Präsidentinnensohn meets Thronfolger

von Rebekka Barta (19. August 2020)


Was wäre, wenn der Sohn der ersten Präsidentin der USA und der britische Thronfolger mehr als nur befreundet wären? Diese Frage stellt sich Casey McQuiston in ihrem Debütroman Royal Blue. Alles beginnt mit einem Streit und dem Einsturz einer sündhaft teuren Hochzeitstorte. Eigentlich kann Alex Henry überhaupt nicht leiden und nennt ihn liebevoll den „Arschloch-Prinz“. Dummerweise hat ihre kleine Auseinandersetzung aber weitreichende Folgen und führt dazu, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien rapide verschlechtern. Um die Situation zu entschärfen sollen die beiden den Medien weismachen, dass sie eigentlich beste Freunde sind und sich längst wieder versöhnt haben. Dabei merken sie, dass vielleicht sogar mehr als das sein könnten. Sein wollen. Doch eine Beziehung zwischen einem amerikanischen Präsidentinnensohn und einem britischen Prinzen… ist das überhaupt möglich? 

Eine Liebe, die Geschichte schreibt

„Es ist einfach großartig, in der Welt dieses Buches zu leben und sich vorzustellen, dass sie Wirklichkeit wird“ – dieses Zitat der Vogue steht auf dem Klappentext von Royal Blue und trifft es ziemlich genau auf den Punkt, denn dieses Buch ist nicht nur wahnsinnig unterhaltsam. Die Geschichte, die darin erzählt wird, ist auch so gut, dass man nicht umhinkommt sich zu wünschen sie wäre real. Allein schon, weil hier nicht ein komischer Typ mit orangen Gesicht und fragwürdigen Weltanschauungen, sondern eine junge, moderne Präsidentin im Weißen Haus sitzt. Dass das Politikthema, ebenso wie ein paar royale Einflüsse in einem Roman wie diesem nicht zu kurz kommen, ist wenig überraschend, doch sie überwiegen nicht. Royal Blue bleibt ein Liebesroman. Dennoch ist er an vielen Stellen gesellschaftskritisch und regt zum Nachdenken an. Beispielsweise über amerikanische Politik, als auch über die britische Monarchie oder LGBTQ+ Themen. Casey McQuiston hat neben all dem aber vor allem auch einen Roman geschrieben, der durch einen erfrischenden Schreibstil und sehr, sehr viel Humor begeistert. Und natürlich durch seine Protagonisten, denn Alex und Henry sind ganz große Klasse. Allein für die Chemie zwischen den beiden jungen Männern und den vielen kleinen Sticheleien zwischen ihnen, hat Royal Blue seinen Platz auf der Bestsellerliste der New York Times mehr als nur verdient. Absolute Leseempfehlung!



Casey McQuiston
Royal Blue
Droemer Knaur 2020
459 Seiten
12,99 €