Live aus dem Leuchtturm

von Rebekka Barta (04. März 2020)


House Sitting, das Betreuen von Anwesen, deren Besitzer vorübergehend nicht anwesend sind, ist unter Reisenden, die bei den Unterkunftskosten sparen wollen, längst zu einer Art Geheimtipp geworden. Liv Baumgardt, die Protagonistin aus Kira Mohns Liebesroman Show me the Stars, wird aus ganz anderen Gründen zur Housesitterin. Nach einem verpatzten Interview, das sie ihren ersten Job gekostet hat, beschließt sie, für sechs Monate nach Irland zu gehen, um einen stillgelegten Leuchtturm zu sitten – und verliebt sich schon bald nicht nur in das alte Gemäuer und die stürmische Landschaft, sondern auch in den Iren Kjer.

Wild und frei

Die größte Stärke des Romans ist wohl das Setting. Ein einzelner Leuchtturm auf einer einsamen Insel, unweit der Küste von Südirland entfernt – da wird man als Leser oder Leserin glatt ein bisschen neidisch auf die Protagonistin und würde Liv am liebsten in ihrem Leuchtturm besuchen. Gleichzeitig ist es jedoch schade, dass die Landschaftsbeschreibungen weniger ausführlich ausfallen als erhofft. Bei der Kulisse hätte die Autorin an dieser Stelle mehr rausholen können.

Weitaus mehr Zeit hat die Autorin sich für die Beziehung von Liv und Kjer genommen, was bei einem Liebesroman wohl auch nicht verwunderlich ist. Trotzdem fielen auch an dieser Stelle Lücken auf. Wir lernen Kjer bereits bei Livs ersten Schritten auf irischem Boden kennen, denn er holt die Hamburgerin vom Flughafen ab. Liv ist natürlich sofort angetan von ihm. In den nächsten Wochen versorgt sie der Ire auf ihrer einsamen Insel mit Lebensmitteln, fährt sie zurück aufs Festland und hilft bei nervigen Problemen, wie etwa einer klemmenden Haustür. Währenddessen kommen sich die beiden immer näher, doch warum sie das tun, was zu der großen Liebe zwischen Liv und Kjer führt, bleibt unklar. Es passiert einfach und das an vielen Stellen viel zu schnell. Ebenso verhält es sich mit den Handlungen der Protagonistin. Während Liv zu Beginn des Romans doch noch so große Pläne hatte und genau wusste, was sie sich von ihrem Leben erwartet, wirken ihre späteren Entscheidungen schrecklich naiv und nicht durchdacht, sodass man vieles von dem, was sie tut, nur schwer nachvollziehen kann. Auch die Anziehungskraft zwischen den beiden Protagonisten fällt eher mau aus. Sie finden sich offensichtlich nicht ganz schlecht, doch ein wirkliches Prickeln spürt man da nicht.

Dennoch hat der Roman das Zeug zum Unterhalten und überzeugt durch einen angenehm bildhaften Schreibstil. Die Thematik rund um Livs Auszeit ist spannend und lädt zum Nachdenken über Alltagsstress und falsche Prioritätensetzung ein. Die Charaktere, die neben Liv und Kjer auftauchen, sind allesamt liebenswürdig und lassen Neugier auf die beiden Folgebände der Trilogie entstehen, denn darin begegnen wir zwei von ihnen als Protagonisten wieder.


Kira Mohn
Show me the Stars
Kyss 2019
416 Seiten
12,99 Euro