Das Ringen um Frieden und um eine nicht gewollte Krone
von Jana Lickteig (19. Mai 2019)

 

 

 

Mit Die Krone der Dunkelheit hat die Autorin Laura Kneidl einen vielversprechenden Auftakt ihrer neuen Fantasysaga geschaffen: Eine unüberwindbare Mauer trennt das Königreich der Menschen, Thobria, und Melidrian, das Herrschaftsgebiet der unsterblichen Fae.

Der brüchige Frieden zwischen den Völkern wird durch ein jahrhundertealtes Abkommen gesichert. Es besagt, dass weder ein Fae einen Fuß nach Thobria setzen noch ein Mensch die mahnende Mauer überschreiten darf. Doch es droht nicht nur Verrat aus den eigenen Reihen, sondern auch Elva, grausame magische Kreaturen, treiben in den Wäldern ihr Unwesen...

In diesem relativ klassisch gehaltenen Setting setzt die Handlung rund um die menschliche Prinzessin Freya ein. Sie macht sich verbotenerweise zusammen mit dem unsterblichen Wächter Larkin nach Melidrian auf, um ihren vor Jahren entführten Zwillingsbruder zu retten. Gleichzeitig bekommt die junge Ceylan ihre langersehnte Chance, endlich Rache an den Elva zu nehmen, die einst ihr ganzes Dorf zerstörten. Dafür kämpft sie trotzig gegen die Widerstände, die sich ihr in den Weg stellen, um eine Wächterin zu werden. Frauen sind nämlich in den Reihen der Wächter, welche die Mauer vor allem gegen Elva sichern, nicht erwünscht. Letztendlich schafft sie es zwar, eine Wächternovizin zu werden, allerdings verweigert sie den Befehl des Field Marshals, sodass sie zur Bestrafung in das ihr verhasste Land der Fae reisen muss, um der Krönung des Fae-Prinzen Kheeran beizuwohnen. Dort laufen dann die verschiedenen Handlungsstränge dramatisch zusammen.

Der Beginn des Romans gestaltet sich etwas holprig, da zu viele (noch unergründliche) verschiedene Handlungsstränge nacheinander erzählt werden. Ein Eintauchen in die Geschichte fällt damit zunächst etwas schwer, aber die Geduld zahlt sich durchaus aus. Allgemein liegt Laura Kneidls Fokus beim Erzählen nicht auf der Handlung. Diese rückt erst mit dem Kampf Ceylans gegen eine Gruppe von Elva sowie mit Freyas Überfahrt in die Nähe von Nihalos stärker in den Vordergrund. Langweilig ist das Buch jedoch nicht, denn sowohl die Charaktere als auch die Welt an sich sind sehr schön detailliert und liebevoll ausgestaltet, was eine stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt.

Für Fans von Fantasyliteratur mag Die Krone der Dunkelheit nicht unbedingt eine völlige Neuheit sein, dafür sind Motive wie die trennende Mauer und die bösartige Königin bereits zu oft in Fantasy-Romanen aufgetaucht. Daneben wirkt der Gender-Aspekt, der etwa in Gestalt eines homosexuellen Fae-Beraters daherkommt, etwas erzwungen. Das mag jedoch Ansichtssache sein. Leider ist gerade auch Prinzessin Freya etwas sehr hilfsbedürftig charakterisiert. Ohne jemals eine Waffe in der Hand gehabt zu haben, wäre ihr Unterfangen in Melidrian ohne den ihr fast schon hörigen Wächter Larkin aussichtslos. Dementgegen wirkt Ceylans Widerborstigkeit an einigen Stellen überzogen. Warum sie das Essen am Hof der Fae verweigert, weil sie diese so sehr hasst, ist nicht ganz nachvollziehbar.

Trotz der kleinen Schwächen, die das Buch auf jeden Fall hat, macht die Aussicht auf den zweiten Band neugierig. Wie werden die Figuren das hinterlassene Chaos wieder ordnen und welche Zukunft hält das Schicksal dem von seiner Gefangenschaft gezeichneten Larkin und dem an einen Schwur gebundenen Mörder Weylin bereit?

 

Laura Kneidl
Die Krone der Dunkelheit
Piper 2018

640 Seiten
15,00 Euro