Große Gefühle und kleine Ponys

von Franziska Schleicher (27. April 2019)



Wer auf Dorfromantik, Tierarzt-Schwärmereien und den ganz großen Kitsch steht, der sollte sich den Erstlingsroman der jungen deutschen Autorin Lisa Keil auf keinen Fall entgehen lassen. In Bleib doch, wo ich bin muss Kaya, Buchcafé-Besitzerin und Pony-Liebhaberin, ihrer Nichte Milli aus der Patsche helfen. Die hat während ihres Schulpraktikums nämlich ziemlich Mist gebaut und muss sich jetzt vor ihrem Aushilfslehrer verantworten.

Aus Angst vor ihrer Mutter, bittet sie ihre Tante Kaya sich als deren Schwester auszugeben – samt Brille mit viel zu starken Gläsern, durch die Kaya ihre Umwelt (und natürlich den Lehrer) nur schemenhaft erkennt. Wäre kein Problem, würde sie nicht eben jenen Herrn Fries auf dem Dorffest treffen und sich dort in ihn verlieben, während er sie für die Mutter einer Schülerin hält. Da ist das Chaos natürlich vorprogrammiert und wird durch kleine Notlügen, einen besten Freund, der selbst unsterblich in Kaya verliebt ist, und die stete Angst vor dem Dorftratsch nur noch schlimmer.

Herrlich kitschig

Bleib doch, wo ich bin ist eines jener Bücher, die man in einem Rutsch durchlesen kann. Es ist locker geschrieben und macht gute Laune. Natürlich lassen sowohl Handlung als auch Figuren an Tiefgang zu wünschen übrig, aber darüber ist man sich bei solch einem Titel ja meist vorher im Klaren. Die Charaktere sind aber durch die Bank sympathisch und wer selbst aus dem ländlichen Raum kommt, wird sich an die ein oder andere Person aus dem Bekanntenkreis erinnert fühlen. Die Story ist wunderbar kitschig, aber gerade nur bis zu dem Punk, dass man nicht genervt die Augen verdrehen will. Als einzig wirklich störender Aspekt ist zu nennen, dass man als Leser an manchen Stellen des Romans die Zeitsprünge leider nicht mitbekommt; ich musste teilweise sogar zurückblättern aus Angst etwas überlesen und verpasst zu haben. Alles in allem ist Lisa Keil aber ein wirklich schöner Debütroman gelungen – den zweiten Teil, der im nächsten Jahr erscheint, werde ich mir wohl auch zulegen. 

Lisa Keil
Bleib doch, wo ich bin
FISCHER Taschenbuch 2019
352 Seiten
9,99 Euro