Krieg zwischen Engeln und Dämonen

von Lisanne Dehnbostel (5. Januar 2019)



Finstere Zeiten stehen bevor: jährlich fallen in den letzten fünf Dezembernächten Dämonen über die Erde her. In diesem Jahr verfolgen sie dabei einen ganz speziellen Plan. Die Dämonen wollen ständige Dunkelheit bringen, damit sie das gesamte Jahr über auf Menschenjagd gehen können. Die Rettung der Menschheit liegt allein an der 17-Jähigen Adriana und dem Halbdämonen Cruz. Sie müssen nicht nur weitere Halbdämonen zur Unterstützung auftreiben, sondern sich zudem mit verschollenen Engeln verbünden. Aber: wie und wo findet man diese?

Die originelle Plotidee von Anna MacKays Jugend-Trilogie Dämonentage bringt frischen Schwung ins Fantasybuchregal. Zwar befinden sich dort bereits einige Bücher über Dämonen, etwa Jennifer L. Armentrouts Reihe Dark Elements, doch die Verknüpfung mit der Engelthematik ist neu. Leider scheitert MacKay an der Umsetzung des ersten Bandes mit zahlreichen Klischees und nichtssagenden Charakteren.

Zwischen dem katastrophalen Chaos rund um die Weltrettung bahnt sich direkt eine Liebesbeziehung zwischen Adriana und Cruz an. Diese entwickelt sich derart schnell, dass sie fast schon lächerlich wirkt. Zunächst schmachtet Adriana das attraktive Äußere des durchtrainierten Halbdämons an, prompt folgt der erste Kuss und nachdem Cruz Adriana das Leben gerettet hat, ist sie ihm natürlich völlig verfallen. Von nun an kann sie sich kein Leben mehr ohne ihn vorstellen. All das geschieht innerhalb von nur fünf Tagen.

Nicht nur die Romanze, auch die Protagonisten sind stereotypisch gestaltet. Cruz wird auf einen sexy (er trägt nichts außer einer Fellweste), mutigen und tapferen Kämpfer reduziert, während Adriana eine naive, verunsicherte und hilfsbedürftige Jugendliche verkörpert. Launisch wechseln ihre Gefühle sprunghaft innerhalb weniger Sätze von unsicher zu entschlossen, von verängstigt zu kämpferisch, von wütend zu zahm. Zwar gibt MacKay kleine Einblicke in die Gefühle und Gedankengänge der Figuren, doch diese bleiben oberflächlich. Es darf nicht vergessen werden, dass es sich bei Dämonentage um ein Jugendbuch handelt – aber auch eine jüngere Zielgruppe ab 14 Jahre dürfte einen höheren Anspruch haben.

Stattdessen wirft die Autorin mit zahlreichen Floskeln und Vergleichen um sich, die überzogen erscheinen und schließlich nur noch nerven. Adriana ist beispielsweise durch die Dämonen „verschreckt […]. Wie Bambi auf Eis“, und geht aufgrund ihrer Sorge um Cruz „gebeugt wie eine trauernde Witwe“. Spannungskiller bilden auch die permanenten Wiederholungen von vorhergegangenen Geschehnissen, bekannten Fakten oder Adrianas Gefühlskarussell. Dadurch wirkt die Handlung stellenweise sehr zäh. Einzig MacKays flüssiger, lockerer Schreibstil motiviert dann zum Weiterlesen. Obwohl die Zeit im Kampf gegen die Dämonen mehr als drängt, halten sich die Jugendlichen mit Nebensächlichkeiten, wie kleinen Streitereien und Eifersucht, auf. Sie entdecken kaum neue Erkenntnisse, kommen kaum in ihrem Plan voran oder scheitern mit neuen Ideen. 

Erst im Finale gelingt der Autorin endlich eine überraschende Wendung, die in einem fesselnden Cliffhanger gipfelt. Immerhin auf den letzten Seiten nutzt MacKay das spannende Potenzial, das im Plot angelegt ist. 

Nina MacKay
Dämonentage
Piper 2018
400 Seiten
14,00 Euro