Nie war mehr Anfang als jetzt

von Marlene Hartmann (4. April 2016)

 

 

 

Marie Meimberg ist vieles: kreativ, optimistisch, mutig, beeindruckend, frei. Sie ist Sängerin, Illustratorin, YouTuberin, Ehefrau und nun auch Autorin. Aber vor allem ist sie eines: Ein Mensch, der erkannt hat, dass die Geschichten, die das Leben schreibt – so schrecklich und schön sie auch sein mögen -, erzählt werden müssen. Nun hat sie all dies in ihrem ersten Buch Sei du selbst, alles andere wirst du eh verkacken vereint.

Wenn man Geschichten erzählen will, muss man in seinem Leben auch etwas erlebt haben, soviel steht fest. Und Marie Meimberg hat viel erlebt. Ob ein Kapitel nun davon handelt, wie ihr Opa das Fahrradfahren lernt, von Verständigungsproblemen mit Schwaben oder von ihrem ersten kriminellen Abenteuer erzählt – es bereitet unglaubliche Freude, in diese faszinierenden Geschichten und Momentaufnahmen einzutauchen. Denn Marie Meimberg schafft es, ihre kleinen Lebenslektionen so berührend und doch so überhaupt nicht kitschig mit ihrem unverkennbaren Schreibstil in die Köpfe der Leser zu malen: »Diese Kombination aus Großstadtwahnsinn und Weite. Mittendrin. Machte alles erträglich. Und mir den Kopf frei. Zum Denken. Und Runterkommen. Mittendrin. Im Punkrock.«

Eine Geschichte von Leid und Heilung

von Alena Verrel (28. März 2016)

 

Wie schreibt man die Geschichte seines Lebens? Wie formuliert man die verstörenden, grausamen, ja, brechreizauslösenden Ereignisse, welche das eigene Leben prägten?

Manchmal liest man ein schlecht geschriebenes Buch nicht weiter. Manchmal, seltener, liest man ein gutes Buch nicht weiter aus Zeitmangel, vergisst es nach und nach, denn das Thema reißt einen nicht mit. Und manchmal, noch viel seltener, liest man ein Buch und kann es nicht weiterlesen. Ein Buch welches einem so viel erzählt, zeigt, sehen lässt von menschlichen Abgründen, dass der einzig bleibende Weg für einen selbst die Flucht ist. Doch weiß man, dass auch diese nur kurzfristig helfen kann.

Noch ein Wikinger-Roman

von Ingrid Kalteis (8. Februar 2016)

 

 

Die bärtigen Nordmänner und ihre Geschichten sind in der Buchbranche gerade stark im Trend. Jonas Herlin liefert in seinem Debüt einen blutigen Roman, der eine ungesittete und ganz und gar kampfeshungrige Bande Wikinger auf ihrem Beutezug begleitet.

Wir schreiben das Jahr 842 – Der gefürchtete Wikingeranführer Grimr Schädelspalter und seine ambitionierten Söhne Olav und Thorbrand machen sich mit ihren Langbooten auf, den Rhein entlang zu segeln. Sie sind gierig nach den Schätzen, die sie an den Ufern in den Klöstern und Städten der Franken vermuten und schrecken dabei nicht vor Gewalt und Blutdurst zurück. Nach den ersten erfolgreichen Raubzügen werden sie jedoch übermütig und leichtsinnig. Bei einer blutigen Schlacht gegen das fränkische Heer wird Grimr Schädelspalter verwundet und stirbt wenig später an seinen Verletzungen. Die Moral der Truppe wird zerstreut und ohne das Vertrauen in einen neuen Anführer, herrscht Misstrauen und Unmut unter den Männern, die nur unter der Hand des einenden Anführers Grimr ihre Querelen beiseitelegen konnten. Die hinterbliebenen Söhne Grimrs – beide durch ihre Wesensunterschiede von unterschiedlicher Führungsqualität – streiten sich nun um die Nachfolge des Vaters. Die Zeit für eine Einigung unter den beiden drängt, denn die Kämpfer der Franken nähern sich unerbittlich, um die Eindringlinge zu vernichten.

Ein Philosoph zum Geburtstag

von Dominik Achtermeier (31. Januar 2016)

 

 

Kennen Sie Wondrak, den runden Kerl mit seiner schwarz-weiß gestreiften Latzhose? Er gleicht vielleicht sogar einem kleinen Buddah, zumindest dann, wenn er die an ihn formulierten Fragen lebensnah-ironisch mit einer Antwort ausstattet.

Wondrak, eigentlich Richard Kowalski, ist ein Flüchtling, ein Held, ein Menschenfreund, ein Wartender, ein Trendsetter, ein Frauenversteher, ein… bringen wir es auf einen Punkt: ein Weltenretter. Die Welt erblickte er im Juli 2013, als der bekannte Kinderbuchautor Janosch angefragt wurde, eine eigene Kolumne mit seiner Titelfigur Wondrak im ZEIT-Magazin veröffentlichen zu wollen. Nun wurde die Serie erstmals im umfänglichen Sammelband Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe! veröffentlicht. Ein schöneres Geschenk konnte man Janosch, um den es im letzten Jahrzehnt ruhig geworden war, zum 85. Geburtstag gar nicht machen.

From Oslo with Love

von Maximilian Hetzelein (20. Januar 2016)

 

 

 

»[A]lles veränderte sich: Das Licht. Die Temperatur. Die Grundsatzfrage.«

So beschreibt es Jo Nesbø, wenn sich sein Protagonist beim Anblick einer Frau verliebt. Mag sein, denkt man, dass ein Mann Gefühle zeigt, wäre da nicht Seiten vorher die Szene, in welcher eben jener Olav skrupellos und fachmännisch einen x-beliebigen Typen ›expediert‹, sprich ins Osloer Nirwana schickt. Ob dabei ein kleiner Junge zusieht und möglicherweise für den Rest seines Lebens traumatisiert ist, ist doch herzlich egal, oder? Denn: Gefühlskälte, Stringenz und Kompromisslosigkeit sind zentrale Werte innerhalb Olavs Berufsethos als Auftragsmörder – pardon: ›Expedient‹. Emotionen sind dabei mehr als hinderlich.