Schlüssel zur Vergangenheit 

von Jana Röckelein (28. November 2018)



Nomen est omen. Ein Schlüssel spielt in Marc Raabes Thriller Schlüssel 17 eine Schlüsselrolle. Zwischen düsteren DDR Machenschaften, dem Fund einer Leiche im Berliner Dom sowie einem verloren geglaubten Schlüssel spannt sich ein Netz, das Ermittler Tom Babylon immer mehr in seine Fänge treibt. 

Brutal zugerichtet hängt in der Kuppel des Berliner Doms die Leiche einer bekannten Pfarrerin. An ihren Hals hängt ein silberner Schlüssel mit der Aufschrift 17. Für Ermittler Tom Babylon beginnt mit diesem grausigen Fund ein Wettlauf gegen die Zeit, nicht nur aus Ermittlersicht, denn mit eben diesen Schlüssel verschwand seine jüngere Schwester Viola vor 19 Jahren. Er hat seit Jahrzehnten weder sie noch den Schlüssel gesehen. Viola ist sein wunder Punkt, er sein persönliches Damoklesschwert. Dieser eine kurze Moment am Tatort macht Tom schrittweise zu einem Getriebenen, der zunehmend jedem misstraut, der an den Ermittlungen beteiligt ist. Zu viele eigenartige Begegnungen und kleine Ungereimtheiten tauchen auf.

Kommissar oder Bruder?

Besessen von der Vorstellung endlich eine Spur zu seiner Schwester zu finden, verdrängt er die Ermittlungen zum Mord, vertuscht, lügt und begibt sich auf eigenen Spurensuche – stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Anweisungen befolgt er grundsätzlich nicht und überhaupt tritt er eher wie eine Mischung aus Wild-West-Sheriff und Robin Hood auf. Die Suche nach seiner Schwester hat für ihn vor allem anderen Vorrang, auch vor der Aufklärung des Mordes, in dessen Untersuchung er sich gegen den Willen seines Vorgesetzten drängt. 

Die Geschichte wird in verschiedenen Handlungssträngen und aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die zwar geschickt miteinander verwoben sind, anhand der Vielzahl an vorkommenden Charakteren jedoch zunächst trotzdem verwirren und aus dem Lesefluss reißen. Gekonnt versteht der Autor es jedoch, zur richtigen Zeit neue Puzzleteile ins Spiel zu bringen, sein Geflecht dichter zu weben und den Leser gemeinsam mit Tom in dieser angespannten Atmosphäre zu binden. Bis fast zum Schluss gelingt es dem Leser jedoch nicht, Licht ins Dunkel zu bringen und einen Täter ausfindig zu machen.

Es ist eine der Stärken des Autors, den Leser mit immer neuen Wendungen von der Lösung wegzuführen. Je intensiver man sich in die Geschichte um das immer düster werdende Geheimnis um die Ziffer 17, desto besser kann man sich in die Hauptfigur - Tom Babylon - hineinversetzen. Einerseits Gesetzeshüter und andererseits vorbelastet mit verdrängten Erlebnissen aus seiner Kindheit schwankt der Leser immer mehr zwischen Mitgefühl und dem Bewusstsein die Karten endlich offen auf den Tisch zu legen. Einziger Wehrmutstropfen des Buches ist das Ende, das sehr spontan eingeleitet und leider auch nur kurz abgehandelt wird. Somit bleiben am Ende viele Fragen offen, die es in den Folgebänden zu beantworten gilt.


Marc Raabe
Schlüssel 17
Ullstein Taschenbuch 2018

512 Seiten
15,00 Euro