Die dunkle Seite Yales

Von Friederike Brückmann (13. September 2020)


Leigh Bardugo eröffnet sich mit „Das neunte Haus“ den Weg in die Erwachsenenliteratur und das gleich meisterhaft. Die Protagonistin Alex Stern hat keinen Vorzeigelebenslauf, besonders nachdem sie im Mittelpunkt eines Massakers aufgefunden wurde. Dennoch erhält sie überraschend ein Stipendium für Yale, und das nur, weil sie Graue sehen kann, die Geister der Verstorbenen. Alex soll als neues Mitglied des Hauses Lethe die acht Häuser des Schleiers überwachen, jene Studentenverbindungen, die mit dem Mystischem, Magischem und Gefährlichem experimentieren und weltweit an Macht dazugewinnen. Lethe überwacht diese Rituale und Experimente, um tödlichen Regelverstößen vorzubeugen. Zusammen mit ihrem Mentor Darlington lernt sie die abstruse und rücksichtslose Welt der Häuser von Yale kennen. 

Trugbild oder Wirklichkeit?

Von Alicia Fuchs (13. September 2020)

Den Elfen der vier Höfe fehlt es an nichts – außer an Kunst. Da die den Menschen vorbehalten ist, brauchen die mächtigen Wesen Sterbliche wie die Porträtmalerin Isobel. Als diese in die Augen des Herbstprinzen Rook allerdings menschliche Trauer malt, macht sie seine Schwäche für alle sichtbar und bringt ihn in große Gefahr. Im Kampf um Leben und Tod begeben sich die beiden auf eine Reise, bei der nicht immer klar ist, was real ist und was nur schöner Schein. 

Auf der Suche nach dem Glück in einer unperfekten Welt

Von Janet Ghotoyian (30. August 2020)


Ester wächst in Sardinien auf, sehnt sich jedoch nach dem Festland. Doch weder in Genua noch in Mailand findet sie ihr Glück. Stattdessen entscheidet sie sich dafür, wieder zurück nach Sardinien zu ziehen. Die Sehnsucht nach dem perfekten Ort bleibt für sie jedoch erhalten. Ihre Tochter Felicita fühlt sich dort hingegen schnell wohl. Sie fertigt in Cagliari Schmuck an und zieht allein ihren Sohn Gregorio groß. Gregorio träumt jedoch bald von New York. 

Zwischen den Zeiten auf Island 

Von Paula Heidenfelder (30. August 2020)


Der Roman „Der Sommer der Islandtöchter“ von Karin Baldvinsson entführt die LeserInnen nach Island zu zwei verschiedenen Zeiten. Erzählt im Jahr 1978 sowie 2018, entdecken die Protagonistinnen Monika und Hannah ihren individuellen Weg: Monika möchte Malerin sein, ihren eigenen Weg gehen und mit den Konventionen der Eltern brechen. Hannah ist darüber erschüttert, dass sie ihren Traumberuf nicht mehr ausführen kann, steht in der Scheidungsphase von ihrem Mann und hat sich selbst verloren. Die beiden Erzählstränge sind von Anfang an miteinander verwoben, jedoch werden konkrete Verwicklungen, der Kapitel- und somit Zeitenwechsel, nicht sofort hergestellt. 

Der Pragmatismus des Landes

Von Michaela Minder (22. August 2020)


Bartas Debütroman spielt in der oberösterreichischen Provinz, auf dem Bauernhof der Familie Weichselbaum. Theresa, eine sechzigjährige Bäuerin, bestreitet den Alltag an der Seite ihres Ehemannes Erwin, während die Kinder bereits aus dem Haus sind. Als Theresa plötzlich erkrankt und sie weder ihren Aufgaben auf dem Hof nachkommen noch mit ihren Familienmitgliedern sprechen kann, scheint alles aus den Fugen zu geraten. Eine tatsächliche Diagnose wird nie gegeben, und steht somit noch symbolischer dafür, dass Unvorhergesehenes plötzlich alles ändern kann und man einfach versuchen muss mit der Situation klarzukommen. Erwin versucht den Bauernhof weiter allein aufrecht zu halten. Dabei bekommt er Hilfe von seinem Enkel Daniel. Dieser begegnet zufällig im Wald Toti, einem Geflüchteten, der im Dorf wohnt. Die beiden freunden sich an und verbringen ihre Tage damit, eine Hütte im Wald zu bauen und Daniels Opa auf dem Bauernhof zu helfen. Hier wird ein klassischer Erzählstrang miteingeführt: Geflüchteter trifft wortkargen älteren Mann und eine gegenseitige Wertschätzung entwickelt sich mit zunehmendem Kontakt. Gesellschaftlich ein wichtiges Element, aber der Roman wäre auch ohne erzählstark genug gewesen.