Nimm meine Hand. Und meine Kraft.

von Paula Heidenfelder (20. Juni 2020)


Die roten Schriftrollen ist der erste Teil von Cassandra Clares und Wesley Chus neuer Trilogie Die ältesten Flüche, in der Hexenmeister Magnus Bane und Schattenjäger Alec Lightwood ihre eigene persönliche Geschichte bekommen. Angesetzt im Jahr 2007 während Die Chroniken der Unterwelt – City of Fallen Angels, erzählt dieses Buch die Geschichte vom ersten gemeinsamen Urlaub zwischen Alec und Magnus, der sich in ein chaotisches Abenteuer verwandelt. Dämonen verfolgen die beiden Protagonisten durch Paris, Venedig und Rom. Und das alles nur, weil Magnus vor langer Zeit einen ominösen Dämonenkult gegründet hat… als Scherz.


"Nicht zu vergessen: Wir sind im Urlaub. Carpe Diem. Genieße den Tag, nicht die Dämonenjagd."

Wer ist der Anführer der Blutroten Hand? Ein Kult, der sich der Anbetung und Beschwörung von Dämonen verschrieben und das Leben von zahlreichen Schattenweltlern auf dem Gewissen hat. Mit dieser Frage werden der Hexenmeister Magnus Bane und Schattenjäger Alexander Lightwood konfrontiert. Alles deutet darauf hin, dass Magnus derjenige ist, da er als Gründer des Kults gilt. Leider kann sich dieser, durch sein manipuliertes Gedächtnis, nicht daran erinnern. Magnus wird mit seiner Vergangenheit und Zukunft konfrontiert, ihn plagen Selbstzweifel und vor allem beschäftigt ihn ein Geheimnis, das er vor Alec geheim halten möchte: die wahre Identität seines Vaters, dem er in diesem Band gegenübersteht. Im Gegensatz dazu: Alec, ein junger Schattenjäger, der sich gegen die Konventionen des Schattenjäger-Daseins gestellt hat und seine Liebe zu Magnus über jede seiner vorgegebenen Schattenjäger-Gesetze platziert. In diesem Buch werden ruhige, romantische Szenen zwischen den beiden mit Partys, Kämpfen und Verrat kontrastiert.


"Das Leben war ein Witz. Und die Tatsache, dass sein Leben niemals enden würde, war die schlechte Pointe des Ganzen."

Cassandra Clare und Wesley Chu schreiben eine eigene Trilogie über zwei Charaktere, die in der bekannten Chroniken der Unterwelt-Reihe nicht gänzlich zu Wort gekommen sind. Denn in diesem Band werden endlich Empfindungen und Gedanken von Alec und Magnus genauer definiert und auf eine tiefere Ebene gesetzt. Die LeserInnen können hinter das glamouröse und geheimnisvolle Äußere von Magnus blicken, der mit Schmerz, Kummer und Vertrauensbrüchen zu kämpfen hat. Alecs distanzierte Art wird durchbrochen und seine Gefühle werden den RezipientInnen detailliert offenbart. Resümierend entwickelt sich die Beziehung durch Annäherung sowie Intimität der Protagonisten immer weiter.

Die detailreichen Schilderungen der Handlungen sowie Orte in diesem Buch schmücken Cassandra Clare und Wesley Chu mit philosophischen Zitaten anderer SchriftstellerInnen, aber auch poetischen Ausbrüchen der ProtagonistInnen aus. Beide Übersetzer – Franca Fritz und Heinrich Koop – leisten sehr gute Arbeit bei einem umfangreichen Vokabular sowie den ausgeschmückten und detailgetreuen Beschreibungen von Personen, Kleidung und Setting.

Die Danksagung von Cassandra Clare am Ende des Bandes ist nicht zu vergessen. Hierbei erklärt Clare die Umsetzung und Herausforderung der Thematik LGBTQ+ in den ersten Die Chroniken der Unterwelt-Büchern, die aufgrund dessen nicht in Schulen, Buchmessen und Läden aufgenommen worden sind. Trotzdem schreibt die Autorin mithilfe von Wesley Chu spannend und ausführlich von Alec, Magnus und weiteren LGBTQ+-Charakteren in ihrer neuen Reihe Die ältesten Flüche.


Die roten Schriftrollen
Die ältesten Flüche – Buch Eins
Cassandra Clare, Wesley Chu
Deutsch von Franca Fritz und Heinrich Koop
448 Seiten
Goldmann Verlag 2020
15,00 Euro