Wenn die Angst zum Feind wird

von Ines Reckziegel (12. März 2018)

 

 

»Wer hat dich eigentlich so verkorkst?«, fragt die Angst. [...]
»Na, du.«
»Kann gar nicht sein!« [...] 
»Warum nicht?«
»Ist doch klar: Wenn du normal wärst, wär ich gar nicht da.«

Franziska Seyboldt erzählt in ihrem neuen Buch, der Autobiografie Rattatatam, mein Herz – vom Leben mit der Angst, die Geschichte ihrer Angststörung und wie sie gelernt hat besser damit umzugehen. In kurzen Kapiteln werden einige Schlüsselmomente auf ihrem Weg zur Besserung beleuchtet, die Angst in all ihrer Schönheit und Schrecklichkeit charakterisiert und Situationen im Alltag eines Menschen mit Angststörungen beschrieben. In witzigen, schlagfertigen Dialogen mit ihrer Angst nimmt Franziska Seyboldt einem ein bisschen die Angst vor der Angst und zeigt, dass es Hoffnung gibt und ein, mehr oder weniger, harmonisches Leben mit Angststörungen möglich ist. 

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin ganz ehrlich, schonungslos und amüsant von ihrer Situation berichtet. Sie beschönigt nichts, sondern bringt es so zu Papier wie es eben ist. Jeder, der mit Angststörungen zu kämpfen hat, erkennt bestimmt Teile von sich in diesem Buch wieder und findet Trost, Verständnis und Mut zwischen den Zeilen. Ich empfehle dieses Buch jedem, egal ob man selbst betroffen ist oder Menschen in seinem näheren Umfeld hat denen es so geht. Ein Buch nach dem die Angst nicht mehr so gruselig und erschreckend wirkt und das ein bisschen Heilung schenkt. Denn wie sich auch am Ende von Franziska Seyboldts Autobiografie zeigt, hat auch die Angst vor gewissen Dingen Angst; vor allem davor nicht gewollt, gebraucht oder gemocht zu werden.

»Ich [die Angst] hatte einen schrecklichen Albtraum! [...] Du hast alle möglichen Dinge gemacht. Alltagskram. [...]«
»Aha, [...] und was ist daran so gruselig?«
Die Angst schaut mich vorwurfsvoll an. 
»Na, ich war nicht dabei.«

 

Franziska Seyboldt
Rattatatam, mein Herz – vom Leben mit der Angst
Kiepenheuer & Witsch 2018
256 Seiten
16,99 Euro