Behind Blue Eyes

von Tessa Friedrich (03. Januar 2016)

 

 

Nach den erfolgreichen Büchern Feuchtgebiete und Schoßgebete folgte im letzten Herbst nun Charlotte Roches dritter Roman, Mädchen für alles. Mit gewohnt provokativen Mitteln gewährt uns die Autorin einen Einblick in das Leben einer Frau, die psychisch am Rande des Wahnsinns steht. Und sich schließlich dazu entscheidet, die Ursache ihrer Probleme zu beseitigen.

Christine hat eigentlich alles, was man sich wünscht: eine eigene Familie, ein großes Haus und finanzielle Absicherung. Seit sie sich allerdings dazu entschlossen hat, nach der Geburt ihres Kindes zuhause zu bleiben, ging ihr Leben stetig den Bach hinunter. Die familiären Pflichten engen sie ein, ihren Mann liebt sie auch nicht wirklich und am liebsten würde sie ihre Zeit nur auf dem Sofa vor dem Fernseher verbringen. Abhilfe soll nun ein Kindermädchen schaffen, das ihr Ehemann Jörg organisiert hat. Marie ist jung, hübsch und Jörg sowie Christine sind ihr sofort verfallen.  Doch als Christine eine unerwartete Nachricht ihrer geschiedenen Eltern bekommt, kochen alte Gefühle wieder hoch und sie fasst einen Plan, in dem ihr Mädchen für alles keine unwesentliche Rollte spielt.

Zwischen den Wahrheiten

von Marlene Hartmann (29. Dezember 2015)

 

 

»Kann man eine Geschichte erzählen, die nicht mit etwas beginnt, sondern die einfach plötzlich geschieht?«, fragt sich eine der von Adam Johnson erschaffenen Figuren – und Nirvana zeigt: Geschichten beginnen niemals mit irgendetwas, sie finden einfach in den verschiedensten Leben statt.

Unterschiedlicher könnten die Menschen in dieser sechs Kurzgeschichten umfassenden Sammlung kaum sein: Von einem UPS-Boten, der sich mit seinem kleinen Sohn in einem vom Hurricane Katrina zerstörten New Orleans durchschlagen muss, über einen ehemaligen DDR-Gefängnisleiter, bis hin zu zwei nordkoreanischen Flüchtlingen, die in ihrer neuen Heimat Südkorea nie ganz ankommen wollen – wir hören all die Geschichten und Gedanken dieser finsteren Seelen. Dabei ändert sich nicht nur die Stimme der Figuren deutlich von Geschichte zu Geschichte, auch die Gegebenheiten und Zeitumstände sind nie dieselben: Mal findet man sich in einer Zeit, die auf einer Vergangenheit, welche in unseren Geschichtsbüchern steckt, basiert, mal wird man mit einer dystopisch angehauchten Zukunft konfrontiert. Doch auch wenn alle Figuren verschiedene Plätze in unserer Welt und Zeit einnehmen, so sind sie sich doch in einer Sache ähnlich: Sie leben mehr in ihrer selbst konstruierten, eigenen Wahrheit, als in der Wirklichkeit. Sie wollen der Realität entfliehen, utopischen Träumen nachrennen oder ganz einfach nicht mehr sie selbst sein. In ihrer Verzweiflung und Erschöpfung verwischen sie dabei die Grenzen zwischen Gegenwart und Nirvana, Sein und Schein.

Play it again – Zum 25. Todestag von Friedrich Dürrenmatt

von Dominik Achtermeier (21. Dezember 2015)

 

 

In diesen Tagen erinnert man sich nicht ohne Grund an den für uns Literaturbegeisterte unvergessenen Maler, Denker und Autor von Weltrang, dessen Werke weit über die Grenzen der deutschsprachigen Literatur bekannt sind und in über 44 Sprachen übersetzt wurden. Bis heute findet ein breiter, immer wieder neue Wege einschlagender Diskurs über die Schriften, Dramen und Prosatexte des kritischen Weltenbürgers Dürrenmatt (05.01.1921 – 14.12.1990) statt.

Einen besonders vielfältigen Überblick über die aktuellen Auseinandersetzungen mit dem Schweizer und seiner Literatur verschafft die 862. Ausgabe der Zeitschrift der Kultur Du, die eine 98 Seiten starke Sonderausgabe zum 25. Todestag des F. D. in Zusammenarbeit mit dem Centre Dürrenmatt Neuchâtel herausgegeben hat. Es ist ein ordentliches Qualitätsheft geworden, was vor allem auf die gelungene Mischung aus abgedruckten Kunstwerken Dürrematts, spannenden Interviews (etwa mit der Tochter Ruth Dürrenmatt oder der Lektorin Anna von Planta) oder interkulturell-philosophischen Stimmen zum Werk Dürrenmatts zurückzuführen ist. Das wohl am breitesten rezipierte Theaterstück eines Dramatiker, der sich immer und immer wieder an das Überarbeiten von bereits abgeschlossenen Stücken machte, kennt man in China ebenso wie in den Vereinigten Staaten: Der Besuch der alten Dame aus dem Jahr 1956. Im Du interpretiert Anja Nolte das Stück auf kunstvolle Weise, indem sie den Originaltext des Dramas in ihrem grell-bunten Comic integriert.

Besessen von einem Kinderspiel

von Tanja Schlaifer (15. Dezember 2015)

 

 

Es ist Cecelia Aherns zwölfter Roman, der veröffentlicht wurde. Seit sie ihr erstes Buch PS: Ich liebe dich schrieb, ist sie eine der bekanntesten Autorinnen weltweit. Erst 2014 erschien ihr Roman Für immer vielleicht auch als Film in den Kinos unter dem Titel Love, Rosie.

In ihrem neuesten Werk Der Glasmurmelsammler erzählt die Autorin die Geschichte von Fergus, der sein ganzes Leben lang mit Murmeln gespielt hat. Aus Angst, dass seine Frau ihn nicht versteht, erzählte er ihr aber nie davon. Auch seine Tochter Sabrina weiß nichts von der Leidenschaft ihres Vaters, bis er einen Schlaganfall erleidet und sie seine Murmelsammlung findet. Erst jetzt erfährt sie von dem Doppelleben, das Fergus die ganze Zeit über geführt hat.

Verloren gehen, um sich selbst zu finden

von Tanja Schlaifer (9. Dezember 2015)

 

 

Einmal durch die USA und Kanada, bis hoch nach Alaska. Das Ziel: die Polarlichter sehen.
In seinem Debütroman nimmt Adi Alsaid den Leser mit auf eine Reise. Dabei zeigt er einem immer wieder Ausschnitte aus den Leben verschiedener Menschen, die der 17-jährigen Leila unterwegs begegnen, bei denen sie aber nie länger als einen Tag und eine Nacht bleibt. Mit Leilas Hilfe schaffen diese es, ganz unterschiedliche Hindernisse zu überwinden. Das Buch ist somit nicht aus einer, sondern aus mehreren Perspektiven erzählt, wodurch der Leser die Hauptperson immer wieder neu trifft und kennenlernt.