Ein Schauermärchen aus Zamonien

von Swetlana Fork

 

In diesem fesselnden Roman dreht sich alles nur um eines: Bücher. Ein literaturbesessener Dinosaurier folgt den Spuren eines verschollenen Dichters und stürzt sich dabei in ein ganz und gar nicht fiktionales Abenteuer…

Niemand, der nach der Lektüre von Die Stadt der Träumenden Bücher nachts schweißgebadet aus haarsträubenden Träumen aufschreckt, kann behaupten er sei nicht gewarnt worden: „Es ist keine Geschichte für Leute mit dünner Haut und schwachen Nerven. Husch, husch, verschwindet, ihr Kamillenteetrinker und Heulsusen, ihr Waschlappen und Schmiegehäschen!“

Mit diesen wenig ermunternden Worten beginnt die abenteuerliche, mal erheiternde, mal erschreckende Erzählung des siebenundsiebzig Jahre jungen Dinosauriers Hildegunst von Mythenmetz. Seine Heimat ist Zamonien, eine Welt, in der Bücher mehr bedeuten als alles andere: Es gibt sie dort wie Sand am Meer und in jeder nur erdenklichen Form: In Buchhaim, der pulsierenden Metropole des Reiches existieren unzählige Antiquariate – doch Bücher sind hier mehr als nur Schmöker zum Zeitvertreib: Im unterirdischen Labyrinth der Stadt verbergen sich seltene, verbotene und lebende Exemplare und solche die den Leser zu Tode erschrecken, in den Wahnsinn treiben oder sogar das Leben kosten können.

Vom Geruch des Abenteuers

von Ramona Löffler

"Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben. Dreizehneinhalb davon werde ich in diesem Buch preisgeben, über die anderen werde ich schweigen. Ein Bär muß seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös."

Mit einem Schmunzeln liest man die die ersten Sätze des Romans Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär von Walter Moers und kann so bald nicht mehr damit aufhören. Mit viel Witz erzählt der sympathische Protagonist, der der Gattung der Buntbären zuzurechnen ist, von vergangenen Abenteuern auf dem phantastischen Kontinent Zamonien.

„Also, los, retten Sie Weihnachten.“

von Marion Dörr

„Wir hätten die Menschen früher sensibilisieren müssen für die Gefahren des Heiligen Abends.“ Eine umsichtige Sensibilisierung darf man von Harald Martensteins unweihnachtlichen Weihnachtsgeschichten nicht erwarten. Versammelt unter dem Titel Freuet Euch, Bernhard kommt bald! legen seine zwölf Geschichten nicht nur die Gefahren des Festes, sondern auch skurrile Wunder, weihnachtsbasierte Geschäftsmodelle, eine alternative Schöpfungsgeschichte sowie eine äußerst ausgefallene Geschenkidee dar.

Geschildert werden sie auf vielfältige Weise von den verschiedensten fiktiven Erzählern, welchen man ihre Lebensumstände deutlich anmerkt – wie etwa dem Ermittler, der den oben zitierten Satz über die Sensibilisierung für die Gefahren des Heiligen Abends äußert.

Einer Pyromanin auf der Spur

von Jana Schulze

„Sie zündelt gerne, sie ist eine Pyromanin. Ihre Begeisterung dafür, auch mich in Brand zu stecken, mich bis zum Grund ausbrennen zu lassen, wird nur von dem sonderbaren Wunsch überflügelt, das All abzufackeln.“
(Lob der Brandstifterin, S. 12.)

Frisch erschienen ist die Erzählung Lob der Brandstifterin von Thomas Ballhausen, welche ihrem Namen alle Ehre macht. Glut, Feuer und Asche begleiten die LeserInnen auf Schritt und Tritt, zeichnen die Spuren einer „geheimnisvollen Frau“ nach. Gefolgt wird der Fährte der Brandstifterin vom ersten Wort bis zum letzten.

Thomas Ballhausen, der neben seinem Dasein als Schriftsteller auch wissenschaftlicher Mitarbeiter am Filmarchiv Austria ist und als Lektor an der Universität Wien wirkt, kann bereits mit zahlreichen Veröffentlichungen, wie dem 2010 erschienen Erzählband „Bewegungsmelder“ oder dem Roman „Die Unversöhnten“ (2007), aufwarten.

Die Sehnsucht nach der Kokosfrucht

von Philipp Schlüter

Der hektischen, hochindustrialisierten Gesellschaft den Rücken kehren? Ungesunde Lebensweisen ablehnen und zur Umsetzung dieses kühnen Vorhabens eine kleine Insel im Westpazifik erwerben?

Genau das ist der Plan August Engelhardts, der zum Ende des 19. Jahrhunderts sehnsuchtsvoll aus Nürnberg in Richtung Südsee aufbricht. Christian Kracht zeichnet in seinem, dem Genre des Abenteuerromans zugehörigen Buch Imperium das prototypische Bild eines Aussteigers dieser Zeit. Engelhardts Ansatz zur Gesundung der modernen Gesellschaft: cocos nucifera – die Kokosnuss. Einer Offenbarung gleich, meint er in ihr die göttliche Frucht schlechthin gefunden zu haben. In der deutschen Kolonie Neupommern will der bekennende Vegetarier eine eigene Kokosplantage erwerben und sich ausschließlich von Kokosnüssen ernähren.

Christian Kracht erzählt in seinem vierten Roman nicht bloß die Geschichte eines „Romantikers“, sondern bettet diese sehr geschickt in das Zeitalter des Kolonialismus und der Lebensreformbewegung ein. Um ein möglichst umfangreiches Panoramabild mit Ausblick auf den Ausbruch des ersten Weltkrieges zuwerfen, hat Kracht die Form des allwissenden Erzählers gewählt. Somit hockt der Leser nicht nur mit dem jesusähnlichen Engelhardt in drückender Hitze. Auf erfrischende Art und Weise nimmt er teil am Weltgeschehen und erhält Vorausdeutungen auf einschneidende geschichtliche Ereignisse. Diese Art des Erzählens bleibt nicht wie in den vorangegangen Büchern Krachts auf das Innere der Hauptfigur beschränkt. Mit Witz und viel Heiterkeit erlebt man den Kokosnussliebhaber, der frei von Konventionen den Sonnentanz tanzt.