Kampf um das Überleben in thüringischen Wäldern

von Verena Heber (19. Februar 2019)


Die ehemalige Wanderhure Marie lebt nun friedlich mit ihrem Mann Michel und ihren Kindern auf Burg Kibitzstein. Gemeinsam verwalten sie die dazugehörigen Dörfer. Doch nachdem Michel aufbricht, um König Friedrich im Kampf gegen die Ungarn zu unterstützen, flammen alte Fehden zwischen den Thüringern wieder auf. Marie und ihre Tochter geraten auf einer Feier in einen Hinterhalt und müssen gemeinsam mit der Nonne Ignatia fliehen.

Der historische Roman stammt von einem Autorenehepaar, die unter dem Pseudonym »Iny Lorentz« bekannt sind. Es ist mittlerweile der siebte Band der sehr erfolgreichen Reihe der »Wanderhure«. Einige der ersten Bände, wie auch andere historische Romane von Iny Lorentz, wurden verfilmt, wodurch sie noch bekannter wurden.

Nachdem Michel abgereist ist, bekommt Marie Besuch des Fürstbischofs von Würzburg, der ihnen ihre Rechte streitig machen will. Marie versucht deshalb, Unterstützung bei ihren Nachbaren zu finden. Auch hofft sie, den Streit über die Verlobung ihrer Tochter Trudi lösen zu können und Graf Ernst von Herrenroda auf ihrer Seite zu haben. Doch sie ist sich unsicher, was die Verlobung von Trudi mit dem Sohn des Grafens angeht, denn die geforderte Mitgift ist hoch und Graf Ernst möchte diese schnellstmöglich erhalten. Als Marie der Einladung auf eine abgelegene Burg in Thüringen folgt, geschieht das Undenkbare. Dort angekommen, wird Graf Ernst von Graf Joachim von Herrenstein, während des Gastmahls überfallen. Die Herrensteiner töten sogar Frauen und Kinder. Marie kann sich und ihre Tochter aufgrund eines Zwischenfalls mit Trudis Kleid in einer Kammer verstecken und fliehen. Auf der Flucht durch die Burg stoßen sie auf die schwer verwundete Schwester Ignatia und fliehen gemeinsam. Tagelang kämpfen sie sich durch den Thüringer Wald und gelangen nach einigen Schwierigkeiten in das Lager des Waldgrafen. Jedoch haben die Herrensteiner bemerkt, dass Schwester Ignatia, Marie und Trudi entkommen sind. Ihnen ist besonders wichtig die Nonne zu finden, denn sie ist die Erbin der getöteten Sippe. Nun entflammt auch der Kampf um Schwester Ignatia, denn jeder möchte ein Stück der Grafschaft abbekommen. Zusätzlich möchte der Waldgraf Joachim die Nonne für sich gewinnen.

Immer wieder wird aus verschiedenen Sichtweisen der einzelnen Personen, beziehungsweise  Personengruppen, geschrieben, um auch die Handlungen, die im Hintergrund ablaufen, deutlich zu machen und Spannung zu erzeugen. So wird beschrieben, dass Herrensteiner Männer ein Mädchen töten, welches Ignatia ähnlich sieht, um an das Erbe zu kommen, was jedoch scheitert. Immer wieder wird vom Geschehen in Österreich vom Kampf gegen die Ungarn berichtet, um Maries Mann Michel nicht außer Acht zu lassen. Bei einem Angriff auf die von ihm zugeteilte Burg wird er verletzt. Da niemand in der Lage ist seine Wunde richtig zu verarzten und die Pfeilspitze aus seinem Bein zu holen, macht er sich auf den beschwerlichen Weg nach Hause. Ebenso wird auch von Burg Kibitzstein berichtet, welche durch die Würzburger eingenommen wurde und so unter deren Verwaltung steht.

Die einzige Schwierigkeit des Lesens liegt, darin, dass man mit den Namen der Personen leicht durcheinandergerät. Jedoch findet sich am Ende ein Personenregister, in dem alle Namen, der vorkommenden Personen nachschlagen werden können. Diese sind auch nach verschieden Rubriken, wie beispielsweise »Die Adler zu Kibitzstein« oder »Österreich« geordnet, sodass dem Leser das Zuordnen leichter fällt, da man sehen kann, wer zu welchem Personenkreis gehört.

Außerdem ist es möglich das Buch zu verstehen, wenn man die Bände vorher nicht gelesen hat, da der Roman in sich abgeschlossen ist.

Gelingt es nun Marie und ihrer Tochter aus dem Lager des Waldgrafens zu entkommen? Schaffen sie den Weg zurück nach Kibitzstein? Doch da wäre das nächste Problem, denn die Burg ist von Würzburg besetzt. Gibt es ein Wiedersehen mit Michel? Wer das wissen will, sollte auf jeden Fall »Die Wanderhure und die Nonne« lesen.

Iny Lorentz
Die Wanderhure und die Nonne
Knaur 2018
639 Seiten
19,99 Euro