Böse Kommentare und fragwürdige Freundschaften

von Sophia Klopf (29.01.2018)

 

 

Was würdest du als anerkannter Gutmensch tun, wenn dir dein ehemaliger (hass)geliebter Buddy in einer Großstadt plötzlich als Obdachloser vor die Augen tritt? John Niven probiert es in seinem neuen Roman Alte Freunde aus.

Alan Grainger hat ein erfülltes Leben. Er ist ein anerkannter Restaurantkritiker, Autor und Journalist mit einer eigenen wöchentlichen Kolumne. Er lebt den feuchten Spießertraum in einem Vorort von London, wo er mit seiner Familie in einem Anwesen wohnt. Geldsorgen sind natürlich ein Fremdwort für ihn. Nach einem Restaurantbesuch in London wird er von einem Obdachlosen angesprochen, der, wie sich herausstellt, ein alter Schul- und Studienfreund von Alan ist. Alan entschließt sich, ihm zu helfen, und bietet Craig an, bei ihm zu wohnen und ihn zu unterstützen, bis er wieder auf eigenen Beinen steht. Während es für Craig steil nach aufwärtsgeht, wird Alan auf einmal vom Pech verfolgt.

So simpel wie die Handlung hier klingt, ist sie leider auch. Durch einige verstreute Andeutungen im Buch wird jede Überraschung vorweggenommen, die man noch haben könnte. Aber sind wir mal ehrlich: Wer liest John Niven primär aufgrund der Handlung? Es ist nach wie vor sein heftiger Humor, seine zynischen Kommentare und sein Sarkasmus, die sein bisheriges Werk auszeichnen und auch vor diesem Roman nicht haltmachen. Lästerschwester Niven hat es in diesem Werk verstärkt auf Kritik an den oberen 10 000 und den gesetzten, privilegierten Familien in ihren Einfamilienhäusern abgesehen.

Niven nutzt die Chance auf eine bittere Bemerkung überall, wo es geht. Wenn Alan im Buch die Zeitung liest und von der übertriebenen Ernährungs- und Lebensweise eines Models erfährt, kann er sich eben nicht verkneifen, sich vorzustellen, sie »in eine KFC-Filiale einzuschließen, wo ihr nur die Wahl zwischen frittiertem Chlorhühnchen und dem Hungertod [bleibt], und sie dort mit vorgehaltener Knarre zu zwingen, sich durch einen riesigen Berg frittierter Pommes zu fressen«. Mit solchen bitteren Gedanken und einer Fülle an Schimpfwörtern muss man auch rechnen.

Als John-Niven-Fan kann ich das Buch jedem empfehlen, der nichts gegen beißenden Humor hat, der sich nicht zurückhält. Man kann mit Alte Freunde einen wunderbaren Tag auf dem Sofa verbringen, dem Geläster zuhören und insgesamt lächelnd zustimmen, ohne dabei Langeweile zu haben.

 

John Niven
Alte Freunde
Heyne Hardcore 2017
352 Seiten
20,00 Euro