Über die absolute Wirksamkeit von Satire
von Anna Brodmann (28. Juni 2019)

 

 

Bekannter Weise schrieb Martin Sonneborn seine Diplomarbeit über „Die absolute Wirkungslosigkeit von Satire“. Ohne hinterfragen zu wollen wie er es trotz dieses Wissens ins Europaparlament geschafft hat, muss man nach der Lektüre seines neuen Buches „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“ sagen, dass er sich wohl selbst wiederlegt hat. Satire ist wirksam – wenn auch auf unvorhergesehene Weise.

Martin Sonneborns Bericht über seine aberwitzige Zeit in Brüssel ist das mit Abstand unterhaltsamste, lehrreichste und schockierendste Buch des Jahres. Sein trockener Humor in Verbindung mit seinen witzigen Aktionen (z.B. dem Geldverkauf der PARTEI) und merkwürdigen Begegnungen (z.B. mit Marie Le Pen) sorgten dafür, dass ich das Buch wegen ständiger Lachanfälle nur ungern in der Gegenwart anderer Menschen gelesen habe.

Sie sind faul, faul frech und faul!

Gleichzeitig verpasst er keine Gelegenheit, einige Fakten zur EU und zur Reaktion auf seine Auftritte einfließen zu lassen. Ganz ohne graue Faktenboxen und Lehrbuchstil versteht man die EU und ihre Probleme ein bisschen besser. Und genau das ist das Schockierende: Sobald Sonneborn die Gründe für seine witzigen Aktionen erklärt, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Bei all der Korruption, den unlauteren Einflussnahmen und dem schamlosen Machtmissbrauch der deutschen Regierung fällt es schwer, die Hoffnung in die Menschheit zu bewahren. Doch mit „Aufbruch nach Europa“ kann man sich trösten. Zum einen ist es so gut geschrieben, dass man sich leicht in den Seiten verlieren kann und zum anderen kann man den Humor des Buches nicht annährend genug preisen. Egal wie witziges Sie es sich vorstellen: Es ist besser. Und am Ende des Tages bleibt folgende tröstliche Erkenntnis: Martin Sonneborn ist u.a. dafür verantwortlich, dass eine Resolution zum Schutz der Seenotrettung verabschiedet wurde, die deutschen Gesetze zur Parteienfinanzierung geändert wurden und dass die Rechten Parteien des Europaparlaments in der letzten Legislaturperiode keine Fraktion (mit entsprechend großer Finanzierung) bilden konnten. Und in Anbetracht der Tatsache, dass die PARTEI ihre Stimmen bei der letzten Europawahl verdreifacht hat, gibt es vielleicht doch noch etwas Hoffnung.

Martin Sonneborn
Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament
Kiepenheuer & Witsch 2019
432 Seiten
18,00 Euro