Ph'nglui mglw'nafh Cthulhu R'lyeh wgah'nagl fhtagn*

von Kevin Dühr (22. Januar 2017)

 

 

Mit dem Sammelband H. P. Lovecraft: Horror Stories – Das beste vom Meister des Unheimlichen versucht Suhrkamp den von Stephen King so betitelten »twentieth century's greatest practitioner of the classic horror tale« weiterhin im Gespräch zu halten. Fraglich bleibt, ob die Form des »Best of« nicht eher einer Gesamtausgabe weichen müsste, um H. P. Lovecraft einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen. Denn nach wie vor können wir noch viel über Angst und Terror von ihm lernen.

H. P. Lovecraft gilt als einer der einflussreichsten Autoren phantastischer Literatur, zumindest im englischsprachigen Raum. Auch hierzulande erfreuen sich vor allem einige seiner Erzählungen großer Beliebtheit, die aber nur einen Bruchteil seines Werks ausmachen. Neuere Auflagen seiner Schriften in deutscher Sprache liegen bei den großen Verlagen jedoch zum Teil mehr als 20 Jahre zurück, andere Texte wurden noch nie veröffentlicht. Dass Lovecraft dennoch im Gedächtnis eines vornehmlich jüngeren Publikums verankert ist, mag an der popkulturellen Rezeption seines Schaffens liegen. Von ihm erdachte Figuren, Gegenstände oder Orte wie das obskure Wesen Cthulhu, das Necronomicon oder die Stadt Arkham tauchen in etlichen Liedern, Comics und Filmen auf. Aber warum scheint hierzulande das literarische Interesse an ihm weiterhin eher stiefmütterlicher Natur zu sein?

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

von Anna Deerberg (19. Januar 2017)

 

 

Alles nimmt seinen Lauf in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses, in der Hector als junger Assistenzarzt arbeitet. Dort wird er von einem Patienten gefragt, ob er denn gläubig sei. Doch viel Zeit, die Frage zu beantworten, bleibt nicht, denn plötzlich bekommen einige der Patienten apokalyptische Phantasien. Diese gehen sogar so weit, dass einige ihr gesamtes Hab und Gut verschenken wollen. Ausgelöst wurden diese Wahnvorstellungen durch den Tee des Arztes Dr. Chin, der den Patienten aus Versehen verabreicht wurde. Dann überschlagen sich die Ereignisse und Hector bleibt wieder keine Zeit zu überlegen, obwohl er die Sachverhalte doch so gerne erst einmal gründlich überdenken würde.

Dr. Chin und das Geheimnis des Tees mussten zu diesem Zeitpunkt schon in den Himalaya fliehen, aber auch dort ist er nicht sicher, denn Hectors junger Kollege Armand möchte den Tee für seinen Lieblingspharmakonzern sichern und reist prompt hinterher. Hector stellt sich dann doch dem Abenteuer und wagt mit seiner hübschen und »engelsgleichen« Kollegin Clotilde die Reise zum Himalaya – oder eben die Suche nach dem Paradies. In diesem Handlungshintergrund gelingt es dem Autor François Lelord, der übrigens selbst Psychiater ist, philosophische und religiöse Aspekte liebevoll in die Geschichte einzuflechten. Das Buch kann ein sehr guter Einstieg sein, wenn man sich mit den großen Religionen, vor allem mit dem Buddhismus, beschäftigen möchte. Denn Hector führt immer wieder, ganz unvermittelt, aber dennoch sehr tiefgründige Gespräche mit den Menschen, die ihm begegnen, und Begegnungen gibt es viele.

Bridget Jones im Doppelpack

von Svenja Zeitler (18. Januar 2017)

 

 

Bridget Jones ist zurück! Und zwar mit Verstärkung: die ewige Single-Frau ist in freudiger Erwartung. Da ist das Chaos natürlich vorprogrammiert. Über eine Schwangerschaft zwischen Superfood und Rauschmittelsucht, zwischen Powermüttern und Party-Singles und – als wäre das noch nicht genug – zwischen zwei möglichen Papas berichtet Helen Fielding in Bridgets neuestem Tagebuch.

