Wie Macht verführt

von Rebekka Barta (24. März 2018)

 

 

»Ist es für unschuldige Kinder wirklich so leicht verdorben zu werden?« In seinem neuen Roman Der Junge auf dem Berg beantwortet John Boyne diese Frage und zeigt, wie leicht es wirklich ist.

Mit dem Roman Der Junge im gestreiften Pyjama feierte John Boyne weltweit große Erfolge. In Der Junge auf dem Berg greift er die Dritte Reich Thematik erneut auf und macht deutlich, welche verführerische Wirkung Macht auch schon auf die Jüngsten unter uns ausübt. 

Pierrot wächst in Paris auf und ist ein ganz normaler kleiner Junge. Als sein Vater und später auch seine Mutter sterben ändert sich das jedoch und Pierrot wird aus seinem gewohnten Umfeld gerissen und zu seiner Tante nach Deutschland geholt. Sie arbeitet in einem großen Anwesen als Haushälterin, doch es ist nicht irgendein Anwesen, wie Pierrot schon bald erfahren soll, sondern der Berghof, die Sommerresidenz von Adolf Hitler. 

Anfangs noch sehr unsicher, versucht Pierrot sich anzupassen und bloß keinen Ärger zu machen. Er lernt den Führer kennen und wird schnell in dessen Bann gezogen. Aus Pierrot wird Peter, der sich fasziniert von Hitler zeigt, und zu dessen größten Ziel es wird ein »guter Deutscher« zu sein. 

John Boyne erzählt Pierrots Geschichte in mehreren Zeitabschnitten, sodass der Leser den Jungen beim älter werden begleitet. Boyne lässt einen mit den Augen eines Kindes auf die Ideologie blicken, was gleichermaßen interessant, als auch erschreckend ist. Wie ein Schwamm saugt der Protagonist Hitlers Überzeugungen über Nationalstolz, Krieg und Antisemitismus auf und ist schon bald völlig verändert, sodass man den kleinen Pierrot, den man zu Anfang des Romans kennenlernt, kaum wiedererkennt. Er trifft Entscheidungen und gibt Äußerungen von sich, auf welche hin man sich als Leser nur schütteln kann.

Boyne gelingt es, die Handlung glaubhaft zu erzählen. Pierrots Verhalten und auch seine Gedanken und Reaktionen auf die Geschehnisse, mögen zwar manchmal erschreckend sein, jedoch wirken sie an keiner Stelle unglaubwürdig. Der Schreibstil des Autors ist eher nüchtern und distanziert, trotzdem baut man als Leser eine enge Beziehung zu Pierrot auf, auch wenn man vor allem in der zweiten Hälfte des Romans nur noch den Kopf über ihn schütteln möchte.

Der Junge auf dem Berg zeigt auf erschreckende Weise, welche Wirkung Hitler mit seiner Ideologie, gerade auf die junge Generation hatte.Vor allem regt Boynes neuer Roman aber zum Nachdenken an. Zum Nachdenken über unsere Geschichte und den Machthunger des Menschen.

 

John Boyne
Der Junge auf dem Berg
Aus dem Englischen von Ilse Layer
Fischer 2017
302 Seiten
16,99 Euro