Leben, irgendwie

von Marlene Hartmann (29. Dezember 2017)

 

 

Jung, planlos, depressiv. Das Profil einer ganzen Generation? Es scheint zumindest so, wenn man sich die Romane verschiedenster junger Autor*innen ansieht. So erkennt man dieses gewohnte Muster auch in Svenja Gräfens Debutroman Das Rauschen in unseren Köpfen – eine Geschichte um Liebe, Einsamkeit und Familie, in der man sich so leicht wiederfindet wie verliert.

Lene und Hendrik – es beginnt mit so etwas wie der Liebe auf den ersten Blick, geht über in eine suchtähnliche Beziehung und verläuft sich im Leben der beiden. Sie wohnt mit ihrer besten Freundin zusammen in Berlin, er kam gerade erst aus Hamburg. Ohne viel übereinander zu wissen, stürzen sie sich in ein gemeinsames Leben, das zum einen isoliert von der Außenwelt und zum anderen isoliert voneinander zu sein scheint.  Während man der von Anfang an zum Scheitern verurteilten Beziehung folgt, entfalten sich Familien- und Vergangenheitsgeschichten zu einem umfassenden Porträt zweier Figuren, die kaum unterschiedlicher hätten aufwachsen können, und doch zueinander gefunden haben.

Mit ihrer leichten, poetischen Sprache webt Svenja Gräfen zwei Leben ineinander und kehrt Lenes Innenleben nach außen. Man fühlt sich beinahe unangenehm zuhause, irgendwo in der Planlosigkeit und Willkür des Zwischenmenschlichen und des Lebens im Allgemeinen. Während man sich noch fragt, ob man selbst schon in Lenes und Hendriks Apathie und Hilflosigkeit verfallen ist, wird man daran erinnert, dass das Leben macht, was es will, wenn man es nicht selbst in die Hand nimmt. Das Rauschen in unseren Köpfen hält einem den Spiegel vor, ohne Vorwurf, ohne belehrend zu sein.

 

Svenja Gräfen
Das Rauschen in unseren Köpfen
Ullstein 2017
240 Seiten
16 Euro