Der Mensch lebt 50 Jahre

Von Hannah Deininger (28. Dezember 2020)

Soichiro Kaji, 49 Jahre, ist ein vorbildlicher Polizist: Seit mehr als 30 Jahren im Dienst, Ausbildungsleiter an der Polizeischule, ausgezeichneter Ruf. Bis er sich eines Morgens bei der Kriminalpolizei selbst anzeigt – er habe seine an Alzheimer erkranke Ehefrau Keiko erwürgt. Zunächst scheint der Fall eindeutig, da der Tatverdächtige ein vollständiges Geständnis zum Tathergang ablegt. Doch Kaji hat sich erst zwei Tage nach der Tat gestellt und zu diesem Zeitraum schweigt er beharrlich. Kriminalkommissar Kazumasa Shiki und Staatsanwalt Morio Sase ermitteln auf eigene Faust weiter und entdecken in Kajis Wohnung eine Kalligrafie: Der Mensch lebt 50 Jahre. Es scheint, als wolle sich Kaji mit 50 Jahren das Leben nehmen. Aber warum ausgerechnet dann?

Wer möchten wir sein?

Von Janet Ghotoyian (25. November 2020)


Die Freundinnen Hannah, Cate und Lissa haben mit zwanzig in einer WG in London gelebt und steckten voller Pläne für die Zukunft. Jetzt mit Mitte dreißig stehen sie an ganz unterschiedlichen Punkten ihres Lebens. Hannah wünscht sich sehnlichst ein Kind, was ihre Ehe zu Nathan auf die Probe stellt. Cate ist nach der Geburt ihres Kindes mit ihrem Mann nach Canterbury gezogen. Doch statt Mutterglück verspürt sie eine immer größer werdende Leere. Lissa scheint nach einer schwierigen Beziehung endlich ihrem Traum einer Schauspielkarriere näherzukommen.

Du sitzt da und bist ein Wunder

Von Florian Grobbel (19. November 2020)


Vielleicht ist es das Buch der Stunde. Kurz vor dem Ausbruch einer weltweiten Pandemie, in der sich ein jeder plötzlich seiner eigenen Körperlichkeit bewusst wird, erscheint Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers von Bill Bryson, dem Meister der simplen Erklärungen. Ein Buch, das einem die Möglichkeit gibt, sich nicht nur der Verletzlichkeit des eigenen Selbst bewusst zu machen, sondern auch um einen Moment inne zu halten und sich zu freuen, was für ein großartiges biologisches Meisterwerk wir doch sind.

Ist die Würde des Menschen unantastbar?

Von Vanessa Peter (17. November 2020)




„Wenn meine Bücher eine Bedeutung haben, dann liegt sie darin, dass sie versuchen, die Würde des Menschen zu verteidigen."
 

Seitdem ich GOTT. Ein Theaterstück gelesen habe, kreisen meine Gedanken um das Verhältnis der menschlichen Würde in unserer heutigen Gesellschaft. Ferdinand von Schirach zieht in seinem neuesten Drama zurecht die Gesellschaft zur Diskussion heran und hat sogar meine eigene Denkweise, über die Freiheit des menschlichen Wesens, auf den Kopf gestellt.
Das Stück repräsentiert einen 78-jährigen, freiberuflichen Architekten, der nach dem tragischen Tod seiner Frau, trotz gesundheitlicher Vitalität und geistiger Klarheit, den Selbstmord als letzten Lebensakt wählt. Ohne Lebenssinn will Richard Gärtner sein Recht auf Sterbehilfe einfordern, was zu einem öffentlichen Symposium über die Autonomie des Menschen führt.

Befreie mich

Von Paula Heidenfelder (11. November 2020)


Christielle Dabos hat mit Im Sturm der Echos ein famos konzipiertes Finale der Die Spiegelreisende-Saga erschaffen. Ein letztes Mal haben die LeserInnen die Chance, zusammen mit Ophelia, Thorn und weiteren komplexen Charakteren, die Identität von Gott sowie dem Anderen an die Oberfläche zu bringen, wobei der Einsturz von bewohnten Archen und die drohende Apokalypse verhindert werden muss.

„Wo begann Eulalias Erinnerung und wo endete ihre eigene? Wie sollte sie ihren Platz in der Gegenwart finden, wenn ihre Vergangenheit ein einziges Puzzle war? Wie an die Zukunft denken, während die Welt unterging? Und wie konnte sie sich frei fühlen, wenn sie dazu bestimmt war, den Weg des Anderen wieder zu kreuzen?“