Geschwister des Wassers

von Ramona Löffler

"Für die Figuren dieser Geschichte" schrieb die brasilianische Autorin Andréa del Fuego 2010 ihren Debütoman Geschwister des Wassers. Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse, bei der ihr Heimatland Ehrengast sein wird, liegt er nun auch in deutscher Übersetzung vor.

Ein Blitz, der in die Körper ihrer Eltern einschlägt, macht die jungen Geschwister Nico, Antônio und Júlia nicht nur über Nacht zu Waisenkindern, sondern trennt sie auch voneinander: Nico wird vom Großgrundbesitzer Geraldo aufgenommen, Antônio und Júlia kommen vorerst in ein städtisches Waisenhaus, das von katholischen Nonnen geführt wird und sollen von dort aus weitervermittelt werden. Nico kann sein Versprechen, die Geschwister bald wieder zurückzuholen, nicht halten und so vergehen die Jahre ohne das erwartete Wiedersehen: Während er sich an die Landarbeit gewöhnt und in ein Mädchen verliebt, nimmt eine arabische Matriarchin Júlia als Dienstmädchen zu sich, und der stille Antônio, bei dem Zwergenwuchs diagnostiziert wurde, bleibt bei den Nonnen zurück. Obwohl die Brüder durch Nicos Heirat schließlich wieder zueinander finden, verstreicht jede Gelegenheit, Júlia wiederzusehen.

Gedankensplitter für das digitale Zeitalter

von Jonas Meurer (12.06.2013)

Der Mausklick ersetzt den Diskurs. Beteiligung und Betrachtung fallen zusammen.“ In seinem jüngsten, knapp 40 Seiten starken Essay Digitale Rationalität und das Ende des kommunikativen Handelns erarbeitet Byung-Chul Han eine, wie er schreibt, „Denk-Möglichkeit“, die auf der Vorstellung beruht, dass mit der Omnipräsenz der digitalen Medien die Idee einer diskursiven Rationalität gleichsam den Boden unter den Füßen verliert.

Byung-Chul Han, Jahrgang 1959, ist so etwas wie der intellektuelle Shooting-Star des Augenblicks. Mit seinen meist sehr schmalen Büchern wirft er in einem ganz eigenen, komprimierten Duktus Schlaglichter auf Prozesse, von denen die Gegenwart geprägt ist. In Agonie des Eros ist das der Verlust von Empathie und echter Erotik, in Transparenzgesellschaft der Wandel zu einer distanzlosen Hyperinformations- und damit Kontrollgesellschaft, in Müdigkeitsgesellschaft die Manifestation eines ruhelosen Leistungssubjekts, für das Kontemplation mehr und mehr zum Fremdwort wird. Nun also steht die digitale Welt auf der Tagesordnung des Berliner Philosophen.

Der geraubte Leser

von Saskia Lackner (24. März 2013)

Wäre es nicht so traurig wahr, könnte man die Machthaber Nordkoreas mit diesen Comic-Bösewichten vergleichen: immer große Pläne – am besten gleich die Weltherrschaft –, nie Gutes im Sinn. Die Testflüge einiger Raketen gingen schief (sofern sie denn überhaupt gestartet werden konnten), weder Ausrüstung des Militärs noch der Stand der Forschung scheint es möglich zu machen, die großspurigen Pläne zu verwirklichen. Dann wurde auch noch von Paraden berichtet, bei denen angemalte Pappraketen bejubelt werden. Alles für den Schein.

Das Leben und seine Debüts

von Wiebke Glaser

Die Schulzeit mit ihren Vereinen, Musik-  und Projektgruppen ist ein großes Experimentierfeld. „Dort gilt es seine Stärken und Schwächen auszuloten“, sagt Johannes König, Professor für Empirische Schulforschung an der Universität zu Köln. „Wer jung ist, braucht Erfolgerlebnisse und soll seine Grenzen kennenlernen.“ Dabei prägen uns die allerersten Erfahrungen besonders tief. „Das erste Mal“ – Bei diesen Worten denkt die Mehrheit vermutlich an DAS erste Mal, den ersten Sex. Diesem Thema ist zwar auch ein Erzählung gewidmet, jedoch erfahren die Leser des Buches Das erste Mal. Küssen, Fliegen, Siegen und andere Debüts das es weit mehr erste Male im Leben eines Menschen gibt.

Hungern für die Kunst

von Therese-Josefin Federolf (18.11.2012)

Ein Hungerkünstler ist eine von Franz Kafkas bekanntesten Erzählungen. Der namensgebende Anti-Held zieht durch die Lande und findet überall scharenweise Zuschauer. Nach und nach verlieren die Menschen aber das Interesse an seiner Kunst und zweifeln an seiner Ehrlichkeit. Gekränkt lässt sich der Hungerkünstler von einem Zirkus engagieren und in einen abgelegenen Käfig sperren.