PS: »Ich werde mich an alles erinnern, und dann schreibe ich es auf.«

Von Jasmin Wieland (7. September 2016)

© Kiepenheuer & Witsch

 

2010 erschien Patti Smiths erstes autobiographisches Werk Just Kids, welches mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Danach folgte die Text- und Gedichtsammlung Die Traumsammlerin und nun M Train: Erinnerungen. In Just Kids erzählt Patti Smith von ihrer Kindheit, ihren Reisen, ihrem Leben im Chelsea Hotel und ihrer Faszination für den Rock 'n' Roll, rund um die New Yorker Band The Velvet Underground. Doch in erster Linie erzählt sie von ihrer einzigartigen Freundschaft zu dem Künstler und Fotografen Robert Mapplethorpe. Bereits in diesem Buch merkt man, dass Patti Smith nicht nur die Begabung für die Musik in die Wiege gelegt wurde, sondern vor allem der Sinn für das Schreiben. Patti Smith lässt ihre Gedanken kreisen und den Leser aktiv an diesem Prozess teilhaben, auf eine poetische, stellenweise philosophische Art.

 Was bleibt, ist der Mensch Janosch.

von Jasmin Wieland (23. August 2016)

 

© Ullstein Buchverlage

 

Janosch. Ein Held der Kindheit, der uns die Geschichten des Kleinen Tigers und des Kleinen Bären erzählte, der uns mitnahm auf deren Abenteuer nach Panama, der eine wunderbare Welt der Freundschaft erschuf. Doch wer ist dieser Mensch, der als bekanntester deutscher Kinderbuchautor gilt?

Bereits im Klappentext blüht einem, dass in Wer fast nicht braucht, hat alles: Janosch – die Biographie von Angela Bajorek nicht die Lebensgeschichte eines Fünfundachtzigjährigen auf einen wartet, der sich für seine Enkelkinder an den Tisch setzt und zu zeichnen beginnt: Horst Eckert, 1931 in Oberschlesien geboren, schwierige Kindheit, Krankheiten, Ablehnung an der Akademie der Bildenden Künste in München. Dann folgt der Prolog und wir erfahren, dass Angela Bajorek Mühe hatte, mit Janosch in Kontakt zu treten, denn er hat eine Abneigung gegenüber Journalisten und Medien. Und dennoch schafft sie es und besucht ihn in seinem Haus auf Teneriffa. Es folgt ein fast täglicher Austausch per Mail.

Ein Hauch von Enttäuschung

von Marlene Hartmann (8. August 2016)

 

 

Er ist einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts und auch heute nicht aus der musikalischen Welt wegzudenken: Bob Dylan. Doch für seine Konzerte bedarf es weit mehr Personen als nur dem Künstler selbst. Was kann man also erwarten, wenn es einmal nicht um den Star und seine Lebensgeschichte, sondern um seine Köchin geht?

Jasmin ist leidenschaftliche Köchin. Sie betreibt einen kleinen Back-Blog im Internet und lebt vor sich hin. Als sie unerwartet ein Angebot von ihrer besten Freundin bekommt, deren Job zu übernehmen, muss sie nicht lange überlegen. Denn es erwartet sie keine gewöhnliche Aufgabe: »Ohne gesundes musikalisches Desinteresse bekam man ihren Job nicht. Sie war die Köchin von Bob Dylan.«

Walli darf nicht sterben

Zum Finale der 2. Staffel der österreichischen Fernsehserie Vorstadtweiber in der deutschen Erstausstrahlung (ARD)

Von Dominik Achtermeier (25. Juli 2016)

 

 

Waltraud, genannt Walli, steht vor der Hochzeit mit dem Mörder ihres Ehemanns, dem verschiedenen Ministerialrat Josef Steinberg. Josef war Mitinhaber eines Bordells, in dem auch Wallis Zukünftiger, Joachim Schnitzler, ein- und ausging. Schnitzler ist homosexuell. Die Homosexualität verträgt sich nicht mit seiner Kandidatur als Kanzler. Ein Kanzler hat Geld. Geld würde Wallis Zukunft, sie ist grade Mutter geworden, absichern. Sicher ist nur eines: der Tod.

 

Dienstag, 26.07.2016, 20:58 Uhr, irgendwo in Deutschland

Ein Schuss fällt aus der Pistole von Polizeimajor Jörg Pudschedl (Thomas Mraz), die Kugel ändert nach dem Aufprall am Boden ihre Schussrichtung und trifft Walli, die daraufhin zusammensackt. Blut strömt aus ihrem vom Hochzeitskleid bedeckten Bauch, als Schnitzler (Philipp Hochmair) sie auffängt und wenige Sekunden später Pudschedl als Täter beschuldigt. Die Hochzeitsgesellschaft ist schockiert. Die im Hintergrund stehende Nicoletta schluchzt auf. Walli verzieht ihr gesenktes Gesicht. Klappe. Abspann.

Unterwegs mit Snöfrid

Von Dominik Achtermeier (23. Juli 2016)

 

© ARENA-Verlag

 

Und Schwupps ist es um mich geschehen. Ich habe mich in diesen kleinen, wortkargen und doch so abenteuerlustigen Snöfrid aus dem Wiesental verliebt. Denn eines haben wir beide gemeinsam, ein verbindendes Element sozusagen: Wir leiden unter Fernweh und können uns den Ursprung dieses In-die-Ferne-Schweifens nicht recht erklären. Es ist einfach da.

 

S wie Snöfride – Begegnungen mit einer unentdeckten Spezies

Nachdem Andreas H. Schmachtl seine Leser im ersten Band mit Snöfrid, einem Wesen zwischen Biber und Hamster, bekannt gemacht hat, entführt er sie diesmal noch weiter in die Ferne, auf die Reise zu den Nebelinseln und gleichzeitig auf einen unbekannten Weg, auf dem das liebenswerte Tierchen mit all seinen Ecken und Kanten nicht nur auf Wildgänse trifft.

Ja, es gibt sie noch: echte Lese-Abenteuer und echte Anti-Helden. Snöfrid, Vertreter einer unentdeckten Spezies unserer Tierwelt, ist ein solcher Anti-Held. Er ist ein Typ, der es gelassen angeht, sparsam mit Worten umgeht und gewiss nicht zu übermäßigen Begeisterungstaten neigt. Die Dialoge sind aberwitzig-monoton: auf das »Hu!« von dem kleinen Käutzchen Björn (ich habe mich regelrecht in die possierlichen Tier- und Fabelwesen verliebt) antwortet Snöfrid mit einem »Hm!«. Schmachtl weiß jederzeit diese Laute situationsgerecht für die Leserschaft zu übersetzen, schließlich kennt den Protagonisten keiner so gut wie der Autor selbst. »Wie ihr sicher wisst, haben Snöfride ganz besondere Fähigkeiten. Unter anderem können sie mit einem sehr hohen Ton Käuze herbeirufen, wann immer sie Hilfe brauchen. Und daran hatte Snöfrid sich in genau dem richtigen Moment erinnert.«