Roadtrip mit dem Tod

von Marlene Hartmann (17. November 2015)

 

Was macht man, wenn es an der Tür klingelt und der Tod auf einmal vor einem steht, um zu verkünden, dass man nur noch drei Minuten zu leben hat? Was passiert, wenn es zum zweiten Mal klingelt und die eigene Ex-Freundin den Tod bei der Arbeit stört? Und was geschieht, wenn diese kleine ungewöhnliche Gruppe gemeinsam zu einer Reise aufbricht, auf der sich der Tod einem Widersacher stellen muss? All diese Fragen hat Thees Uhlmann in seinem Debütroman Sophia, der Tod und ich zu einer außergewöhnlichen und lebensbejahenden Geschichte verknüpft.

Den ehemaligen Tomte-Sänger und Solokünstler kennt man eigentlich nur mit Gitarre auf der Bühne stehend, wo er unvergleichlich authentisch Geschichten aus seinem und dem Leben anderer erzählt. Und nun beweist er, dass er das auch ohne Musik beherrscht: Sophia, der Tod und ich lebt von kleinen Anekdoten, der uhlmannschen Echtheit und Beobachtungsgabe und schafft es, mit dem Thema Tod bemerkenswert unbeschwert umzugehen. Denn der Tod ist keineswegs ein unangenehmer Zeitgenosse – ganz im Gegenteil: äußerlich zwar ein erwachsener Mann, entdeckt er mit einer kindlichen Freude und Neugierde die Menschenwelt zum ersten Mal. Dies führt auf der gemeinsamen Reise, auf die sich die drei Hauptfiguren begeben, zu gleichermaßen absurden und komischen Szenen, die den Leser stets zum Schmunzeln bringen.

Der fast ehrgeizlose und doch sympathische Protagonist wird während der letzten Tage seines Lebens ständig mit seiner Vergangenheit konfrontiert: seine energische und bodenständige Ex-Freundin Sophia begleitet ihn auf dem Weg zu seinem Elternhaus, um gemeinsam mit seiner hugenottisch veranlagten Mutter zu seinem Sohn aufzubrechen. Diesen will er ein letztes Mal nach Jahren der Trennung sehen, bevor er schließlich den Tod begleiten muss, und erzählt dabei von erinnerungswürdigen Momenten seines Lebens.

»Wo stand ich eigentlich gerade noch mal? Irgendwo zwischen Leben und Tod. Irgendwo zwischen mir und dieser komischen und kosmischen Verantwortung, die ich plötzlich für andere Menschen trug.« Zu dieser Erkenntnis gelangt der Ich-Erzähler und mit genau dieser Kneipenabend-Philosophie ist Uhlmanns Roman gespickt. Sogar der fulminante Showdown mit Fantasy-Einschlag bleibt bodenständig: Es ist eine runde und kompromisslose Geschichte, deren Witz und Beschwingtheit im Gedächtnis bleiben.

 

Thees Uhlmann
Sophia, der Tod und ich
Kiepenheuer & Witsch 2015
320 Seiten
18,99 Euro