Der (Alb)-traum vom eigenen Café
von Jana Lickteig (13. Juni 2019)

 

In Moritz Netenjakobs Roman Milchschaumschläger geht Daniels und Aylins Abenteuer in die dritte Runde. Nach den beiden Vorgängern Macho Man und Der Boss hat Daniel endgültig genug von seinem inspirationslosen Leben als Werbetexter. Da sein Stammlokal schließen muss, ergreift er diese einmalige Chance und verwirklicht seinen Traum – er eröffnet sein eigenes Café.

Mehr oder weniger tatkräftige Unterstützung erhält Daniel bei der Umsetzung seines Plans von seiner Ehefrau Aylin, ihrer türkischen Familie mit immerhin 374 Mitgliedern und natürlich von Mutti, die ehemalige Pächterin des Ladens. Allerdings kommt es, wie es kommen muss: Nach einigen Wochen ist Daniels größtes Problem nicht mehr der Wasserrohrbruch oder die kleineren Auseinandersetzungen mit Aylin, sondern die drohende Zahlungsunfähigkeit…

Moritz Netenjakob erzählt mit Milchschaumschläger die Verwirklichung der beruflichen Selbstständigkeit. Dass es bis zur Erfüllung dieses Lebenstraums zu einigen Irrungen und Umwegen kommen kann, versteht sich fast von selbst. Dank seiner sehr humorvollen Erzählweise mit vielen kleinen Anekdoten aus dem Multikulti-Leben der Hauptfigur wird der Roman an keiner Stelle langweilig. Im Gegenteil, mit jeder neuen Katastrophe werden die auftretenden Figuren dem Leser noch ein bisschen sympathischer. Da der Autor selbst eine multikulturelle Familie hat und auch der Traum vom eigenen Café auf eigenen (nervenraubenden) Erfahrungen beruht, wirkt die Geschichte authentisch – schnell merkt man außerdem: Ohne Humor geht’s nicht!

Ich kannte die ersten beiden Bücher rund um Daniel und seiner Traumfrau Aylin nicht, was beim Lesen aber nicht störte, da man auch in Milchschaumschläger nochmals kurzweilig mit den Figuren bekanntgemacht wird und die Handlung logisch aufgebaut ist. Lediglich der Beginn kam mir etwas schleppend vor, diesen Eindruck konnte ich allerdings zum Glück im Verlauf des Romans revidieren. An einigen Stellen war mir der Sprachstil etwas zu umgangssprachlich, der Wasserrohrbruch hätte beispielsweise auch gut mit einigen „Scheiße“-Ausrufen weniger vermittelt werden können. Das ist jedoch mein persönlicher Leseeindruck. Insgesamt ist Milchschaumschläger ein amüsanter, schnell und gut zu lesender Roman, den ich als leichte Lektüre auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

 

Moritz Netenjakob
Milchschaumschläger
Kiepenheuer & Witsch
352 Seiten
14,99 Euro