Nach ihrer in die Brüche gegangenen Verlobung und einer darauffolgenden Zeit voller Misserfolge an der Beziehungsfront trifft Bridget Jones auf gleich zwei ihrer Ex-Geliebten. Und landet prompt mit beiden im Bett. Es sind die üblichen Verdächtigen: Mark Darcy und Daniel Cleaver.

Wenn du denkst, mehr könnte nicht schiefgehen...

von Tina Betz (18. Dezember 2016)

 

 

Wenn einer weiß, wie es sich anfühlt, zu scheitern und wirklich immer wieder zu scheitern, dann ist es Aldo Benjamin, der Protagonist in Steve Toltz’ Roman Fließsand oder eine todsichere Anleitung zum Scheitern. Schon seit seiner Schulzeit verfolgt Aldo das Schicksal und verpasst ihm eine Ohrfeige nach der anderen: Er scheitert mit jedem seiner Projekte an Geld zu kommen, seine Frau verliert das gemeinsame (ungeplante) Kind kurz vor der Geburt, seine Ehe scheitert, eine Erpressung geht völlig daneben, er scheitert selbst an seinem eigenen Selbstmord und fristet sein restliches Dasein im Rollstuhl. Aldos bestem Freund Liam geht es nicht viel besser, zwar scheitert dieser im Leben ebenso, schafft es aber dennoch ein halbwegs normales Leben zu führen – im Gegensatz zu Aldo. Seine Biographie mutet geradezu grotesk misslungen an, und genau das will der Möchte-gern-Schriftsteller Liam zu Papier bringen.

BÜCHERWEIHNACHT – TEIL 2/2

Weitere Buchempfehlungen für alle, die noch auf der Suche nach den passenden Geschenken für Freunde und Familienmitglieder sind

von Dominik Achtermeier (17. Dezember 2016)

 

 

 

#4 Für Familienmenschen und New-York-Fans

Florence Gordon ist eine Antiheldin, die lieber ihre Memoiren schreibt, als sich von ihren Freunden auf einer Überraschungsparty ihr zu Ehren feiern zu lassen. Sie ist eine intellektuelle Feministin, die mit Modernisierungen so ihre Schwierigkeiten hat. Sowohl Smartphones am Mittagstisch als auch neue Ansprechpartner im Verlag sind in ihrer Welt aus gepflegter Kommunikation und konservativer Gewöhnlichkeit verabscheuenswürdig. Vielmehr noch ist sie eine Frau, die die besten Jahre ihres Lebens hinter sich und als Mutter und Großmutter eine bestimmte Verantwortung hat, ohne auch nur einen Hauch ihrer Unabhängigkeit mit anderen teilen zu wollen. Ob sie all ihren Rollen immer und überall gerecht wurde und wird, steht in diesem unkonventionell daherkommenden Roman zur Debatte. Der Schriftsteller Brian Morton entführt uns mit Das Leben der Florence Gordon in eine Familiengeschichte, die nicht konventionell-erhaben, sondern zerbrechlich-tiefgründig und an der Wirklichkeit ausgerichtet daherkommt. In Rückblicken zeigt Morton dem Leser die Biografien gleich dreier Frauen auf, die zwar in einer Familie spielen, doch in ihren Welten unterschiedlicher nicht sein könnten. Höhen und Tiefen, Wünsche und Träume, Ängste und Nöte reichen sich die Hand. Auch wenn Florence auf den ersten Blick antiquiert, ja unlängst nicht mehr up-to-date zu sein scheint, wird sie uns mit jedem Kapitel und inmitten ironischer wie ernster Töne irgendwie vertrauter. Morton zeichnet – in einer den unterschiedlich beschriebenen Situationen angepassten Wortwahl – ein so realistisches Familienbild, dass uns das Leben jeder einzelnen Figur so nahbar erscheinen lässt. Eine besondere Empfehlung für Familienmitglieder, die nicht nur unkonventionell sind, sondern auch anspruchsvoll-moderne Literatur schätzen.