Tod im Artuswald

von Dominik Achtermeier (2. August 2018)

 


 

„Die Korsen, eigentlich wohlgelitten in der Bretagne, hatten für eine prachtvolle Korsika-Werbebroschüre, welche die einzigartige Schönheit der korsischen Mittelmeerküste zeigen sollte, unverfrorenerweise Fotos eines bretonischen Strandes verwendet. [...] Das Mittelmeer warb mit Bildern der Bretagne! Weil bretonische Strände die mediterransten waren!“

Worum gehts?

Ein Betriebsausflug des Kommissariats von Concarneau führt Kommissar Dupin und sein Ermittlerteam in den sagenumwobenen, 7700 Hektar großen Eichenwald von Brocéliande. König Artus, Löwenritter Iwein und viele weitere Helden der mittelalterlichen Epik sollen an diesem Fleckchen Erde zuhause gewesen sein. Für einen Pariser Kollegen will Dupin während des Ausflugs den Artus-Forscher Cadiou aufsuchen und stolpert regelrecht über seine Leiche. Als die Leiche eines weiteren Wissenschaftlers unweit des im Wald gelegenen Brunnens der Laudine gefunden wird und der Verdacht nahe liegt, dass auch ein bereits vor Monaten verstorbener Mediävist gleich wie die beiden anderen Mordopfer in Beziehung zu der just zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Tagung steht, hat man Dupin kurzerhand die Ermittlungen überlassen und der Betriebsausflug ist Geschichte. Die tagenden Wissenschaftler versuchen sich von den Morden unbeeindruckt zu zeigen und doch kommen Verhältnisse untereinander bald zum Vorschein. Auch von dem Großprojekt Cadious Ehefrau, die den Wald in einen Erlebnispark verwandeln will, in welchem Iwein als 3D-Figur bald schon gegen den Schwarzen Ritter kämpfen soll, zeigt sich nicht jeder begeistert und scheint hierfür auch über Leichen zu gehen.

Wie ists gemacht?

Der siebte Kriminalroman der Dupin-Reihe zieht den Leser gleich in seinen Bann, besonders dann, wenn man auch noch für mittelalterliche Helden und mystische Gralslegenden empfänglich ist. Ähnlich wie bei Agatha Christie schon, gibt es in Bannalecs Krimi ein reiches Figurenpersonal, welches zunächst auf den Leser unkontrolliert losgelassen wird und dieser sich Seite um Seite jede einzelne Figur erst einmal erschließen muss. Der Autor weiß darum und schafft es, den Figuren gerecht zu werden, indem er ihr bretonisch-unkonventionelles Erscheinungsbild samt spezifischer Eigenarten gekonnt ausgestaltet. Die Geschichte verläuft labyrinthisch-spannend, wodurch sie sich nicht nur an den räumlichen Begebenheiten des Waldes, sondern auch an der typischen Struktur der Erzählweise mittelalterlicher Ritterdichtung anpasst und immer wieder Querverweise einstreut. Ebenso wie im Iwein, wird Dupin von seiner Freundin eine Frist gesetzt, bis zu der er sich bei ihr wieder einfinden soll.

Was nehme ich mit?

Die Bretagne ist unbedingt eine Reise wert und darauf legt es der Autor in mehrfacher Hinsicht auch an. Detaillierte Ortsbeschreibungen lassen die literarischen Räume des Krimis vor dem inneren Auge erscheinen ebenso wie die beiden Anzeigen zweier Restaurants im Anschluss an die Lektüre – der Krimitourismus lässt grüßen! 

Fazit:

Der deutsche Autor, der sich hinter dem frankophilen Pseudonym verbirgt, weiß zu unterhalten und macht trotz oder gerade eben weil die Mordtaten selbst eher in den Hintergrund rücken Lust auf Spurensuche in der Bretagne und die Relektüre der Artusromane.

Jean-Luc Bannalec
Bretonische Geheimnisse
Kiepenheuer & Witsch 2018
400 Seiten
16 Euro