Eine Mordsgaudi

 

von Anne Schumacher (1. Oktober 2010)

Geschrieben hat sie schon immer. Mit Gedichten konnte sie auf ganz wenigen Zeilen die großen Gefühle zum Ausdruck bringen oder „der Menschheit ans Bein pissen.“ Nachdem die Leseratte Rita Falk so viele grottige Bücher gelesen hatte, dachte sie sich, „schlechte Bücher schreiben kann ich auch. Vielleicht schaff ich es sogar, gute Bücher zu schreiben. Oder wenigstens lustige.  Dann bin ich an den Schreibtisch und der Franz hat sich zu mir gesetzt. Und so haben wir angefangen.“ Rita Falk, Jahrgang 1964, hat es geschafft. Am 01. Oktober 2010 erscheint ihr Debüt Winterkartoffelknödel.  Franz, das ist ihr Held. Er ist ein angesehener Kommissar bei der Münchener Polizei und wird strafversetzt in sein ruhiges und überschaubares bayerisches Heimatdorf Niederkaltenkirchen.

 

Da rein, da raus, nur das wichtigste bleibt im Kopf“

 

von Cornelia-Susanne Hövel (15. September 2010)

 

 

1998 entstand als Projekt von downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft der Ohrenkuss, eine Zeitschrift von Autoren mit Downsyndrom. Kreatives und literarisches Talent – so was gibt es bei Menschen mit Downsyndrom auch? Fragen und Vorurteile, die Menschen mit Downsyndrom häufig begegnen. Die Zeitschrift bietet ihnen ein Forum und Lesern neben spannenden und schönen Berichten und Bildern die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. Der Erfolg des Ohrenkuss', der alle sechs Monate erscheint, zeigt sich u.a. an inzwischen 12 Jahren Arbeit mit über 100 Autoren und vielfältigen Auszeichnungen.

 

 

Fotos aus Japan

Von Florian Seubert (13. September 2010)

Banana Yoshimoto ist Kult in Japan. Ihre Geschichten und Romane scheinen den Nerv einer ganzen Generation zu treffen. So auch die dreizehn Geschichten, die nun auf Deutsch unter dem Titel Mein Körper weiß alles erschienen sind. Schon 2000 wurden die Erzählschnipsel in Japan veröffentlicht. Liebe, Schmerz, körperliches und seelisches Leid tropfen aus den Geschichten. Darunter mischen sich leicht rührselige Erinnerungen an Kindertage, die Suche nach vergangenem Wohlgefühl. Dazwischen die ein oder andere Lebensweisheit und „munter wie Quellwasser floss die Zeit dahin“.

Von einer, die Hinausschwamm, das Fürchten zu lernen...

oder: Karma hat das Donauweib!

von Nora-Eugenie Gomringer (15. Juli 2009)

Mieze Medusa hat ihr Romandebut im Wiener Melinda-Verlag veröffentlicht und einen sympathischen, leseleichten Text vorgelegt.Nora Klein, seine Protagonistin, ist eine kalte Person, der man das Kalt-Sein erst im Heranlesen an die Story anmerkt. Und es ist nicht ihre Schuld.Zwar ist ihr innerer Monolog eine große Lakonie, Zweckmäßigkeit und augenscheinliche Gerade, doch gibt es im Verlauf einen Charakterbruch, der einen verblüfften Leser einer komplexen Figur auf die Spur kommen lässt.

Mieze Medusa beherrscht ihr Metier. Sie lässt Klein als freie Grafikerin knapp vor der dreißig durch die Jobaquise-Hölle gehen, Logos designen und Absagen erhalten. Dabei schaut Nora ihr verspieltes, außerkörperliches Karma kommentierend über die Schulter und ihr neuer Mitbewohner Seb weckt ihre Neugierde, während die junge Britta anscheinend nur ihre Nähe sucht und ihr Auftraggeber Frank mehr als nur die. Von alldem und all dem anderen hat Nora Klein eigentlich die Nase voll. Wiederholte Male werden neue Ziele im Leben formuliert. Dinge müssen und sollen sich ändern, Zufriendenheit muss her! Einer Spoken Word Künstlerin und Rapperin gelingt hier ein Eingang in die Prosa, indem sie eine erfreulich unverschraubte Sprache und mit ihr einen unkapriziösen Ton treffen kann.

Bahnfahrt in die Hölle

von Kristin Krüger (31. August 2009)

Gejagt von Alpträumen und einer paranoiden Angst zu sterben, reist Ole Reuter mit einer Netzkarte per Bahn quer durch Deutschland. Sein Körper verfällt und ihm ist es unmöglich, Ruhe zu finden. Ein Schreibzwang lässt ihn alle Erlebnisse, Gedanken und Gespräche während seiner Reise zu Papier bringen. Mal schreibt er als Ich – distanzlos und persönlich - und dann wieder als Er – scheinbar objektiv und nüchtern betrachtend. Doch diese Reise, die Entspannung und Genesung von seinen Ängsten mit sich bringen soll, wird eine Bahnfahrt in Oles ganz private Hölle.

Sten Nadolny lässt in Er oder Ich seine bereits aus Netzkarte bekannte Figur Ole Reuter wieder aufleben. Als Junge machte Ole eine Bahnfahrt per Netzkarte durch Deutschland, um den Tod seines Vaters zu verarbeiten. Nun ist er wieder unterwegs. Doch der Leser erfährt nicht genau, wovor Ole davonläuft. Geleitet durch eine Art Schutzengel, der in brieflichen Einschüben zu Wort kommt, stolpert er durch diesen neuen Roman.