Ein bisschen Sonne

Von Celine Buschbeck (20. Oktober 2020)


Nachdem Juno Ryan ihren Freund Brad bei einem Erdbeben verliert, bricht eine Welt für sie zusammen. Nicht nur wegen seines tragischen Todes, sondern auch wegen eines Fernsehberichts, der enthüllt, dass er verheiratet gewesen war und eine Familie hatte. Um ihrer Trübsal zu entkommen, nimmt sie sich eine Auszeit im Ferienhaus einer Freundin. In der Idylle zwischen Orangenbäumen und dem Flair eines traditionsreichen spanischen Dorfes, beginnt sie in der Villa Naranja ihr Leben neu zu ordnen.

Ein Ausflug nach Spanien

Sheila O’Flanagan ist in England und Irland eine gefeierte Bestsellerautorin. Ihren Romanen merkt man oft das Fernweh an. So auch ihrem Das Haus am Orangenhain, in dem es die Protagonistin Juno nach Spanien zieht. In fast drei Monaten oder 35 Kapiteln lernt man zusammen mit Juno so auch das kleine Dorf Beniflor und dessen Bewohner kennen.
Schon zu Beginn bekommt man kurze Eindrücke ihrer Freunde und ihrer Familie in Irland sowie von Brad geschildert. Juno fühlt sich anders, nicht zugehörig. Sie als Röntgenassistentin passt nicht in das Schema ihrer kreativ begabten Familie. Dazu kommt der Betrug von Brad, den sie jetzt nicht mehr zur Rede stellen kann. Ihre spanischen Bekanntschaften kontrastieren ihre bisherigen Beziehungen: Pep, der Poolreiniger, wird zu ihrer Affäre, seine Familie zu ihrer Familie und eine Katze zu ihrem ständigen Begleiter in der einsam gelegenen Villa.

Klingt nach einem Happy End? Ist es auch.

Die Autorin lässt Juno ihren Verlust leicht überwinden, nur um sie bei den geringsten Erinnerungen wieder in ihr altes Ich zurückfallen zu lassen. Die Trübsal überwindet sie – oft mit fremder Hilfe – relativ schnell. So entsteht ein Hin- und Her, was in den ersten Kapiteln noch nachvollziehbar ist, später jedoch der Protagonistin die Glaubwürdigkeit nimmt. Auch Pep ist eine Figur, die über Kapitel hinweg mit Sympathiepunkten gefüttert wird, nur um dann in ein paar Absätzen von Juno verlassen zu werden, nachdem sie übrigens Max, dem Bruder von Brad begegnet. Max nimmt als männlicher Mittelpunkt den Platz von Pep ein und hilft ihr fortan über den Verlust ihres Geliebten hinweg. Er ist es auch, der ihr zeigt, dass sie sich ihrer Familie zugehörig fühlen kann.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr malerisch und illustriert die warme Atmosphäre Spaniens hervorragend. Zwar verfolgt man nur den Alltag von Juno, jedoch entspannt dieser ungemein. Denn es folgen nach dem anfänglichen Erdbeben keinerlei größeren Dramen außer ein undichtes Dach. Dafür wird man mit den schöneren Dingen des Lebens berieselt und wohnt vielen Familienfesten und der Beniflor Fiesta bei. 

Das Haus am Orangenhain ist ein sommerlicher Roman, der im spärlichen Reisejahr 2020 Spanien nach Hause bringt. Sofern man sich mit einer erfrischenden Geschichte ohne Tiefgang anfreunden kann, ist der Urlaubsschmöker genau das Richtige für die kalten Herbsttage.



Das Haus am Orangenhain
Sheila O’Flanagan
Aus dem Englischen von Susann Urban
418 Seiten
Insel Verlag 2020
10,95 €