und überholt erscheinen. Orths spielt dabei mit einer deutlichen und ungeschminkten Sprache, die nicht nur die Charaktere mit Leben erfüllt, sondern Nähe zwischen dem Erzähler Elias und dem Leser entstehen lässt. Orths spielt mit Sprache und wirft dem Leser mit Vergnügen Kalauer entgegen: »(…) am ehesten jener Georg Wilhelm Friedrich Hegel (…) oder war es der Flegel Schlegel (…)«. Die zufällige Fügung und Begegnung der Figuren prägen den Roman und steigern sich bis an die Grenze der Glaubwürdigkeit. Doch gerade durch das An-die-Spitze Treiben und die Überzeichnung von Ereignissen, Figuren, Sprache und der unglaublichen Fügung entsteht diese fesselnde Reise, die vom Leser ein Loslassen und Eintauchen fordert. Orths arbeitet nicht nur mit den Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sondern mit zahlreichen Figuren. Diese tauchen nie aus dem Nichts auf, sondern bringen immer eine eigene Herkunftsgeschichte mit sich. Trotz vieler Erzählstränge gelingt es dem Roman, diese schlussendlich zu Ende zu führen, keine der Figuren bleibt offen, alle haben ihren Ausgangs- und Endpunkt. Während der Geschichte verflechten sich die einzelnen Schicksale, erhalten jedoch jeweils ein individuelles zur Figur passendes Ende.

Markus Orths parodistischer Roman zeichnet sich nicht nur durch satirische Sprachspiele und eine Flut aus vielfältigen Ideen und unerwarteten Verbindungen aus, sondern zu gleichen Teilen durch Humor und eine unverstellte und originelle Sprache, die lautes Lachen garantiert. Er fordert aber auch einen unvoreingenommen und offenen Leser, der für ein vom Zufall geprägtes Abenteuer bereit ist.

Markus Orths: Alpha & Omega – Apokalypse für Anfänger
Schöffling & Co 2014
524 Seiten
24,95 Euro