Wir haben einen Deal.

von Paula Heidenfelder (01. April 2020)



Sinking Ships
ist Tami Fischers zweiter New Adult Roman der Fletcher-University-Reihe. In diesem begleiten die LeserInnen Carla und Mitchell, die im vorherigen Band Burning Bridges als Nebencharaktere vorkommen, bei ihrem alltäglichen studentischen Leben, ihren Auseinandersetzungen mit der Familie und gemütlichen Abenden mit Freunden. In dem Roman geht es um das Überwinden von Ängsten und das Zulassen von Schwächen.

"Doch manchmal musste man eben Opfer bringen, wenn man einen Menschen liebte."

Carla Santos hat Angst vor tiefem Wasser, ihre Familienverhältnisse sind kompliziert und ihr persönliches Umfeld könnte bei der kleinsten Schwierigkeit auseinanderbrechen. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Brüder Mateo und Oskar, die sie um jeden Preis beschützen will und baut eine Mauer um sich herum auf, damit ihrer Familie nichts passiert. Gefühle und eine feste Beziehung kommen für sie nicht infrage und schon gar nicht mit dem Überflieger und Good Guy Mitchell Moore. Dessen Familienverhältnisse scheinen perfekt und auch einer Zukunft als Schwimmer steht nichts im Weg. Als es jedoch auf einer Party zu einer prekären Situation kommt und Mitchell von Carlas Angst erfährt, möchte er ihr helfen, diese zu überwinden. Zusammen arbeiten sie daran und obwohl Mitchell seine Gefühle Carla gegenüber nicht verbergen kann, gesteht sich Carla diese nicht ein. Fehlendes Vertrauen, Stolz und Angst halten sie davon ab, ihre Empfindungen zuzulassen. Doch als Carlas Welt durch Probleme mit einem ihrer Brüder bedroht wird, hilft Mitchell ihr ohne zu zögern. Wird Carla der Liebe eine Chance geben?

Sie will sich nicht verlieben. Er hat es schon längst getan.

Mitchell ist ein Gutmensch, der es jedem recht machen möchte, ohne dabei auf sich selbst Rücksicht zu nehmen. Er ist nett, hilfsbereit und ein guter großer Bruder, der sich in die temperamentvolle Carla verliebt. Ihre Schwächen soll niemand kennen und doch wird Mitchell für sie bald zu mehr. Was jetzt erstmal so klingt, als wäre Mitchell der Held und Carla die Jungfrau in Nöten, wird in diesem Buch doch anders aufgegriffen. Der Kern ist zwar z.T. derselbe, jedoch steckt hinter Carlas Äußerem eine starke Persönlichkeit und man entdeckt bei beiden Protagonisten Stärken und Schwächen.

Carla hat mir als Protagonisten gefallen, da sich hinter ihrer taffen Fassade noch viel mehr verbirgt. Ihr Streben gegen ihre eigenen Gefühle und das Ergreifen von Initiativen fand ich sehr erfrischend, da sie sich so von anderen typischen Goodgirls unterscheidet. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass sie sich am Ende doch ihren Freunden öffnet, auch wenn sie über die gesamte Handlung hinweg versucht, ihre Gefühle zu verdrängen. Ihr Problemchen mit Sprichwörtern lockert die Situationen zudem immer wieder auf, wobei dann erstmal selbst überlegt werden muss, wie es eigentlich geht. Wohingegen Mitchell Carla öfter damit aufzieht, ihr aber auch hilft und dabei sowohl charmante als auch unsichere Züge zum Vorschein bringt. Mitchell hat mich ebenfalls überrascht. Er war viel mehr als nur der perfekte Schwiegersohn. Hollister (nur einer seiner Spitznamen) möchte Carla nicht aufgeben, auch wenn diese sich gegen seine Gefühle nach außen hin sträubt. Durch kleine eingearbeitete Details und Charakterzüge entdeckt man viele verschiedene Schichten hinter dem ersten Eindruck.

Die Handlung wird in diesem Band aus den Perspektiven der beiden Protagonisten erzählt. Dadurch kennt man viele verschiedene Facetten und Gedankengänge der Personen, ohne jedoch komplett in die Figur einzutauchen. Wie in Burning Bridges sind es vor allem kleine Eigenarten aus dem alltäglichen Leben wie beispielsweise Mitchells Leidenschaft zu Marvel, die einem die Figuren und Handlungen ans Herz wachsen lassen. Des Weiteren wendet sich dieser New Adult Roman vom oftmals typischen Modell von Goodgirl und Badboy ab und kombiniert bekannte Motive mit neuen. 
Man muss den ersten Band nicht gelesen haben, um die darauffolgende Handlung zu verstehen. Allerdings tauchen die Protagonisten und Nebencharaktere aus Burning Bridges wieder auf und auch über die Hauptfiguren des dritten Teils, Hiding Hurricanes, erfährt man in diesem Teil schon einige kleine Einzelheiten. Deshalb empfehle ich, die Reihe komplett zu lesen, um besser über jede einzelne Figur Bescheid zu wissen.

Bereits mit dem ersten Satz "Schon als Kind hatte ich gewusst, wie ich einmal sterben würde" wird ein anderer Ton als beim vorherigen Band angeschlagen, was die LeserInnen gleich von Anfang an in eine andere Geschichte eintauchen lässt. Kleine Details zu Bands, Büchern und Filmen verschönern das Leseerlebnis. Genauso ist das Cover wunderschön und spiegelt Elemente des Inhaltes wider. Für einen gemütlichen Tag mit einem Buch, das man an einem Tag durchlesen möchte, ist Sinking Ships auf jeden Fall geeignet.

 

Tami Fischer
Sinking Ships
Knaur Verlag 2019
384 Seiten
12,99 Euro