Schluss mit dem Konventionellen

von Dominik Achtermeier (4. März 2019)

Gleich vorweg: Dieser Krimi erfindet das Genre des Regionalkrimis neu und gewinnt auf einer Tour durch Deutschland rasant an Fahrt. Am Steuer sitzt Tausendsassa Leo Donat, eine privat wie beruflich gescheiterte Existenz, die auf der Suche nach dem nächsten Aushilfsjob, der den Geldbeutel zu füllen vermag, ist.

Seine Therapeutin ist sich beim Anblick des neuerdings selbstberufenen Privatdetektivs sicher, dass Leo seiner Rolle im Leben bislang nicht gefunden haben kann. Das Zitat »Zu Hause konnte Leo tagelang nichts tun, ohne dass ihm langweilig wurde. In diesem Bus war er nach einer Stunde mit den Nerven am Ende« beschreibt ihn als Charakter ziemlich gut.

Viel Humor liegt in der Luft

Auch wenn Leo nicht unbedingt zur Identifikationsperson taugt – was für diesen Roman ja auch viel zu konventionell wäre – wird er dem Leser von Seite zu Seite sympathischer, gerade wenn ihm die Gegenwart im Vergleich mit seinen Erinnerungen aus vergangenen Tagen selbst wieder zu viel wird. Sein Auftrag, im Namen eines Verlags nach Schweiger, einem verschwundenen Kriminalbuchautoren aus Bayern, sowie dessen Manuskript für die nächste Veröffentlichung zu suchen, führt ihn nicht nur raus aus seiner jointverqualmten Lebenstristesse, sondern lässt ihn regelrecht aufblühen, in den Begegnungen mit Buchhändlern, lesefesten Touristen, die sich als Krimifans entpuppen, und dem weiblichen Geschlecht, in dessen Gesellschaft sich der Protagonist am wohlsten fühlt.

Jens Schäfer schreibt spritzig und nach Fahrplan. Dies mag daran liegen, dass Schäfer nicht nur Romanautor ist, sondern auch Drehbücher für Fernsehkrimis und Theaterstücke schreibt. Wer sich in die Provinz begibt, kommt darin um ist unterm Strich komisch-humorig veranlagt, die grotesken Figuren überzeugen ebenso wie die Story selbst. Ein Abgesang auf den Regio-Krimi ist der Roman jedoch nicht. Auch das Label Kriminalroman verdient die launige Geschichte nicht, denn ein Haufen toter Autoren macht noch keinen Krimi. Dennoch ist es eine Lektüre, die es auf Fahrten mit unpünktlichen Zügen oder schleichenden Fernbussen schafft, dem Leser doch noch ein Schmunzeln aufs Gesicht zu zaubern.

Jens Schäfer
Wer sich in die Provinz begibt, kommt darin um
Ullstein 2018
288 Seiten
10,00 Euro