Zwischen den Welten

von Hannah Deininger (9. August 2018)

 

Die Fangemeinde von Louisa Clark durfte sich dieses Jahr erneut freuen: Mit dem Roman Mein Herz in zwei Welten kam ein weiterer Roman um die junge Frau aus Stortfold heraus. Diesmal wagt sich Lou, deren Radius von Buch zu Buch großer wird, hinaus in die weite Welt – bis über den Atlantik nach New York.

Hier nimmt sie einen Job als Assistentin der jungen Agnes Gopnik aus der Upper Class an. Das Leben in einem Haushalt, in dem so viele Dienstboten ein- und ausgehen, in dem sich das tägliche Leben um andere Probleme dreht und in dem Lou als eine der Dienstbotinnen unsichtbar ist, erschlägt sie zunächst. Nach und nach kommt Lou in New York und ihrem neuen Leben an. An ihren freien Wochenenden erkundet sie immer mehr die Stadt, findet Freunde und schafft sich einen Rahmen, in dem sie mehr als die Assistentin von Mrs. Gopnik ist. Obwohl Agnes stets betont, dass Louisa wie eine Freundin für sie ist, merkt Lou schmerzlich, dass man auf Worte nicht immer viel geben kann. Als Lou am Boden ankommt passiert aber das, was bei Jojo Moyes immer passiert: Das Schicksal ist Louisa gewogen und immer noch mit den Worten von Will (ihre große Liebe aus Band 1) im Herzen, rappelt sie sich wieder auf.

Zunächst handelt es sich bei Mein Herz in zwei Welten um einen klassischen Frauenroman. Die junge Heldin ist mutig und traut sich endlich mal wieder etwas zu, ihre Beziehung leidet, schließlich findet sie die Liebe neu, so weit so gut. Trotz der erstmal nicht sehr spannend wirkenden Rahmenhandlung berührt der Roman den Leser. Die Darstellung der Lebensumstände in einer Familie, in der Geld absolut keine Rolle spielt und die daraus resultierenden Einstellungen gegenüber den Mitmenschen, werden eingehend beschrieben. Darüber hinaus ist es schön zu sehen, wie Lou langsam über den Verlust von Will hinwegkommt und endlich einmal etwas für sich selbst tut. Ein Schmunzeln kann man sich außerdem bei der langsam entstehenden Freundschaft zwischen Lou und der älteren Dame von nebenan nicht verkneifen. Louisa reift in diesem Jahr in New York, lernt viel über sich selbst und das Gefühl des Zuhause-Seins. Denn wie Agnes Gopnik treffend sagt: »Wir Einwanderer fühlen uns hier nie gänzlich zu Hause. Wir stehen zwischen zwei Welten und das wird immer so bleiben.«

 

Jojo Moyes
Mein Herz in zwei Welten
Aus dem Englischen von Karolina Fell
Wunderlich Verlag 2018
589 Seiten
22,95 Euro