Der Pragmatismus des Landes

Von Michaela Minder (22. August 2020)


Bartas Debütroman spielt in der oberösterreichischen Provinz, auf dem Bauernhof der Familie Weichselbaum. Theresa, eine sechzigjährige Bäuerin, bestreitet den Alltag an der Seite ihres Ehemannes Erwin, während die Kinder bereits aus dem Haus sind. Als Theresa plötzlich erkrankt und sie weder ihren Aufgaben auf dem Hof nachkommen noch mit ihren Familienmitgliedern sprechen kann, scheint alles aus den Fugen zu geraten. Eine tatsächliche Diagnose wird nie gegeben, und steht somit noch symbolischer dafür, dass Unvorhergesehenes plötzlich alles ändern kann und man einfach versuchen muss mit der Situation klarzukommen. Erwin versucht den Bauernhof weiter allein aufrecht zu halten. Dabei bekommt er Hilfe von seinem Enkel Daniel. Dieser begegnet zufällig im Wald Toti, einem Geflüchteten, der im Dorf wohnt. Die beiden freunden sich an und verbringen ihre Tage damit, eine Hütte im Wald zu bauen und Daniels Opa auf dem Bauernhof zu helfen. Hier wird ein klassischer Erzählstrang miteingeführt: Geflüchteter trifft wortkargen älteren Mann und eine gegenseitige Wertschätzung entwickelt sich mit zunehmendem Kontakt. Gesellschaftlich ein wichtiges Element, aber der Roman wäre auch ohne erzählstark genug gewesen. 

Die Politik der Provinz

Erwin erkennt an, dass es Theresa „in der Seele nicht gut geht“, weiß ihr aber nicht zu helfen. Wie soll man auf einmal auf eine Person verzichten, die immer wie selbstverständlich da war? Als Theresa merkt, dass nach ihrer Auszeit sich nichts nachhaltig geändert hat und sie wieder in die „Normalität“ zurückgedrängt wird, nimmt sie sich letztlich das Leben.
Eine Art Epilog beschreibt zusammenfassend die Mechanismen der österreichischen Provinz: Im Dorf wurde sich das Maul darüber zerrissen, dass sich Theresa mit 60 Jahren erschossen hatte, „während ihr Gatte mit einem Araber auf Feld hinausgefahren war“. Die moralische Verurteilung zeigt schlicht von Scheinheiligkeit, denn „In der Kirche achtete niemand auf den lieben Gott. Einzig die Gläubigen wurden eindringlich gemustert.“
In dieser auf den ersten Blick überzeichneter Darstellung einer provinziellen Dorfgemeinschaft, gelingt es Barta darzustellen inwiefern das Persönliche mit dem Politischen unweigerlich verbunden ist. Hier zeigen sich die großen Stärken des Romans und vor allem diese bleiben in Erinnerung.



Dominik Barta
Vom Land
Paul Zsolnay Verlag 2020
164 Seiten
18,00 €