Wenig Noir, mehr Scandic

von Dominik Achtermeier (am 11. März 2019)

Das Label »Scandic-Noir« ist seit einigen Jahren der Renner in der Unterhaltungslandschaft. Norwegen, Schweden und Dänemark sind die angesagten Länder für die Verbrechen unserer Zeit. Die Ermittler sind meist verschrobene Typen und die Fälle gespickt von nordischer Kühle und falscher Vertrautheit. Frida Gronover liefert mit ihrem neusten Kriminalroman Ein dänisches Verbrechen aber zu viel Urlaubsstimmung.

Die 34-jährige Protagonistin Gitte Madsen ist nicht nur Bestatterin, sondern trägt auch zur Völkerverständigung zwischen Deutschland und Dänemark bei. Sie ist Halbdänin und findet sich nach ihrer Flucht aus dem Münsterland in ihrem neuen Domizil in Süddänemark gleich zurecht. Sie ist ortskundig, kennt Land und Bräuche – nur mit einer Leiche vor der Haustüre hat sie nicht gerechnet.

Mehr und mehr verstrickt sie sich in die Aufklärungsarbeit, wobei sich Gitte dabei ein wenig selbst verliert. Die Gründe ihres Neustarts, die Suche nach dem eseit 20 Jahren verschollenen Vater und ihre Tätigkeit als Bestatterin, werden zu Nebenprodukten, richtet sich ihr Handeln vor allem auf den Fall, den sie mit dem ortsansässigen Kommissar Ole Ansgaard lösen will.

Vom Leben der Dänen

Frida Gronover ist eine solide Erzählerin, die mit großer Sorgfalt Handlungsorte ausgestaltet und das Innenleben ihrer Protagonistin dem Leser einfühlsam begreifbar macht. Ihre Insidersicht ist besonders für diejenigen lohnenswert, die sich für unsere dänischen Nachbarn, ihre Heimat und ihre (Un-)Gewohnheiten interessieren. Eine Kostprobe gefällig? »Im Vergleich zu den Deutschen tranken die Dänen doppelt so viel Kaffee«. Oder: »Die Dänen waren stolz auf ihre Höflichkeit [...]. Man blieb ruhig und höflich, ganz egal, in welcher Situation«.

Die Kriminalgeschichte, wenn man jegliche Ortsbeschreibungen und Kulturstudien mal abzieht, bleibt noch zu romantisch. Das Verbrechen, oder vielmehr die Aufklärungsarbeit, verliert sich in der Bemühung, zwei unterschiedlichen, nicht zu einander passen wollenden Ansprüchen gerecht werden zu müssen. So gelingt weder der Urlaubs- noch der Kriminalroman. Dennoch: Gronover unterhält, jedoch sollte im zweiten Fall für Gitte Madsen zugunsten einer Fokussierung besser auf weitere Dänemark-Anekdoten verzichtet werden.

Frida Gronover
Ein dänisches Verbrechen
Ullstein 2018
320 Seiten
10,00 Euro