Die Kunst der Illusion

von Tobias Illing (4. Juni 2010)

William Wilson ist, was man einen Zauberkünstler nennen würde. Vielleicht auch einen Scharlatan oder Betrüger. So genau lassen sich die Grenzen zwischen Illusion und Magie einfach nicht ziehen. Und ein bisschen Aberglaube gehört schon dazu, wenn man Freude an der Zauberei haben möchte. Wer den nicht hat, den verblüfft William mit seinen scheinbaren hellseherischen Fähigkeiten, die er aus den heimlich entwendeten Brieftaschen seiner Zuhörer zieht.

Im Augenblick jedoch ist er vor allem eines: arbeitslos. Seine großen Tage sind längst vorbei und auch sein Agent will nur noch widerwillig etwas von ihm wissen. Mit dessen Sekretärin ließ sich auch schon besser flirten. Doch dann bekommt er unvermittelt ein Angebot, im »Schall und Rauch« in Berlin aufzutreten. Eine willkommene Abwechslung zum regengrauen Glasgow – neues Publikum, eine neue Show und eine gute Gelegenheit, endlich die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Pimmel ohne Hut

Von Kathrin Oberle (28. Mai 2010)

»Meine Mutter hatte zur Abwesenheit meines Vaters stets erklärt, er säße im Gefängnis, weil er gegen General Zias Militärdiktatur in Pakistan gekämpft hatte. Die fehlende Vorhaut hatte sie bisher noch nie erwähnt.«

Der Tag, an dem Aatish Taseer erstmals das Gefühl beschleicht, ein Moslem und somit anders als die religiöse Mehrheit auf dem indischen Subkontinent zu sein, hätte sich nicht klischeehafter abspielen können. Das Gefühl, ein Muslim zu sein, ist für ihn Zeit seines Lebens eng mit der Abwesenheit des Vaters verbunden - beides zu Beginn der Geschichte »eine große Leerstelle« für ihn.

Philosophie der Unsittlichkeiten

Von Julia Schmidt (18. Juni 2010)

»Möge jede Mutter ihrer Tochter die Lektüre dieses Buches gebieten.« – wünscht sich Marquis de Sade noch vor dem ersten Dialog seines Werkes Die Philosophie im Boudoir. Eine Philosophie vom Namensgeber des Sadismus?

Madame de Saint-Ange und ihr Bruder de Chevalier de Mivrel zählen sich zu den Libertins der französischen Gesellschaft. Natürlich hinter vorgehaltener Hand: Das Etiquette von Tugendhaftigkeit, Toleranz, Mitleid und Religion verabscheuend, geben sie sich insgeheim ihren natürlichen Trieben der Wollust hin und leben diese bis zum Inzest und der Erfahrung von Lust durch Schmerzenszufügung anderer aus.