Die Geschichte einer tragischen Flucht

von Janet Ghotoyian (07. August 2019)

 

Ich hatte gehofft, wir können fliegen erzählt die tragische Geschichte des letzten Mauertoten im Jahr 1989. Der Ingenieur Winfried Freudenberg und seine Frau Sabine leben in Ostberlin. Da sie das Leben in der DDR als erdrückend empfinden, fassen sie einen abenteuerlichen Entschluss: In einem selbstgebauten Ballon wollen sie in den Westen fliehen. In einer kalten Nacht bricht das Ehepaar Freudenberg auf, doch der Plan geht anders aus als erhofft. Am nächsten Tag findet die Westberliner Polizei die Leiche des Mannes. Von der Frau fehlt jede Spur.
25 Jahre später wird die Autorin Caroline Labusch auf den wahren Fall aufmerksam. Zusammen mit einem Freund möchte sie anhand von Recherchen herausfinden, was in jener Nacht geschehen ist und eine literarische Aufarbeitung der Begebenheit vornehmen.

Über Sehnsucht, Liebe und Hoffnung

Die Geschichte des Ehepaars Freudenberg liefert einen spannenden Einstieg und zieht den Leser sofort in den Bann. Man begleitet die Autorin auf ihren Recherchen, die sehr detailliert beschrieben werden. Da es sich um einen wahren Fall handelt, werden auch Zeitungsberichte und Ausschnitte aus den Stasi-Akten zitiert, die die Geschichte noch nahbarer machen und dem Leser in Erinnerung rufen, dass all das wirklich geschehen ist. Es werden auch Fotos des Falls gezeigt, die veranschaulichen, wie beispielsweise der Ballon ausgesehen hat. Man spürt hier als Leser, wie gründlich die Autorin recherchiert hat und wie sehr sie von dem Fall fasziniert ist. Auch der packende Erzählstil von Caroline Labusch trägt dazu bei, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Zwar steht die Frage, was in jener Nacht mit Winfried und Sabine Freudenberg geschehen ist, im Fokus, aber es werden auch andere Themen aufgegriffen. So wird zum Beispiel die Liebesgeschichte der beiden erzählt sowie die Laufbahn des Paares in der DDR. Da das häufig über Rückblenden geschieht, wirken diese Stellen besonders gefühlvoll und bringen dem Leser die Charaktere noch näher.
Außerdem wird durch das Verfahren der Rückblenden deutlich, dass hinter dem Fall zwei Menschen stecken, die wie jeder andere auch Träume und Ziele im Leben besitzen – doch das Verfolgen derselben wird Winfried und Sabine Freudenberg durch die damalige politische Situation erschwert.
Das Ende des Buches schließt die rätselhafte Reise perfekt ab und lässt keinerlei Fragen offen. Ich hatte gehofft, wir können fliegen bietet somit eine spannende Geschichte über Sehnsucht, Liebe und die Hoffnung auf ein besseres Leben.


Caroline Labusch
Ich hatte gehofft, wir können fliegen. Die Geschichte einer tragischen Flucht im Frühling 1989
Penguin 2019
304 Seiten
14,00 Euro