Einer Pyromanin auf der Spur

von Jana Schulze

„Sie zündelt gerne, sie ist eine Pyromanin. Ihre Begeisterung dafür, auch mich in Brand zu stecken, mich bis zum Grund ausbrennen zu lassen, wird nur von dem sonderbaren Wunsch überflügelt, das All abzufackeln.“
(Lob der Brandstifterin, S. 12.)

Frisch erschienen ist die Erzählung Lob der Brandstifterin von Thomas Ballhausen, welche ihrem Namen alle Ehre macht. Glut, Feuer und Asche begleiten die LeserInnen auf Schritt und Tritt, zeichnen die Spuren einer „geheimnisvollen Frau“ nach. Gefolgt wird der Fährte der Brandstifterin vom ersten Wort bis zum letzten.

Thomas Ballhausen, der neben seinem Dasein als Schriftsteller auch wissenschaftlicher Mitarbeiter am Filmarchiv Austria ist und als Lektor an der Universität Wien wirkt, kann bereits mit zahlreichen Veröffentlichungen, wie dem 2010 erschienen Erzählband „Bewegungsmelder“ oder dem Roman „Die Unversöhnten“ (2007), aufwarten.

Inspiriert und florierend durch Kooperationen mit dem österreichischen Künstler Jack Hauser ist die Publikation Lob der Brandstifterin in der Reihe Textlicht erschienen, ein innovatives Format des Wiener Verlags Edition Atelier, der das ein oder andere Schmankerl der jungen „hochwertige[n] und unterhaltsame[n]“ Literatur auf Lager hat (Vgl. Edition Atelier: http://www.editionatelier.at/textlicht.html). Jack Hauser, der das Nachwort zur Erzählung in Form eines Verzeichnisses der „Laternenbilder aus der Wohnung Miryam van Doren“ beisteuert, ist in verschiedenen Künsten beheimatet. Neben Literatur und Film etabliert er sich in der bildenden Kunst, besonders durch Performanceprojekte. So auch seine Schöpfung der Kunstfigur „Miryam van Doren“, ein „fiktives, nicht näher ausformuliertes Vehikel“. Deren Wohnung, ein langjähriges Projekt mit der Installation künstlerischen Elements und Performance, entwirft ein Plädoyer für die Lebendigkeit der „Kunst als Kommunikationsraum“ und unterläuft dabei die Frage nach der Autorschaft (Vgl. Triennale Linz: http://www.triennalelinz.at).

Die Erzählung Lob der Brandstifterin, ein „Agententhriller“, wie durch den Verlag bemerkt wurde, lässt LeserInnen an einem Spiel teilnehmen, welches mittels ungeschriebenen Regelwerks durch den Wechsel der Realitäten und die Identitäten des Protagonisten sowie der Brandstifterin führt. Zwischen Maskierung und Demaskierung wird ein skurriles Miteinander des Vertrauten und Fremden der Zweisamkeit illustriert. Zwischen Verbotenem und Verborgenem, Erotik und Mystik, entwickeln sich die Literaturen. Botschaften beider pointieren dieses Verhältnis, geheime Botschaften, versteckt an geheimen Ort. Schriften, Skizzen, Symbole, welche nur durch ein bestimmtes Licht in Erscheinung treten und einer Entschlüsselung bedürfen. Sie verführen und lotsen den Protagonisten, zeigen ihm seinen Weg, den nächsten Spielzug zwischen den einzig möglichen Formen des Daseins: Bestehen und Untergehen.

Ein perfekt inszeniertes Spiel, in dem sich (de)maskierte Figuren und ihre Rollen auf Konfrontationskurs mit den vermeintlichen Realitäten oder Illusionen bewegen. Die Bühnenbilder, reich an Utensilien und Requisiten, werden zu handlungstragenden Elementen. Ballhausen führt in Räume, welchen der Duft der van Doren anhaftet. Es scheint, sie sei lediglich für den Moment eines Augenaufschlags vor dem Eintreten der LeserInnen zur Stelle gewesen und hätte ihre Note hinterlassen.

„Geheime Zimmer und Räume wie diese scheinen, so macht es den Eindruck, nur zu existieren, um beschrieben zu werden.“ (Lob der Brandstifterin, S. 27)

Details stehen gegenüber einer apokalyptischen Welt, welche primär außerhalb der Zwischenmenschlichkeit stattfindet und doch nicht unreflektiert bleibt. Auf Einflüsse der Forschungs- und Lebensschwerpunkte von Ballhausen trifft LeserIn an allen Ecken und Kanten. Film, Theater und Comic schreiben sich in (un)scheinbarer Intermedialität in den Text ein. Die Erzählung zeichnet sich durch das gewohnt brillant-witzige Sprachspiel Ballhausens aus, jedes Wort, jedes Zeichen des Satzes obliegt seiner Berechtigung und führt durch eine Dichtheit des Textes, welcher seinesgleichen sucht.

Thomas Ballhausen
Lob der Brandstifterin
Edition Atelier 2013
Textlicht-Reihe
7,95 EUR