Kunstverbrechen – von Hitlers Telefon bis zum Billig-Picasso 

von Anna Brodmann (12. August 2020)


Fast so lang wie es die Menschheit gibt, gibt es auch schon Kunst und Verbrechen. In ihrem gleichnamigen Buch geben Stefan Koldehoff und Tobias Timm einen spannenden Einblick in die Welt der Auktionäre, Fälscher, Geldwäscher und Betrüger. Von der Räuberbande, die auf ihrem Weg zu 100 kg Goldmünzen unsagbar wertvolle Gemälde links liegen lässt, bis zu gefälschten Büchern, die durch einen winzigen schwarzen Fleck enttarnt wurden, ist alles dabei. Dabei gelingt es den Autoren, den Kunstmarkt und seine eigentümlichen Gesetze so zu präsentieren, dass er auch absoluten Laien zugänglich ist. 

Egal ob Panzer oder Aquarelle – NS-Gegenstände gehen immer

In jedem Kapitel widmen sich die Autoren einer anderen Art des Kunstverbrechens. Und jedes dieser Kapitel, sei es über Hitler-Aquarelle, Geldwäsche oder korrupte Regierungen löst eine eigene Art der Faszination und des Kopfschüttelns aus. Besonders schön dargestellt wurde bespielweise, wie die beinah reliquienhafte Verehrung von NS-Gegenständen gepaart mit den Unsummen, die sich daraus gewinnen lassen, ein regelrechtes Fälscher- und Hehler-Paradies geschaffen hat. Das kann bei lustigen Anekdoten, wie dass natürlich jedes Bild Hitlers stets ein Hakenkreuz als zentrales Motiv haben muss, verbleiben. Es kann aber auch, wie im Fall eines norddeutschen Millionärs, zu einer gigantischen Sammlung ‚originaler‘ NS-Militia führen, zu der u.a. ein funktionsfähiger Panzer gehört.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Doch auch bei weniger zugänglichen Themen, z.B. warum bestimmte Künstler besonders oft gefälscht wurden, kann das Buch überzeugen. Auch ohne Kenntnisse ihrer Werke wird die Bedeutung der einzelnen Maler doch immer verständlich erklärt und meist ist man ohnehin versucht durch kurzes Googlen einen zumindest groben Eindruck von ihren Werken zu bekommen. Besonders gut trifft es sich da, dass es in der Mitte des Einbandes eine kurze Bilderstrecke gibt in der zwar keine Kunstwerke, aber viele interessante Elemente, die im Buch erwähnt werden, gezeigt werden. Die Bilderstrecke hätte für meinen Geschmack sogar noch etwas ausführlicher sein können – es hilft doch sehr, das ‚Zertifikat‘ zu sehen, mit dessen Hilfe ahnungslosen (im wahrsten Sinne des Wortes) Käufern angeblich originale Werke von Picasso und Klimt für 1.400 Euro verkauft wurden.

Insgesamt also eine klare Empfehlung – besonders Kunst und/oder true-crime Fans kommen bei diesem Buch voll auf ihre Kosten.



Stefan Koldehoff und Tobias Timm
Kunst und Verbrechen
Galiani Berlin 2020
318 Seiten
25,00 Euro