Die seltsame Suche nach der totgeglaubten Mutter

von Tanja Schlaifer (30. November 2015)

 

 

Eigentlich sollte man meinen, eine Welt bricht zusammen. Nicht nur, dass Arne Murbergs Vater stirbt. An seinem Sterbebett erzählt er seinem Sohn auch noch, seine totgeglaubte Mutter ist mit einem Sänger etwa ein Jahr nach seiner Geburt nach Berlin durchgebrannt. Der letzte Wunsch des Vaters: Arne soll sich von seiner Heimat Schweden in die deutsche Hauptstadt begeben, seine Mutter aufsuchen und ihr ein geheimnisvolles Kästchen überbringen.

Ein Buch, in dem der Hauptcharakter sich nicht nur auf die Suche nach seiner Vergangenheit, sondern auch nach sich selbst macht – so der erste Eindruck. Dieser ändert sich allerdings ziemlich schnell wieder – denn ganz so einfach lässt der Autor den Leser nicht davon kommen. Auf einmal werden noch eine zweite, dann eine dritte Person vorgestellt. Der Leser kann sich hier schon denken, dass die Wege des vertrauensvollen Schweden, eines verrückten Wissenschaftlers und einer bibliophilen Rollstuhlfahrerin sich kreuzen werden. Die Handlungsstränge, die der für seine Krimis bekannte schwedische Autor Håkan Nesser dafür webt, vorauszuahnen, ist aber gänzlich unmöglich. Mit einer Vermischung aus Realität und Fantasie, etwas Verrücktheit und ziemlich vielen eingestreuten Zufällen erzählt Nesser die Geschichte des jungen Mannes. Dabei beginnt der langsam denkende, aber liebevolle Arne Murberg dem Leser wirklich ans Herz zu wachsen, durch die Naivität und Einfachheit mit der er ihm begegnet.

Ein Buch für Liebhaber

von Alena Verrel (29. November 2015)

 

 

Das Buch von Simon Tofield Simons Katze – Bloß nicht zum Tierarzt…und andere Katz-astrophen ist tatsächlich kaum besser zu beschreiben. Eingefleischte Fans von Simon’s Cat kommen wohl auf ihre Kosten, für die meisten anderen wird sich der Griff ins Buchregal aufgrund des dann doch recht hohen Preises wohl nicht lohnen.

Das Hardcover sieht edel aus, und macht sich sicher auch bei jedem Katzenliebhaber unterm Weihnachtsbaum ganz gut, jedoch denke ich, dass es eine Taschenbuchversion ebenso gut getan hätte. Die Stories im Buch sind amüsant, die Zeichnungen im gewohnten Stil unterhaltsam und schön. Als treuer Fan der ersten Stunde hat es etwas sehr Ansprechendes, die Geschichten tatsächlich auf Papier in der Hand zu haben. Nicht ganz erschließt es sich, warum der erste Teil des Buches in Schwarz/Weiß gehalten ist, während der Schluss primär bunt illustriert ist.

Hölderlin-Hisbollah

von Kevin Dühr (28. November 2015)

 

Stellen Sie sich vor, Friedrich Schiller wäre in den heutigen Libanon gereist. Wie wären seine Räuber ausgegangen? Würde die Aufopferung Karls letztendlich die herrschenden Verhältnisse aufrecht erhalten?

Das hängt vermutlich davon ab, wie man das Finale des Schiller'schen Dramas beurteilt. Albert Ostermaier lässt in Lenz im Libanon Jakob Michael Reinhold Lenz in den Libanon reisen und orientiert sich dabei zu großen Teilen an Georg Büchners späte Schrift über den Sturm & Drang-Schriftsteller Lenz

Vom Scheitern auf der Suche nach dem Glück

von Marlene Hartmann (18. November 2015)

»Je mehr ich erzähle, desto stärker wird meine Sehnsucht nach diesem Leben, das sich jetzt, wo es vorbei ist und ich nur noch davon rede, so gut anhört, wie es sich niemals angefühlt hat.« So zieht Nina Resümee, nachdem ihr Leben sich in eine Richtung verändert hat, in die sie nie wollte. Ein Leben ohne Freunde, ohne Partner, ohne Glück, aber dafür mit einem Kind. Von den Schattenseiten des Mutterseins und einer abgründigen Gedankenwelt erzählt Verena Friederike Hasel in ihrem Romandebüt Lasse.

Ninas bisheriges Leben als Studentin war von Schönheit, Freunden und einem gewöhnlichen Alltag durchzogen. Doch als sie sich in den jungen Arzt Lennart verliebt, tun sich Abgründe auf, die ihr gesamtes Leben verändern. Sie entwickelt eine ungesunde Besessenheit von einer Zukunft mit Lennart, mit deren Erträumen sie von nun an ihre Zeit verbringt. Dabei tauchen wir als Leser tief in ihre Gedanken ein, die ein stets unbehagliches Gefühl bereiten. Denn man kommt nicht umhin zu bemerken, dass Nina sich immer mehr in Richtung Fanatismus bewegt. Als sie schwanger wird, scheint dieser Traum von einer perfekten Zukunft wahr zu werden. Doch ihre Fantasie wird mit einer komplett gegensätzlichen Wirklichkeit konfrontiert. Mit ihrer Konfliktscheue und Flucht in die Imagination legt sie sich Steine in den Weg, bis sie schließlich allein dasteht. Gemeinsam mit Nina fühlt man sich machtlos, verloren und möchte ihr Leben am liebsten eigenhändig wieder in die richtige Bahn lenken.

Roadtrip mit dem Tod

von Marlene Hartmann (17. November 2015)

 

Was macht man, wenn es an der Tür klingelt und der Tod auf einmal vor einem steht, um zu verkünden, dass man nur noch drei Minuten zu leben hat? Was passiert, wenn es zum zweiten Mal klingelt und die eigene Ex-Freundin den Tod bei der Arbeit stört? Und was geschieht, wenn diese kleine ungewöhnliche Gruppe gemeinsam zu einer Reise aufbricht, auf der sich der Tod einem Widersacher stellen muss? All diese Fragen hat Thees Uhlmann in seinem Debütroman Sophia, der Tod und ich zu einer außergewöhnlichen und lebensbejahenden Geschichte verknüpft.

Den ehemaligen Tomte-Sänger und Solokünstler kennt man eigentlich nur mit Gitarre auf der Bühne stehend, wo er unvergleichlich authentisch Geschichten aus seinem und dem Leben anderer erzählt. Und nun beweist er, dass er das auch ohne Musik beherrscht: Sophia, der Tod und ich lebt von kleinen Anekdoten, der uhlmannschen Echtheit und Beobachtungsgabe und schafft es, mit dem Thema Tod bemerkenswert unbeschwert umzugehen. Denn der Tod ist keineswegs ein unangenehmer Zeitgenosse – ganz im Gegenteil: äußerlich zwar ein erwachsener Mann, entdeckt er mit einer kindlichen Freude und Neugierde die Menschenwelt zum ersten Mal. Dies führt auf der gemeinsamen Reise, auf die sich die drei Hauptfiguren begeben, zu gleichermaßen absurden und komischen Szenen, die den Leser stets zum Schmunzeln bringen.