Hungern für die Kunst

von Therese-Josefin Federolf (18.11.2012)

Ein Hungerkünstler ist eine von Franz Kafkas bekanntesten Erzählungen. Der namensgebende Anti-Held zieht durch die Lande und findet überall scharenweise Zuschauer. Nach und nach verlieren die Menschen aber das Interesse an seiner Kunst und zweifeln an seiner Ehrlichkeit. Gekränkt lässt sich der Hungerkünstler von einem Zirkus engagieren und in einen abgelegenen Käfig sperren.

Auf Stroh und neben wilden Tiere hungert er weiter, doch schon nach kurzer Zeit wird ihm auch hier keine Aufmerksamkeit mehr zuteil. Er verhungert.

Es ist ein paradoxer Sieg über die Perfektion, denn erst im Tode wurde seine Kunst verwirklicht.

Franz Kafka, in seiner Zeit selbst unverstandener Autor, kämpfte und lebte für seine Schreibkunst. 1922 erschien diese Erzählung in der Zeitung Die neue Rundschau und diente zwei Jahre später als Titel eines Sammelbandes mit drei weiteren Erzählungen. In allen vier Geschichten schildert Kafka jeweils die Abhängigkeit eines Künstlers von seinem Publikum, welches er verzaubern und fesseln will. Ein trauriges und einsames Schicksal, da ihn letztendlich niemand wirklich versteht.

Franz Kafka – Ein Hungerkünstler: Vier Geschichten
84 Seiten
7,90 Euro
(Reprint der Originalausgabe von 1924)